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Harz: Sterben und Tod werden Themen im Unterricht

Uhr | Aktualisiert 07.11.2012 19:12 Uhr
Der Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer ist nicht einfach. Schüler des Wolterstorff-Gymnasiums Ballenstedt haben sich in einem Projekt im Ethikunterricht damit beschäftigt. (FOTO: CHRIS WOHLFELD) 
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Unter der Überschrift "Selbstbestimmt leben bis zum Ende" haben sich Schüler der zehnten Klasse des Wolterstorff-Gymnasiums Ballenstedt im Ethik-Unterricht in einem Projekt mit den Themen "Sterben und Tod" auseinandergesetzt.
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Ballenstedt/MZ. 

Auf dem Boden steht eine Plastik: zwei Figuren, von denen die eine die andere tröstend hält. Um sie herum liegen Plakate mit Worten wie "Hilflosigkeit", "Leere", "Hass" oder "Verzweiflung". Die Schüler der zehnten Klasse sind aufgefordert, zu erklären, welches Gefühl sie mit Trauer verbinden - oder eben nicht. "Gleichgültigkeit", sagt einer der 15- und 16-Jährigen, gehöre für ihn nicht zur Trauer. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem ein Mensch, um den man trauert, gleichgültig ist." Doch, widerspricht eine Mitschülerin, Gleichgültigkeit gehöre zur Trauer. "Gemeint ist eher, dass einem alles andere gleichgültig ist, weil man so in seiner Trauer ist." Für Renate Rath, Klinikseelsorgerin und Leiterin des Hospizdienstes "Hoffnung" an der Lungenklinik Ballenstedt ein "ganz wichtiger Satz: Bei der Trauer gibt es kein richtig und kein falsch."

Es ist ein schwieriges Thema, mit dem sich die Schüler des Ethik-Kurses am Ballenstedter Wolterstorff-Gymnasium im Unterricht befassen: Unter der Überschrift "Selbstbestimmt leben bis zum Ende" setzen sie sich in einem Projekt mit "Sterben und Tod" auseinander - ein Projekt, das Ethik-Lehrerin Doreen Wölfer und Renate Rath gemeinsam erarbeitet haben und gestalten. Entstanden ist es vor zwei Jahren. Damals war eine Lehrerin der damaligen zehnten Klasse gestorben, berichtet Doreen Wölfer. "Ich habe gedacht, wir müssen einen Weg finden, damit die Schüler damit umgehen können." Die Ethik-Lehrerin weiß, dass die Themen Sterben und Tod, der Umgang mit dem Lebensende, der Trauer wie den Trauernden von vielen in unserer Gesellschaft an den Rand geschoben wird. In Renate Rath fand sie eine Partnerin. Gemeinsam wurde ein Grundkonzept entwickelt, das fortgeschrieben wird.

Die Themenbreite des Projektes reicht dabei vom Umgang mit Tod und Trauer über die Sterbebegleitung und die Sterbehilfe bis hin zum Komplex Euthanasie. So setzten sich die Schüler in diesem Jahr in einem ersten Workshop, der von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen des Hospizdienstes gestaltet wurde, mit dem Thema Verlusterfahrungen, Sterben und Tod auseinander. In einem weiteren Teil des Projektes besuchten sie die Palliativstation der Lungenklinik, bekamen Einblick in deren Arbeit und konnten mit den Mitarbeitern sprechen.

Und es ging um Trauerarbeit, die ebenfalls im Mittelpunkt eines Workshops stand. "Trauerwege sind Lebenswege", sagt Renate Rath. "Aber sie wollen gegangen sein." Dass diese auch in neue Aufgaben münden können, erfuhren die Schüler in diesem Workshop auch durch das bewegende Schicksal einer ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterin, die ihren Sohn bei einem Verkehrsunfall verlor. "Von einer Minute auf die andere war das Leben nicht mehr so, wie es war." Sie fand Hilfe im Trauertreff des Hospizdienstes - und ließ sich schließlich selbst ausbilden. "Das, was man mir gegeben hat, wollte ich zurückgeben."

Das Projekt, schätzt die 16-jährige Manuela ein, hilft, besser mit den Themen Tod und Trauer umzugehen. Ihr hat gefallen, wie darüber aufgeklärt wurde. Besonders interessant fand sie den Besuch auf der Palliativstation. "Ich konnte mir das nicht vorstellen. Es ist schön, dass es so etwas gibt", meint sie mit Blick darauf, dass Menschen hier in ihrem letzten Lebensabschnitt individuelle Betreuung erhalten können.

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