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Harzmuseum Wernigerode: Liebenswerte Holzköpfe aus Magdeburg

Die Protagonisten aus „Schneewittchen und der siebte Zwerg“ wechselten vorübergehend vom Puppentheater ins Harzmuseum.

Die Protagonisten aus „Schneewittchen und der siebte Zwerg“ wechselten vorübergehend vom Puppentheater ins Harzmuseum.

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Chris Wohlfeld

Wernigerode -

Eine Horde von Zwergen empfängt den Besucher des Wernigeröder Harzmuseums - ganz still und ganz verzückt. Die liebenswerten Geschöpfe gehören zu der großen Schar von Puppen, die im Puppentheater Magdeburg die Herzen der Besucher höher schlagen ließen. Der letzte Vorhang ist für die meisten von ihnen schon vor Jahrzehnten gefallen, doch vergessen sind sie nicht; das Puppentheater erinnert mit einer Sonderschau an einige seiner Publikumslieblinge. In Wernigerode wird sie bis zum 20. Februar gezeigt.

Erinnerungen an ganz besondere Erlebnisse

1958 wurde das Haus in der Warschauer Straße gegründet. Seitdem gab es dort rund 300 Inszenierungen mit mehr als drei Millionen Besuchern. Von jeder Aufführung bleibe die Erinnerung an ein ganz besonderes Erlebnis, und den „Figuren mitsamt den Erinnerungen ist diese Ausstellung gewidmet“, schickt das Puppentheater voraus.

Die ausgestellten „Publikumslieblinge“ könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie stammen aus verschiedenen Jahrzehnten, sind Stab-, Tisch- und Handpuppen oder Marionetten und stammen von verschiedenen Puppenbauern. Eines aber ist ihnen allen gemeinsam, sagt Dramaturgin Katrin Gellrich: „Sie sind derartig beliebt, dass Menschen aus Magdeburg und Umgebung Patenschaften für sie übernommen haben.“

Mit jeder neuen Inszenierung - derzeit stehen mehr als 30 auf dem Spielplan - werden auch neue Puppen gebaut. So entstand über die Jahre ein Fundus, der mehrere tausend Puppen umfasst. Die „Publikumslieblinge“ machen geschätzt nicht mehr als drei Prozent des Gesamtbestandes aus, sagt Gellrich. „Sie kommen auf der Bühne allerdings nicht mehr zum Einsatz, da die Stücke, in denen sie mitwirkten, längst ’abgespielt’ sind.“

Feste Arbeitsbeziehungen sind entstanden

Mit der Vorbereitung jeder neuen Inszenierung werde auch neu entschieden, mit welchem Puppenbauer die Bühne zusammenarbeitet - „in enger Absprache mit dem Regisseur und dessen Vorstellung von der Umsetzung des Stoffes“, erklärt Katrin Gellrich. „Oft ist es der Regisseur, der einen Puppenbauer vorschlägt, mit dem er gern zusammenarbeiten möchte; oft ist es aber auch das Theater, das einen Wunsch formuliert, welche Ästhetik es interessieren würde.“ So hätten sich über die Zeit Arbeitsbeziehungen gebildet, die auch regelmäßig erneuert werden. Die Berliner Puppenbauerin Barbara Weinhold beispielsweise sei jahrelang als feste Puppenbauerin am Haus engagiert gewesen.

Schon im frühen Mittelalter sorgte das Puppentheater für Unterhaltung, und das nicht nur bei Kindern. Bis heute hat es nichts von seiner Faszination verloren: Das Magdeburger Puppentheater habe seit Jahren eine konstante Auslastung von über 95 Prozent, „besonders im Kindertheaterbereich können wir die Nachfrage oft gar nicht befriedigen“, sagt Katrin Gellrich. „Die Ästhetik der Puppen ist der Zielgruppe angepasst - man kann jedoch keine pauschalen Unterschiede in Puppenart oder -gestaltung formulieren. Das wird je nach Inszenierung neu entschieden.“

Wer mehr Puppen sehen möchte, dem empfiehlt Katrin Gellrich den Weg nach Magdeburg in die FigurenSpielSammlung Mitteldeutschland. Dort sind mehr als 1 000 Exemplare zu sehen. Geöffnet ist die Sammlung mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. (mz)


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