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Medizin: Erstaunliche Erkenntnisse über Placebo-Effekt

Uhr | Aktualisiert 15.02.2013 14:33 Uhr

Erstaunlicher Effekt: Placebo-Tabletten wirken oft genauso gut wie ein neues Medikament. (FOTO: DPA)

Medikamente lindern Schmerzen, obwohl sie keinen Wirkstoff enthalten. Patienten werden eher gesund, weil der Arzt besonders einfühlsam war. Seit vielen Jahren wird über den Placebo-Effekt geforscht. Heute weiß man, dass das Phänomen keine Einbildung ist.
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Halle (Saale)/MZ/DMN/DPA. 

Es sind nicht immer besondere Medikamente oder aufwändige Therapien, die die beste Heilung versprechen. Auch Schein-Medikamente und einfühlsame Ärzte können die Genesung von Patienten beschleunigen. Seit rund 20 Jahren wird der sogenannte Placebo-Effekt erforscht. Diese Woche treffen sich Placebo-Forscher bei einer internationalen Tagung in Tübingen, um den Forschungsstand auf ihrem Gebiet zu erörtern. Es müsse in der Medizin darum gehen, positive psychische Effekte zu verstärken und Ängste von Patienten zu minimieren, sagt Tagungsleiter Professor Paul Enck. Mittlerweile weiß man, dass Placebo-Effekte häufig genauso stark sein können wie neu entwickelte Medikamente.

Einfühlsamer, sympathischer Arzt

„Ein Placebo-Effekt ist keine Einbildung. Sie simulieren im Körper tatsächlich die Wirkung von Medikamenten“, betont der Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Das könnten sich Ärzte bei der Behandlung zunutze machen.

Gleichzeitig rücke auch die Rolle der Mediziner selbst immer stärker in den Mittelpunkt. Patienten mit einer Erkältung fühlten sich im Schnitt einen Tag schneller wieder gesund, wenn sie einen einfühlsamen, empathischen Arzt hätten. Ähnliche Studien gebe es bei Herz-Operationen. „Placebo-Effekte haben viel mehr mit den Ärzten zu tun als mit den Patienten“, betonte der Forscher.

Sogenannter Nocebo-Effekt

Gestresste und wenig empathische Ärzte erzielen Enck zufolge schlechtere Behandlungserfolge. Doch der Effekt funktioniert auch in die negative Richtung. So führe etwa eine ausführliche Aufklärung über die Risiken einer Operation dazu, dass Patienten anschließend tatsächlich häufiger an einer dieser Komplikationen litten.

Auch die lange Liste von Nebenwirkungen auf Beipackzetteln könne Patienten regelrecht krank machen. „Studien zeigen: Wenn eine Nebenwirkung aus dem Beipackzettel verschwindet, dann taucht sie auch nicht auf.“ Diese sogenannten Nocebo-Effekte, quasi negative Placebo-Effekte, rückten deshalb immer stärker in den Fokus der Forschung. Placebo-Experte Enck: „Ärzte müssten sich viel mehr Gedanken darüber machen, wie sie auf ihre Patienten wirken.“

Der Placebo-Effekt wirkt nur bei ahnungslosen Patienten und Wunden heilen am besten ohne Pflaster – wir haben zehn Medizin-Mythen gesammelt. Welche das sind und warum sie nicht stimmen, lesen Sie in der Bildergalerie.

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