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Einwohner wollen Kleinen Waffenschein : Mansfeld-Südharz rüstet auf

Reizgas und Schreckschusswaffen werden zurzeit oft von Kunden verlangt und in speziellen Geschäften verkauft.

Reizgas und Schreckschusswaffen werden zurzeit oft von Kunden verlangt und in speziellen Geschäften verkauft.

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chris wohlfeld

Hettstedt -

Nach den sexuellen Attacken auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten rüsten die Einwohner im Landkreis Mansfeld-Südharz auf. Der Kleine Waffenschein, der zum Führen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen berechtigt, ist so begehrt wie nie zuvor. „Es gibt einen Trend nach oben, die Nachfrage ist erheblich gestiegen“, sagt Michaela Heilek, Pressesprecherin des Landkreises Mansfeld-Südharz. Hier ist die Waffen- und Sprengstoffbehörde angesiedelt.

Während im Jahr 2012 lediglich 13 Kleine Waffenscheine ausgestellt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 33. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden bereits sechs genehmigt, 46 weitere Anträge liegen vor. Im Jahr 2015 gab es im Landkreis insgesamt 137 Menschen mit einem Kleinen Waffenschein. Diese Zahl könnte sich in diesem Jahr deutlich erhöhen.

Keine Erlaubnis zum Einsatz der Waffe

Experten warnen allerdings davor, den Waffenschein als Persilschein für wildes Herumballern zu sehen. Denn dieser Schein berechtigt nur zum Führen der Waffe - nicht zu ihrem Einsatz. Und außerdem ist zu bedenken, dass ein Verteidigungsversuch mit einer Schreckschuss-Pistole böse enden kann - zum Beispiel dann, wenn ein echter Ganove mit echter Waffe die Schreckschuss-Pistole für echt hält. Dann fliegen auch schon mal echte Kugeln. In einem Zeitungsinterview betont zudem Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Im entscheidenden Moment kann ein Laie weder ein Pfefferspray richtig bedienen noch eine Schreckschusswaffe.“

Rechtlich ist der Umgang mit Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen im Waffengesetz geregelt. Kaufen kann sie zunächst jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist. Und wenn derjenige diese Waffe auch nur bei sich zu Hause einsetzen will, muss er auch gar nichts weiter tun. Um die Waffe aber mit sich führen zu dürfen, ist der Kleine Waffenschein nötig. Jeder Mensch ohne eine kriminelle Karriere wird diesen durch einen einfachen Antrag bei der Kreisverwaltung bekommen.

Run auf Schreckschusspistolen

Komplizierter sind die Regelungen für Jäger, Waffensammler und Sportschützen. Sie haben im Allgemeinen keinen Waffenschein, sondern eine Waffenbesitzkarte in Grün, Gelb oder Rot. Der Jäger hat außerdem seinen Jagdschein. Schützen dürfen ihre Waffen schließlich nicht öffentlich führen - dazu berechtigt der Waffenschein -, sondern nur auf dem Schießplatz. Und auch die Jäger müssen ihr Gewehr oder die Flinte außerhalb ihres Reviers im Auto lassen. Wer eine scharfe Schusswaffe stets mit sich führen möchte oder muss, der braucht die grüne Waffenbesitzkarte und den so genannten Großen Waffenschein. Insgesamt sind kreisweit allerdings 2.195 Besitzer mit 9.461 Schusswaffen registriert.

In fünf Geschäften im Landkreis Mansfeld-Südharz werden Waffen verkauft - es gibt drei in der Lutherstadt Eisleben, eines in Mansfeld und eines Sangerhausen.

Denny Lindner, Inhaber eines Waffenfachgeschäfts in Sittichenbach, einem Ortsteil der Lutherstadt Eisleben, hat aktuell einen regelrechten Run auf Schreckschusspistolen ausgemacht. „Meine Lieferanten kommen gar nicht nach“, sagt der Händler. Auch Pfefferspray werde stark nachgefragt. Während Lindner früher kaum welches verkauft hat, seien es jetzt mehr als 30 Sprayflaschen pro Woche. Die seien zwar frei verkäuflich, dürfen aber legal nur gegen Tiere eingesetzt werden. Experten raten jedem, der eine Schreckschusswaffe im Auto mit sich führt, die Polizei bei einer Kontrolle darauf aufmerksam zu machen. Sonst könne eine Routine-Überprüfung böse enden. (mz)


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