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Jahreswechsel: Das ändert sich 2013

Uhr | Aktualisiert 01.01.2013 19:28 Uhr
Eine Drei-Cent-Briefmarke wird vor eine 55-Cent-Briefmarke gehalten. (SYMBOLFOTO: DPA) 
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Halle (Saale)/MZ. 

Briefe: Die Post erhöht das Porto für Briefe und größere Sendungen. Gestiegene Kosten seien für die erste Preiserhöhung seit 15 Jahren verantwortlich, hieß es. So soll unter anderem der Versand eines Standardbriefs national nicht mehr 55 Cent, sondern 58 Cent kosten. 3-Cent-Briefmarken gibt es dann ab 2013 zum "Nachbessern". Für eine Postkarte bleibt es bei 45 Cent Porto.

Sozialversicherung: Die Rentenbeiträge sinken 2013 von 19,6 auf 18,9 Prozent. Daher bleibt den meisten Arbeitnehmern am Ende des Monats ein wenig mehr Geld in der Tasche. Bei einem Bruttomonatseinkommen von 800 Euro sind es 2,80 Euro, bei 2 400 Euro bleiben 8,40 Euro und bei 5 500 Euro sind es 19,25 Euro. Allerdings bleibt einigen Besserverdienern gar nichts. Denn auch die Beitragsbemessungssätze werden angehoben: Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen nunmehr bis zu einem Monats-Brutto-Einkommen von 4 900 Euro. Auch für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gelten neue Bemessungsgrenzen.

Betreuungsgeld: Ab dem ersten August 2013 erhalten Eltern, die ihre unter dreijährigen Kinder privat betreuen, einen Zuschuss von 100 Euro monatlich. Ab August 2014 soll der Betrag auf 150 Euro pro Monat steigen.

Fernsehen: Die bisherige GEZ-Gebühr aus den 50er Jahren wird zum neuen "Rundfunkbeitrag". Die monatlich 17,98 Euro bleiben unverändert. Zahlen muss sie dann aber jeder Haushalt - auch wenn er gar kein Radio oder Fernsehgerät besitzt. Mit dem Beitrag ist die Nutzung aller Fernseher, Radios, internetfähigen Computer und Auto- radios der Haushaltsmitglieder abgedeckt, egal wie viele Personen es sind. Die umstrittenen Haustürkontrolleure werden abgeschafft. "Aufgeflogene" Schwarzseher müssen angeblich keine Nachzahlungen fürchten. Selbstständige, die zu Hause arbeiten, kommen künftig besser weg. Ihr Arbeits-PC ist inklusive. Für Geschäftswagen werden aber immer noch 5,99 Euro monatlich extra fällig.

Verkehr: Als neue Konkurrenz zu Zügen, Autos und Billigfliegern bekommen innerdeutsche Fernlinienbusse freie Fahrt. Mit Rücksicht auf den vom Steuerzahler subventionierten Öffentlichen Nahverkehr dürfen die Fernbusse aber nur Haltepunkte im Abstand von mindestens 50 Kilometern anfahren.

Wehrsold: Der Grundwehrsold beim freiwilligen Wehrdienst und das Taschengeld für den Bundesfreiwilligendienst bleiben steuerfrei. Steuerpflichtig werden bei Dienstverhältnissen ab 1. Januar 2013 unter anderem der Wehrdienstzuschlag, besondere Zuwendungen sowie unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung.

Praxisgebühr: Ab 2013 müssen Patienten keine zehn Euro mehr beim Arzt abgeben. Die 2004 eingeführte, einmal im Quartal zu entrichtende Praxisgebühr entfällt. Das bedeutet auch, dass Patienten wieder ohne Überweisung Fachärzte konsultieren können. Unangetastet bleibt dagegen der Eigenanteil von gesetzlich Versicherten für Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, Krankenhausaufenthalte, Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen (Kuren), häusliche Krankenpflege, Fahrkosten und Haushaltshilfe. Zugezahlt werden muss weiter beispielsweise bei verordneten Arznei- und Verbandmitteln zehn Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, auf keinen Fall mehr als die Kosten des Mittels; bei Heilmitteln (zum Beispiel Krankengymnastik): zehn Prozent der Behandlungskosten und 10 Euro je Rezept; bei Hilfsmitteln (zum Beispiel Einlagen) zehn Prozent der Kosten, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Hilfsmittel; bei einem Krankenhausaufenthalt täglich 10 Euro für maximal 28 Tage im Jahr.

