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Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt: Der Alltag in der Zast-Kita in Halberstadt

Ausländische Kinder werden im Kindergarten in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt betreut.

Ausländische Kinder werden im Kindergarten in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt betreut.

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dpa

Halberstadt -

Der Schritt vom tristen, schmuddeligen Gang mit Toilettengeruch durch die schwere Brandschutztür ist wie ein Übergang in eine andere Welt. Kinder öffnen diese Tür besonders gern. Sie führt zum Kindergarten in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt. Der Trubel dort ist groß. Größere Kinder stehen an einem Tischkicker, kleine spielen mit Kinderküchen und einem Spielstaubsauger. Andere sitzen am Tisch und puzzeln. An der Wand des großen Raumes prangt ein riesiges Bild des Halberstädter Doms. Wer genau hinsieht, erkennt: Es ist keine Kita wie jede andere.

Keines der rund 20 Kinder spricht Deutsch. Marko Pietsch holt schnell einen kleinen Jungen von der Rückenlehne eines Kinderstuhles. Der wollte nach einem Holzzug auf einem Schrank greifen. Mit wenigen Worten und Gesten versucht Pietsch, die Gefahr zu erklären. Der Junge akzeptiert das und wendet sich kommentarlos ab. Pietsch muss den Zug erst noch reparieren. Er ist der Kindergärtner, der seit 23 Monaten die Betreuung in der Zast übernimmt.

Ein hoher Grad von Sensibilität ist hier gefragt

In der Zeit hat sich der 39-Jährige mit dem freundlichen Gesicht allein um den Kindergarten für Drei- bis Elfjährige gekümmert - geöffnet ist täglich von 8.30 bis 11.30 Uhr und von 12.30 bis 15.30 Uhr. Vor seiner Zeit wurde stets eine Gruppe von zwölf Kindern betreut, die Tür blieb zu. In Absprache mit der Leitung konnte Pietsch eigene Vorstellungen umsetzen: Er setzt auf offene Arbeit und viel Freiraum. Die Tür ist aufgeschlossen, sobald Pietsch da ist. Immer wieder kommen und gehen Kinder sowie Eltern.

Auch bei Details hat Pietsch, selbst Vater von zwei Töchtern, eine klare Meinung: Die Frage einer Kollegin, ob die Kinder nicht ihre Jacken ausziehen sollten, beantwortete er mit Nein. Wenn er als Mann Kinder auffordere, sich auszuziehen - wenn es auch nur um die Jacke gehe -, könnte das falsch bei den Eltern ankommen. Und so sitzen einige Mädchen mit Winterjacken bekleidet beim Puzzeln oder Malen. Ein hoher Grad von Sensibilität ist hier gefragt.

Laut Innenministerium machen Kinder 20 bis 30 Prozent der Zast-Bewohner aus. Das sind aktuell rund 350 Kinder, davon etwa 175 zwischen 3 und 11 Jahren. Etwa 60 von ihnen sind zur Betreuung im Kindergarten angemeldet.

Wie viel von den Fluchterlebnissen spürt Pietsch im Umgang mit den Kindern? „Den Kindern merkt man das nicht an, aber den Müttern.“ Eine Afghanin etwa, deren zwei Söhne in den Kindergarten kamen, berichtete ihm detailliert von ihrer Geschichte. Ihre Tränen versuchte sie vor den Kindern zu verbergen. „Ich sehe die glücklichen Kinder und die Mütter haben nachts die weinenden Kinder“, sagt der Kindergärtner. Manche hätten Angst vor dem Geräusch eines unvermittelt geöffneten Wasserhahns. Viele sind über das Wasser geflüchtet.

Weitere Informationen zum alltag in der Zast-Kita lesen Sie auf Seite 2.

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