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Westafrika: Französische und malische Truppen erobern Timbuktu

Uhr | Aktualisiert 02.02.2013 15:13 Uhr

Ein französischer Militärkonvoi am Sonntag auf dem Weg nach Timbuktu (Mali). (FOTO: DPA)

Der Vormarsch der französischen und malischen Truppen geht schnell voran. Nach Gao bringen sie nach Regierungsangaben auch Timbuktu unter ihre Kontrolle. Die EU will zum Militäreinsatz in dem afrikanischen Land 50 Millionen Euro beisteuern.
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Bamako/Kapstadt/dpa. 

Die Truppen Frankreichs und Malis haben auf ihrem Vormasch einen weiteren Erfolg erzielt: Nach der strategisch wichtigen Stadt Gao nahmen die alliierten Streitkräfte auch den historischen Wüstenort Timbuktu im Norden Malis ein. Sie stießen dabei nach eigenen Angaben auf keinen nennenswerten Widerstand der Islamisten. Es sei beim Einmarsch lediglich zu einen Schusswechsel mit Rebellen gekommen, sagte der malische Militärsprecher, Oberstleutnant Souleymane Dembele, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Malische Militärs durchkämmten die Stadt, weil islamistische Rebellen in Häusern von Zivilisten vermutet würden.

Die Regierungen Frankreichs und Malis teilten mit, Timbuktu sei seit der Nacht zum Montag unter der Kontrolle ihrer Soldaten. Der schnelle Vormarsch der Verbände im Norden des westafrikanischen Landes ist auch dem Zurückweichen der Islamisten zu verdanken. „Wir sind in Gao auf keinen Widerstand gestoßen; die bewaffneten Gruppen hatten die Stadt bereits verlassen“, sagte der malische Oberst Didier Dakouo am Montag im Radio.

In Timbuktu sollen islamistische Rebellen eine Bibliothek mit wertvollen historischen Manuskripten zerstört haben. Die Terroristen hätten das Gebäude des Instituts Ahmed Baba angezündet, sagte der in die malische Hauptstadt Bamako geflohene Bürgermeister Hallé Ousmane Cissé der dpa unter Berufung auf einen zurückgeblieben Stadtvertreter. „Das ist eine Katastrophe für Timbuktu und die ganze Menschheit.“ Ein junger Mann, der öffentlich seine Freude über das Vorrücken der Franzosen zum Ausdruck gebracht habe, sei erschossen worden, berichtete der Bürgermeister.

Die Europäische Union will sich mit 50 Millionen Euro am Militäreinsatz in Mali (Afisma) beteiligen. Offiziell will sich die EU-Kommission bei der für Dienstag geplanten internationalen Geberkonferenz in Äthiopien zu dieser Summe verpflichten. Das sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs am Montag am Rande des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba der dpa. Mit dem Geld würden jedoch keine Waffen gekauft, sondern andere Ausgaben wie die Kosten für Transport und medizinische Hilfe bezahlt. Welche Summe insgesamt für die Finanzierung der Afisma gebraucht wird, ist unklar. „Die bisher genannte Summe von 400 Millionen Dollar (297 Millionen Euro) scheint aber realistisch“, sagte Piebalgs.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte für Mali erneut eine politische Lösung. Der „Fahrplan“, mit dem die Regierung in Bamako zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückkehren wolle, müssten zügig vom Parlament verabschiedet werden, sagte Westerwelle. „Langfristig kann es nur eine politische Lösung geben.“ Zugleich kündigte er deutsche Finanzhilfe für die geplante afrikanische Schutztruppe an.

Timbuktu liegt rund 700 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako. Neben drei großen Moscheen gibt es in der historischen Wüstenstadt mit 55 000 Einwohnern jahrhundertealte Friedhöfe und Mausoleen. Seit 1988 zählen sie zum Weltkulturerbe der Unesco. 2012 zerstörten die Islamisten jedoch mehrere geschützte Heiligengräber in der Altstadt.

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