Schwerbehinderte: Er ist so klein wie eine Bankkarte und soll weniger diskriminierend wirken als die alten großen Papierlappen: der neue Schwerbehindertenausweis (Foto). Vom 1. Januar an können Behörden den Ausweis im Scheckkartenformat ausstellen. Für Schwerbehinderte ändert sich damit allerdings nichts. Die alten Ausweise bleiben ebenso gültig, sie müssen nicht umgetauscht werden. Die Vorschriften zur Festlegung des Grades der Behinderung (GdB) im Schwerbehindertenausweis bleiben ebenso wie gehabt. Ausgestellt wird der Ausweis, mit dem als Nachteilsausgleich einige Vergünstigungen möglich sind, bei einem GdB von 50 oder mehr. Als Antrag reicht zunächst ein formloses Schreiben an das Versorgungsamt aus, das dann einen Antragsvordruck verschickt.

Autofahrer: Parken ohne gültigen Parkschein wird bald teurer. Das Bußgeld erhöhe sich zum 1. April 2013, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Derzeit müssen Autofahrer bundesweit zwischen fünf und 25 Euro bezahlen, wenn sie ohne gültiges Ticket auf Parkplätzen mit Parkscheinautomaten oder Parkuhren erwischt werden. Ab April sollen folgende Preisaufschläge gelten:

Düsseldorfer Tabelle: Ab Januar dürfen Unterhaltspflichtige in Deutschland mehr Geld für sich behalten. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht mitgeteilt. Ein erwerbstätiger Unterhaltszahler mit Kindern bis 21 Jahren darf künftig 1 000 statt 950 Euro im Monat für seinen eigenen Bedarf behalten. Die "Düsseldorfer Tabelle" regelt bundesweit Unterhaltsansprüche für Millionen Trennungskinder. Ein Beispiel: Ein Vater hat ein Nettoeinkommen von 1 200 Euro. Für sein vier Jahre altes Kind muss er laut der "Düsseldorfer Tabelle" 225 Euro Unterhalt im Monat zahlen. Nach Abzug des Unterhalts bleiben ihm 975 Euro monatlich. Nach der neuen Regelung hat er Anspruch auf 1 000 Euro Selbstbehalt, also 25 Euro mehr. Die Änderung liegt hier knapp über 10 Prozent (10 Prozent von 225 Euro = 22,50 Euro). Daher kann der Vater beim Gericht beantragen, dass seine monatliche Unterhaltszahlung geändert wird.

Hartz IV: Langzeitarbeitslose haben mit Beginn des neuen Jahres etwas mehr Geld im Portemonnaie: Die rund sechs Millionen Empfänger von Hartz-IV-Leistungen bekommen monatlich fünf bis acht Euro mehr. Der Regelsatz für einen Single steigt von 374 auf 382 Euro. Das ist ein Plus von 2,1 Prozent. Beim Start von Hartz IV im Jahr 2005 waren es 345 Euro. Der Hartz-IV-Satz für Partner erhöht sich um acht auf 345 Euro, für Kinder bis sechs Jahre auf 224 Euro (plus 5 Euro), für Kinder von 7 bis 14 Jahren um 6 auf 255 Euro und für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren um ebenfalls 6 auf 289 Euro.

Alter: Arbeitnehmer, die 2013 in Rente gehen, müssen einen größeren Anteil ihrer Rente versteuern. Der steuerfreie Anteil verringert sich auf 34 Prozent, erklärt der neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Gleichzeitig erhöht sich 2013 der Steuervorteil für die Altersvorsorge. Von dem Arbeitnehmeranteil können dann 52 Prozent der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Das bedeutet eine Entlastung von 22 Euro bei einem Jahresbruttolohn von 30 000 Euro.

Familie: Für Kinder, die ab 1. Januar geboren werden, gibt es weniger Elterngeld. Der Grund: Bei der Berechnung zählen nicht mehr die konkreten Abzüge für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Abgezogen werden für die Sozialversicherungsbeiträge stattdessen künftig pauschal 21 Prozent. Dadurch kann das Elterngeld für Eltern mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2 000 bis 3 000 Euro um sieben bis zehn Euro im Monat sinken.

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