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Alternativen: Abschied von der Glühbirne

Uhr | Aktualisiert 02.09.2012 23:17 Uhr

Die Glühbirne scheidet dahin. Zukunft haben Energiesparlampen und vor allem Leuchtdioden. (FOTO: DPA)

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Noch ist Zeit für einen Hamsterkauf: Die Lagerbestände der 25- und 40-Watt-Glühlampen werden weiterhin angeboten. Es werden aber keine Modelle über 10 Watt mehr produziert. Die Alternativen sind Energiespar- und Halogenlampen sowie LEDs.
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Halle (Saale)/MZ. 

Noch ist Zeit für einen Hamsterkauf: Die Lagerbestände der 25- und 40-Watt-Glühlampen werden weiterhin angeboten. Nunmehr werden aber keine Modelle über 10 Watt mehr produziert. Die Alternativen sind Energiespar- und Halogenlampen sowie LEDs. Das müssen Verbraucher dazu wissen:

Woran erkennen Kunden die Helligkeit der Energiesparlampen?

Die Glühbirne - von Experten als Glühlampe bezeichnet - wurde nach der Wattzahl ausgesucht. Bei Energiesparlampen ist dieser Wert geringer. Für einen Vergleich gibt es eine Formel: "Ganz grob: Die Leuchtstärke der Glühlampe durch vier geteilt ergibt die Wattzahl der Energiesparlampe", erklärt Erhard Bülow, Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin. Eine Energiesparlampe mit 15 Watt ist also etwa so hell wie eine 60-Watt-Glühbirne. Aber die Wattzahl wird nach und nach von den Verpackungen verschwinden. Denn die Helligkeit von Energiesparlampen wird in Lumen (ln) angegeben.

Wer die 25-Watt-Glühlampe adäquat ersetzen will, greift zu einer energiesparenden Lampe mit 200 Lumen (7 Watt). Die 40-Watt-Lampe wird Bülow zufolge mit einer Lichtleistung von 400 Lumen (9 Watt) ersetzt, die 60-Watt-Glühbirne mit 700 Lumen (15 Watt) und das 75-Watt-Modell mit 1000 Lumen (20 Watt). Die Helligkeit einer 100-Watt-Glühbirne entspricht der einer Energiesparlampe mit 1400 Lumen (23 Watt).

Welches Energiesparmodell leuchtet wie die Glühbirne?

Die Lichtfarbe wird als Farbtemperatur in Kelvin (K) angegeben. 2 700 bis 3 300 Kelvin schaffen ein warmes Weiß, das dem Licht der Glühbirne entspricht. Das sei die richtige Stärke fürs gemütliche Wohnzimmer, findet Bülow. Mit 4 000 Kelvin werde die Arbeitsfläche in der Küche in ein neutrales Weiß getaucht. Tageslichtweiß und damit so hell wie in einem Büro werde es mit 6 000 Kelvin.

Im Treppenhaus, im Keller oder im Bad sollte darauf geachtet werden, dass die Birne schnell hell wird, erläutert Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. "Beträgt die Anlaufzeit laut Verpackung 15 Sekunden, heißt das, dass in 15 Sekunden 60 Prozent der Helligkeit erreicht sind." Neben diesem Wert empfiehlt sie, auf die Schaltfestigkeit der Modelle zu achten - gerade dort, wo häufig das Licht an- und ausgeknipst werde.

Wie viel Strom wird gespart?

Die Deutsche Umwelthilfe hat eine 60-Watt-Glühlampe mit einer 11-Watt-Energiesparlampe bei einer Brenndauer von täglich drei Stunden verglichen. Das Ergebnis: Die Glühlampe verbraucht rund 66 Kilowattstunden Strom, die Energiesparlampe nur 12 im Jahr. Die CO2-Emission der Glühlampe liegt außerdem bei 39,2 Kilogramm jährlich, die Energiesparlampe stößt 7,2 Kilogramm aus.

Wie lange halten Energiesparlampen?

Energiesparlampen ohne Vorwärmfunktion leuchten rund 6 000 Stunden, erläutert die Initiative EnergieEffizienz der Deutschen Energie-Agentur. Das sei etwa fünfmal so lang wie eine Glühlampe. Mit Vorwärmfunktion können sie auf bis zu 15 000 Betriebsstunden kommen. LEDs leuchten rund 15 000 Stunden.

Welche Variante strahlt am wenigsten Wärme aus?

In Sommernächten merkt man es besonders: Lampen können einen Raum zusätzlich aufheizen. Nach den Glühbirnen werden Halogenlampen am wärmsten, erläutert Bülow. Am kühlsten bleiben Energiesparlampen, gefolgt von LEDs.

Sind Energiesparlampen gefährlich?

Energiesparlampen enthalten geringe Mengen giftigen Quecksilbers. Seit Januar 2012 beträgt dieser Grenzwert 3,5 Milligramm. Ab 2013 seien nur noch 2,5 Milligramm erlaubt, sagt Müller. Dass die Lampen zerbrechen, passiere jedoch nur selten, beruhigt die Initiative EnergieEffizienz. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Verbraucher Lampen mit Splitterschutz kaufen. Alternativen seien Lampen, die Quecksilber in gebundener Form oder hauptsächlich Amalgam enthalten. Die austretende Menge ist im Fall eines Bruchs geringer.

Was ist zu tun, wenn eine Lampe zerbricht?

Das Umweltbundesamt empfiehlt, sofort zu lüften. Alle Personen und Haustiere sollten für eine Viertelstunde das Zimmer verlassen. Die Bruchreste sollten dann bei geöffnetem Fenster entsorgt werden. Mit einem angefeuchteten Papiertuch gehe das am besten, rät die Initiative EnergieEffizienz. Die Scherben werden luftdicht in einer Plastiktüte verpackt. Die Glühbirne darf in den Hausmüll. Energiesparlampen, LEDs und Halogenlampen müssen zu Sammelstellen gebracht werden, auch viele Verkaufsstellen nehmen die Birnen zurück.

Was wird aus den Halogenlampen?

Halogenlampen brauchen bis zu 30 Prozent weniger Energie als die klassische Glühlampe, erläutert Müller. Aber auch ihr Ende naht. Bis 2016 müssen die Hersteller Halogenlampen so verbessern, dass sie die Energieeffizienzklasse B schaffen. Die meisten rangieren derzeit in Klasse C. Modelle mit höherem Standard heißen etwa Niedervolt-Halogenlampen.

Ist denn tatsächlich für alle Glühlampen Schluss?

Nein, Spezialbirnen, die nach Herstellerangaben etwa im Bergbau oder auf Schiffen eingesetzt werden, dürfen weiter verkauft werden. "Sie sind etwas für alte Werkstattlampen und für bewegliche Lampen jeder Art", sagt Horst-Ulrich Frank von der Neuen Verbraucherzentrale in Neubrandenburg. "Da sind Energiesparlampen eher nicht zu empfehlen. Denn wenn sie zerbrechen, tritt Quecksilber aus." Die Speziallampen sind im normalen Handel erhältlich. Die Leuchtmittel haben einen verstärkten Glühfaden oder dickeres Glas und sind daher robuster. "Es sind Hochleistungslampen, die nicht unter das Glühlampenverbot der EU fallen", erklärt Frank. Sie kosten allerdings mehr als die haushaltsüblichen Modelle, haben aber den gleichen hohen Energieverbrauch.

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