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Zweiter Weltkrieg: Gedenken an die Schlacht von Stalingrad

Uhr | Aktualisiert 03.03.2014 07:53 Uhr

Überlebende deutsche Soldaten verlassen nach der Kapitulation der Reste der 6. Armee im Februar 1943 den Kessel von Stalingrad. (ARCHIVFOTO: DPA)

Mit markigen Worten erinnert Präsident Wladimir Putin an den sowjetischen Sieg in der Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren. Doch auch stilles Gedenken findet Platz. Die Feinde von einst reichen sich in Wolgograd, wie die Stadt nun heißt, die Hände.
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Wolgograd/dpa. 

Mit Pomp und Pathos hat Russland den Triumph der Roten Armee über die deutschen Angreifer in der Schlacht um Stalingrad vor 70 Jahren begangen. „Stalingrad wird für immer ein Symbol der Einheit und der Unbesiegbarkeit unseres Landes sein“, sagte Kremlchef Wladimir Putin beim zentralen Staatsakt im heutigen Wolgograd. Als Zeichen der Versöhnung gedachten auch Nachkommen deutscher Soldaten der mindestes 700 000 Stalingrad-Opfer.

Zum Jahrestag der deutschen Kapitulation an der Wolga nannte sich die südrussische Millionenstadt offiziell für 24 Stunden wieder Stalingrad nach Sowjetdiktator Stalin - trotz massiver Proteste von Menschenrechtlern. Der Sieg der Roten Armee am 2. Februar 1943 gilt als Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. Putin legte gemeinsam mit Veteranen an der Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel Blumen und Kränze nieder. Als Vertreter der Bundesregierung legte Botschafter Ulrich Brandenburg bei einer feierlichen Zeremonie im Stadtzentrum einen Kranz nieder. Eine Ehrengarde schoss Salut.

Zum Abschluss des Gedenkens wollten am Sonntag im Konzerthaus das Osnabrücker Symphonieorchester und das Philharmonische Orchester gemeinsam musizieren und damit ein Zeichen der Freundschaft setzen. Auf dem Programm stand unter anderem die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Wolgograd, rund 1000 Kilometer südlich von Moskau, betont stets, dass deutsche Gäste im Geiste der Versöhnung willkommen sind.

In einer martialischen 3D-Show vor Tausenden Ehrengästen in der Sporthalle spielten uniformierte Darsteller die Befreiung Stalingrads nach. Im Stadtzentrum marschierten bei frostigem Wetter 650 Soldaten in historischen Uniformen vor etwa 20 000 Zuschauern auf. Teil der Militärparade war auch ein restaurierter Weltkriegs-Panzer des legendären sowjetischen Typs T-34. Die Russen sollten schon im Kindesalter lernen, ihre Heimat zu lieben, forderte Putin. Stalingrad sei ein leuchtendes Beispiel für Vaterlandsliebe.

Die monatelange Schlacht und Temperaturen bis zu minus 43 Grad kosteten mindestens 150.000 Deutschen und Zehntausenden Verbündeten sowie 500.000 Russen das Leben. Auch Abertausende Zivilisten starben.

Busse mit dem Konterfei Stalins brachten Veteranen in ordenbehangenen Uniformen an die Wolga. Menschenrechtler und Historiker kritisierten eine zunehmende Verharmlosung der Zeit schwerer Repression unter Josef Stalin (1879-1953).

Riesige Transparente in der Stadt verkündeten „Von Stalingrad aus zum Endsieg“. Jugendliche mit rot-weißen Pelzmützen und der Aufschrift „70“ standen als Helfer bereit. Landesweit erinnerten Städte an den historischen Tag. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder der schweren Kämpfe. In einer Videobotschaft grüßten drei Kosmonauten von der Internationalen Raumstation ISS und gratulierten den Veteranen zum „überzeugenden Sieg“.

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