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Unesco-Weltkulturerbe: Stadt Quedlinburg steht in den Startlöchern

Klaus-Dieter Plate mit Interessierten

Klaus-Dieter Plate von der Baubecon führte durch die Altstadt und zeigte Objekte, die saniert wurden oder noch zu sanieren sind.

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Chris wohlfeld

quedlinburg/MZ -

Welterbemanagementplan. Was steckt hinter diesem Wortungetüm? Maren Stüwe, Chefin des Referats Unesco-Weltkulturerbe im Landesverwaltungsamt, gelang gestern etwas besonderes - eine Erklärung in einem Satz: „Er ist eine aktuelle Bestandsaufnahme mit Prognosen und Empfehlungen zum Schutz und zur Weiterentwicklung der Welterbestadt Quedlinburg.“ Damit ist der „WMP“ Bibel, Grundgesetz und Fahrplan in einem. Gestern wurde das 1 000-Seiten-Werk in einer Feierstunde im Rathaus von Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht an Ministerialrat Joachim Stappenbeck als Vertreter des Landes übergeben.

Stüwe machte auch den Aufwand, der für den WMP in den vergangenen dreieinhalb Jahren betrieben werden musste, durch ein Beispiel anschaulich: In ihrer Mailbox befinden sich 850 Nachrichten, zum Teil mit seitenlangen Anhängen. Das zeige, wie intensiv der Austausch war. Denn am WMP waren neben der Stadtverwaltung auch verschiedene Consulting-Unternehmen, Landesbehörden und natürlich die Bürger beteiligt.

Eine zentrale Figur ist Landeskonservatorin Ulrike Wendland. „Wir haben kiloweise Kekse und literweise Kaffee in uns eingefüllt“, bekannte sie gestern in ihrem Grußwort. Das machte nicht nur satt, sondern zeitigte auch Erfolg: „Keine andere Welterbestadt hat solch ein Ergebnis bisher vorlegen können.“ Lob von ihr gab es vor allem für die Arbeit der Verwaltung: So sei die verantwortliche Sachbearbeiterin Katrin Kaltschmidt stets „im Auge des Orkans“ gewesen, und Bürgermeister Brecht habe „aufrecht und tapfer sehr viele Bürgerversammlungen abgehalten“. „Quedlinburg braucht für diese riesige Aufgabe weiterhin Unterstützung“, betonte Ministerialrat Stappenbeck. Auch in Zukunft müsse es eine Förderung der Welterbestätten geben. „Stadt, Land und Bund müssen viel Arbeit leisten“, sagte er.

Die Unterstützung für Quedlinburg war bisher großzügig, sagte Brecht. 41 Millionen Euro habe es aus dem Programm für die städtebauliche Sanierung und 74 Millionen aus dem städtebaulichen Denkmalschutz gegeben. Etwa 250 Millionen Euro kamen von privaten Investoren hinzu. Dennoch bleiben die Herausforderungen gewaltig, machte Brecht klar. So veranschlagt er für die Sanierung und die Modernisierung der Präsentation des Schlossberges 15 bis 20 Millionen Euro. Weitere 150 Millionen Euro müssten laut Brecht in die Stadtsanierung fließen.

Diese Zahlen bringen den Bürgermeister zu einer Einschätzung, die im ersten Moment ungewöhnlich klingt: „Wer das Welterbe erhalten will, muss aktiv Industriepolitik betreiben.“ Denn von der Hundesteuer allein sei all das nicht finanzierbar. Und auch der Tourismus werde gemeinhin als Geldquelle überschätzt: Von den etwa 5 Millionen Euro, die Quedlinburg jährlich an Gewerbesteuern einnimmt, stammt gerade einmal ein Prozent aus dem Tourismus.

Darum sei gerade die Ausweisung von Industrieflächen in Quedlinburg so wichtig. Während Halberstadt 207 und Wernigerode 177 Hektar vorzuweisen habe - in Thale seien immerhin 11,2 Hektar geplant -, sind es in Quedlinburg gerade 2,2 Hektar. Neben dem Ausbau der Industriegebiete nannte Brecht als weitere zentrale Projekte der kommenden Jahre: einen Informationspunkt „Unesco-Welterbe“ für Touristen, ein Informations- und Orientierungssystem, die Vermarktung der „Top-Attraktion“ Stiftsberg und eine Kampagne „20 Jahre Unesco-Welterbe Quedlinburg 2014“.


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