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Werbung: «Dorfidylle» führt in die Irre

Uhr | Aktualisiert 09.09.2012 16:15 Uhr

Fotos von weidenden Kühen machen Appetit auf Milch. (FOTO: ARCHIV)

Mit Bauernhofbildern und Schlagworten wie "Land" oder "Hof" auf Fleisch- und Wurstverpackungen täuschen die Hersteller nach Einschätzung der Hamburger Verbraucherzentrale die Verbraucher bewusst über die wahre Herkunft ihrer Lebensmittel.
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Halle (Saale)/AFP/DPA. 

"Anders als auf den Etiketten der Verpackungen suggeriert, stammt das Fleisch fast immer aus anonymen Agrarfabriken", kritisierte die Verbraucherzentrale. Sie untersuchte 18 Etiketten ausgewählter Fleisch- und Wurstprodukte.

83 Prozent der Verpackungen zeigten grüne Wiesen, 56 Prozent Fachwerkhäuser. Auch Mühlen und hohe Bäume als weitere Inbegriffe des Dorf- und Landlebens fanden sich. Dazu kamen in nahezu allen Fällen Schlagworte wie "Bauer", "Hof" oder "Land" als Bestandteile des Produkt- oder Markennamens. Konkrete Angaben zu den tatsächlichen Haltungsbedingungen der Tiere fanden sich dagegen auf keiner Verpackung, wie die Verbraucherzentrale bemängelte. Obwohl vielen Verbraucher das Tierwohl am Herzen liege, tappten sie aufgrund der Packungsgestaltung im Dunkeln.

Selbst auf Nachfrage sei nur ein knappes Fünftel (17 Prozent) der Produzenten bereit gewesen, Auskünfte zu den Haltungsbedingungen zu erteilen. Ökologisch erzeugte Fleisch- und Wurstware ist nach Angaben der Verbraucherzentrale mit einem Marktanteil von 1,1 Prozent noch ein Nischenmarkt. Die "idyllische Bild- und Wortwelt herkömmlicher Fleisch- und Wurstangebote" verhindere, dass sich ein Markt für tierschutzgerechte Nahrungsmittel etablieren könne. Verbraucher sollten sich nicht von Werbe-Versprechen auf Nahrungsmitteln täuschen lassen. "Lebensmittel müssen nicht irgendwie genehmigt oder zugelassen werden. Im Prinzip kann da erstmal der Anbieter drauf schreiben, was er will", sagte Hartmut König vom Verbraucherzentrale-Portal lebensmittelklarheit.de. Man sollte deshalb genau hinschauen. Es sei sinnvoll, grundsätzlich kritisch mit Lebensmitteln umzugehen, wenn mit Aussagen zur Gesundheit für sie geworben werde, sagte König.

Verbrauchern rät Experte König, wenn möglich frische Produkte aus der Region zu kaufen und bei fertigen Lebensmitteln genau hinzuschauen: "Je länger die Zutatenliste bei einem verpackten Produkt ist, desto kritischer sollte man damit umgehen", sagte er. Das sei meistens ein Indiz für viele Aromen und Zusatzstoffe.