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Harz: 200 Bergleute singen im Kurpark «Der Steiger kommt»

Bad Suderöder Kurpark

Hunderte Besucher sahen sich die große bergmännische Aufwartung im Fackelschein im Bad Suderöder Kurpark an. (FOTO: CHRIS WOHLFELD)

Bad Suderode/MZ. -

"Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt ...." Es herrscht Gänsehautstimmung im Kurpark Bad Suderodes. Rund 200 Bergleute stehen mit Fackeln in der Hand auf den Terrassen und der Treppe gegenüber des Badehauses und singen im Chor das Steiger-lied, die Hymne der Bergleute. Das Bergmusikcorps, der Spielmannszug aus Harsleben, wird aber vor allem von den vielen mitsingenden Zuschauern übertönt, die vor dem Alten Badehaus und auf dem Gelände des vorweihnachtlichen Grubenlichtermarktes stehen. "Mir kommen bei solchen Dingen immer die Tränen", gesteht Lothar Ahrens. Der Halberstädter ist das erste Mal zur Bad Suderöder Bergparade gekommen und zeigt sich wie die vielleicht sogar an die 1.000 Besucher begeistert.

Mitglieder von acht Berg- und Hüttenvereinen präsentierten sich am Sonntagabend nach der ökumenischen Bergandacht in der Neuen Kirche und der Parade zum Kurpark auf der Terrasse. Die große bergmännische Aufwartung, die zum zweiten Mal vor dem Balkon des Badehauses stattfand, war der Höhepunkt. Kurdirektor Kay Duberow übernahm den Part des symbolischen "Chefs der Berg-, Hütten- und Salinen-Verwaltung" anfangs, da Ortsbürgermeister Gert Sauer (FDP) krank war und Quedlinburgs Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) vor verschlossener Tür stand.

"Das ist ein phantastisches Bild", schwärmte Brecht in seinem Grußwort und dankte vor allem Mario Steder und seinen Mitstreitern aus der Berg- und Hüttenknappschaft zu Bad Suderode, die einen Teil des Harzklub-Zweigvereins darstellen, für ihr Engagement.

In diesem Jahr waren erstmals neben den Gastgebern, dem Bergmannsverein St. Barbara Nordhausen, dem Verein der Bergmanns-freunde Elbingerode, dem Bergverein zu Hüttenrode und dem Bergmannsverein Nachterstedt Vertreter aus drei niedersächsischen Vereinen dabei. Neben dem Bergmannsverein Vallstedt 1919 aus der Region Peine / Salzgitter kamen sie vom Bergmannsverein Lengede und dem Nachbarort Broistedt. Die Straßberger, sonst Stammgäste, konnten leider nicht kommen.

Mario Steder, der Motor der Traditionspflege im Bad Suderöder Harzklub und gewissermaßen der Vater der Bergparade, stellte alle Gäste und deren Reviere vor. Er machte auf Besonderheiten der Uniformen - die Habite - aufmerksam und berichtete den Gästen, dass bei Bad Suderode einst Gips, Eisenerz, Kupferkies, Bleiglanz und Flussspat abgebaut und Salz gewonnen wurde.

Während die Bergleute nach der kurzen Aufwartung im Kursaal zur Mettenschicht einrückten und sich aufwärmen konnten, nutzten die Besucher den Grubenlichtermarkt zu Gesprächen bei Glühwein, Glühbier und Schmorwurst aus Hütten wie der "Bergschänke" oder "Zum Tscherpertäschel". Allerdings lichtete sich der Platz trotz zünftigem "Jingle-Bells-Rock" der Neinstedter Band "Notown" zusehends aufgrund eines Regenschauers.

Engel beschenken Kita-Kinder

Ergänzt wurde das Programm durch den traditionellen Weihnachtsmarkt des Gewerbevereins im Garten des Kur-Cafés in der Ellernstraße. Höhepunkt hier war der Auftritt des Kindergartens. Anschließend beschenkten die Engel des Bad-Suderöder-Faschingsclubs die Kinder. Der Verein lud zu Glühwein und heißen Waffeln ein, während der Gewerbeverein Schmorwürstchen grillte.

Merle ist jüngste Teilnehmerin

Roswitha Ahrens lobte mit ihrem Mann Lothar die Stimmung des Fackelscheins in der Dunkelheit. Den besten Eindruck hatten die Bergleute auf der Terrasse. Der 77-jährige Harry Heck aus Nordhausen war schon siebenmal in Bad Suderode - "aber das heute war das bisher Beste." "Das Besondere hier ist das Bild, das man von da oben hat. Die vielen Leute mit den Fackeln. Das gibt es sonst nirgends", schwärmte sein Vereinskamerad Christian Zaspel. Während in seinem Verein viele bereits über 80 Jahre alt sind, haben die Bad Suderöder Hoffnung auf aktiven Nachwuchs. Jüngste Teilnehmerin im selbst geschneiderten Habit war Merle, die 17 Monate alte Tochter von Mario Steder.

Dieter Meyer (74) war erstmals aus Vallstedt gekommen. Er hat schon europäische Knappentage gesehen und denkt, dass die Bad Suderöder hier langsam in Größenordnungen wie Bad Grund oder Goslar kommen könnten. Sein Vereinschef Bernd Jeschor will im nächsten Jahr "auf alle Fälle" wieder herkommen. Vielleicht bringt er dann ein paar andere Vereine mit. "Die Veranstalter haben sich wirklich Mühe gegeben", lobte er.

Auch der Spielmannszug aus Harsleben will im nächsten Jahr wieder kommen. Er sprang kurzfristig ein und konnte nur zu Zehnt antreten. "Unsere Leute sind begeistert gewesen. Das ist eine gigantische Atmosphäre. Die kenne ich nur aus dem Erzgebirge", sagte Mike Müller, der Chef der Spielleute. Den Steigermarsch habe der Zug im Repertoire, nun müssten noch andere Stücke einstudiert werden, kündigte er an. "Das war super, das wirkt abends", freute sich auch Bianka Kachel als Bad Suderöderin. Mario Steder und seine Mitstreiter hoffen, dass die Bergparade, auch nach der geplanten Privatisierung des Kurzentrums, am 3. Advent 2013 im Kurpark stattfinden kann.


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