Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Quedlinburg: Giftköder gegen Samtpfoten

Andrea Cornelius und Sabine Jurk (v.l.)

Andrea Cornelius vom Allgemeinen Tierhilfsdienst und Sabine Jurk (v.l.) vom Tierschutzverein Quedlinburg betrachten eine gefangene Katze. (FOTO: C. WOHLFELD)

QUEDLINBURG/SCHWANEBECK/MZ. -

"Wir müssen etwas unternehmen, um der Lage Herr zu werden", so beschreibt die Quedlinburger Bundestagsabgeordnete Undine Kurth (Bündnis 90 / Grüne) ein bundesweites Problem, das es auch in Schwanebeck gibt: Es stromern immer mehr ausgesetzte Hauskatzen herum, die sich rasant vermehren. "Diese Tiere haben draußen keine Chance und sind ein Sicherheitsproblem, denn sie können Seuchen übertragen", erklärt die Politikerin.

Laut Undine Kurth dürfe das Problem nicht vor sich hindümpeln, zum Beispiel könnten die kranken Vierbeiner spielende Kinder mit Krankheiten anstecken. Ordnungsämter seien für das Einfangen der ehemaligen Stubentiger nicht zuständig. Darum würden sich jetzt Tierschutzvereine kümmern. Die Kastration übernehmen dann Tierärzte. Zu stark erkrankte oder unterernährte Katzen müssten eingeschläfert werden.

Lebendfallen mit Futter

Weiterhin weist Undine Kurt, die selbst drei Katzen hat, darauf hin, dass eine Katze nun mal ein Haustier bleibe und auf die Fütterung durch den Menschen angewiesen sei. "Wenn ist ausgesetzt sind, leben sie zwischen Dreck und Müll." Speziell in Schwanebeck treiben sich etwa 50 bis 60 Katzen auf leer stehenden Grundstücken sowie in alten Häusern herum. Manche Anwohner haben sogar Giftköder ausgelegt, um das Problem auf diese Weise zu lösen.

Um die Vierbeiner mit den Samtpfoten kümmern sich im Harzkreis die Tierschutzvereine Quedlinburg, Halberstadt sowie Blankenburg. Sie waren jetzt in Schwanebeck, um die Katzen mit so genannten Lebendfallen einzufangen. "Im hinteren Bereich liegt Futter, durch einen Trittmechanismus wird die Falle dann geschlossen", weiß der Quedlinburger Tierheimleiter Mario Gaebel. Danach kommt ein Tuch über die Falle, damit sich die Katzen beruhigen, anschließend kommen sie in ein Sammelbox. "Dabei darf man nicht wie ein Ochse rangehen." Zum Schluss erfolgt bei Tierärzten die Kastration sowie die Verteilung auf die Tierheime in Quedlinburg, Halberstadt und Derenburg.

"Wir haben bereits über 100 Katzen, deshalb ist eigentlich Aufnahmestopp. Aber bei den Härtefällen, das sind meist die sehr jungen Katzen, machen wir eine Ausnahme und päppeln sie auch privat zu Hause auf", so Mario Gaebel. Er beklagt, dass die Zahl der herumstreunenden Katzen immer größer werde, weil manche die Tiere zwar füttern, aber nicht an die notwendige Kastration denken. "Auf dem Dorf bieten vor allem verfallene Bauernhäuser und Scheunen einen idealen Platz zur Vermehrung dieser Tiere.

Einfangen in Etappen

Wir können nicht alle auf einmal, sondern nur in wöchentlichen Etappen einfangen." Sabine Jurk, Mitarbeiterin im Quedlinburger Tierschutzverein, erklärt in diesem Zusammenhang weiter: "Wenn sich eine Falle schließt, verursacht das Klappen ein lautes Geräusch. Dadurch werden die Katzen für die nächste Zeit erst einmal misstrauisch."

Bei der ersten Fangaktion in Schwanebeck gingen vor einigen Wochen acht Tiere, davon drei trächtige, in die Fallen. Nun waren es vier. "Auf dem Gelände haben wir diesmal viele tote Katzen gefunden. Vielleicht wurden sie mit Rattengift getötet oder sind verhungert", glaubt Sabine Jurk. Sie fügt noch an, dass die Arbeit der Tierschützer nicht ungefährlich sei. Manche Häuser seien so verfallen, dass sie jederzeit einstürzen könnten. Fallen auf Dachböden aufzustellen, sei laut Meinung der Tierschützerin beinahe lebensgefährlich, da oftmals die Treppen zu morsch seien.

Katzenomi verliert Kontrolle

Über die Lösung des Problems freut sich auch Schwanebecks Bürgermeisterin Christina Brehmer: "Wir haben ganz gut reagiert und erfolgreich mit dem Tierschutzverein zusammengearbeitet." Zur Ursache sagte die Bürgermeisterin: "Die meisten Katzen gehören zu einer Seniorin, die damit aus Altersgründen überfordert war. Das ist ihr aus den Händen geglitten. Sie ist aber einsichtig und hat den Tierschutzverein auf ihr Grundstück gelassen." Da die Rentnerin recht einsam sei, würden die Tiere ihr Lebensinhalt sein. Einige Vierbeiner könne die Katzenomi deshalb behalten.

Wer eine Katze aufnehmen möchte, kann sich beim Quedlinburger Tierheim in der Wipertistraße 7 b melden, Telefonnummer 03946 / 23 29.


Das Wetter in Quedlinburg: präsentiert:

Bilder