Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Glasmanufaktur Derenburg: Merlin und die Zauberlampe

Die Basis der Lampe ist inzwischen fertig. Der Glasmacher setzt ein weiteres Stück an und formt mit einer Zange den heißen Strang, der an weiche, zähe Bonbonmasse erinnert. Alt betrachtet sich in diesem Augenblick wieder als Merlin. Er hat sich die Zauberformel ausgedacht, die er anderen in die Hand gibt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Handwerker, kein Künstler

Kuchinke arbeitet schnell und präzise. Er ist ein Handwerker, der Wissen und Können bewahren will. Nicht mehr, aber auch nicht weniger: „Ich habe schon mal jemandem Prügel angedroht, der mich einen Künstler genannt hat. Ich will Handwerk bewahren, und dazu ist es absolut notwendig, mit der Kunst zu kooperieren.“ Dabei setzt er nicht nur die Entwürfe von Künstlern um, sondern ist selbst künstlerisch tätig. Inspirationsquelle ist ihm das Material an sich.

Das Handwerk des Glasmachens sei zu 95 Prozent ausgestorben, sagt der 50-Jährige. Aber es gehöre zum immateriellen Kulturerbe. Deswegen verstehe er sich auch so gut mit Otmar Alt, dem 20 Jahre Älteren: Weil der wisse, dass „das Immaterielle so wichtig ist“. Und das Materielle, das greifbar nah da vor ihm auf dem Tisch steht? Die Lampe? „Ob’s gut ist, werden wir sehen, wenn wir morgen die Hälfte in die Tonne knallen“, sagt Kuchinke. Er meint das wirklich ernst. Er ist Perfektionist, ein „das geht so“ reicht ihm nicht.

Das macht seine Arbeit so schön, aber zugleich auch so schwer, diese hohe Qualität zu erreichen und aus der Arbeit „nicht ein halbfertiges Produkt zu entlassen“. Was nicht gut genug ist, „das kommt in die Tonne“. Denn, das weiß der erfahrene Mann, „das Glas singt. Wenn du nichts hörst, dann kannst du die tollsten Sachen machen, aber die sind trotzdem in ihrem Innern kaputt.“ Kuchinkes Ansprüche sind hoch, Alt hat nichts anderes erwartet. Die Männer eint ihr Credo: Kunst ist Leidenschaft, aber sie kostet unheimlich viel Kraft.

Exklusives Produkt

Wie sonst sollte es auch sein bei einem sehr speziellen Produkt, von dem es nur ganze neun Exemplare geben wird: „Dann ist das international glaubhaft“, sagt Alt, dessen „Zauberlampe“ etwas ausgesprochen Exklusives ist: „Die eigentliche Magie entsteht durch die Zauberei, die im Inneren passiert“, erklärt er und wartet auf den Moment, in dem eine schlichte Glühlampe das fantastische Geschöpf perfekt machen wird.

„Es ist bezaubernd, was aus dem Rohmaterial entstanden ist. Das ist hohe handwerkliche Tradition, das ist kein Ikea, kein Made in China. Es gibt junge Leute, die versuchen, die Tradition aufrecht zu erhalten, und denen müssen wir helfen.“ Deswegen hat er vor Jahren eine Stiftung gegründet, die jungen Künstlern mit Stipendien weiterhilft.

Die Betrachtung seiner „Zauberlampe“ empfindet er als einen Akt der Neugier: „Wie ist das gemacht worden? Wenn man Kunst machen will, dann muss man sehr stark in sich hineinschnuppern.“

Die „Zauberlampe“ mit ihren vielen Farben, kleinen Aufsätzen und Fühlern oder Periskoparmen ist ein Anfang. Alt kann sich gut vorstellen, die Zusammenarbeit mit der Glasmanufaktur in Derenburg fortzuführen.

Auch Kuchinke sieht das so: „Wir arbeiten jetzt an drei Lampenmodellen und überlegen, ob wir ein Produktionsstück machen, das dann fünfhundertmal produziert wird.“

vorherige Seite Seite 2 von 2

Das Wetter in Quedlinburg: präsentiert:

Bilder