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Was haben die Einwohner von Tröglitz gesehen?: Ermittler gehen am Mittwoch von Tür zu Tür

Haseloff und Stahlknecht

Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (l) und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) nehmen am 04.04.2015 in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) an einer Kundgebung mit dem Motto "Miteinander, Füreinander" teil.

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dpa

Magdeburg -

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat für Hinweise, die zur Festnahme der Brandstifter in Tröglitz (Burgenlandkreis) führen, eine Belohnung von 20.000 Euro ausgesetzt. Unbekannte hatten dort in der Nacht zum Sonnabend eine geplante Unterkunft für Asylbewerber in Brand gesteckt.

Konkrete Hinweise auf den oder die Täter gibt es noch nicht. Das Landeskriminalamt hat eine Ermittlungsgruppe „Kanister“ mit 17 Beamten gebildet, die am Mittwoch mit einer Befragung aller Einwohner beginnen wolle, sagte LKA-Direktor Jürgen Schmökel: „Wir haben etliche Ansätze, aber es wäre zu früh, von konkreten Spuren zu reden.“

Zunächst sollen zehn Asylbewerber einziehen

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), hat unterdessen angekündigt, Flüchtlingsfamilien zunächst in privaten Unterkünften unterzubringen, die nach dem Brandanschlag spontan von Tröglitzern am Osterwochenende angeboten wurden. Ulrich rechnet damit, dass so Wohnraum für zunächst zehn Personen bereitgestellt werden kann und die ersten Familien Ende Mai oder Anfang Juni einziehen können.

„Wir wollen an unserem bisherigen Zeitplan festhalten“, so Ulrich. Auch wenn zunächst nicht - wie geplant - gleich 40 Flüchtlinge in der Gemeinde eine Bleibe finden können. Der Landrat geht zudem davon aus, dass es weitere Angebote für Wohnungen geben werde. Unabhängig davon halte er am Mietvertrag mit dem Eigentümer des in Brand gesetzten Mehrfamilienhauses fest, um dort nach dessen Sanierung Asylsuchende unterzubringen. Ulrich rechnet allerdings damit, dass die Sanierung mehrere Monate dauert.

Der Landrat machte deutlich, warum ihm soviel an diesem Mehrfamilienhaus liege: Dieses sei grundsätzlich einfacher zu sichern, als mehrere dezentrale, über Tröglitz verteilte Unterkünfte. Innenminister Stahlknecht verwies darauf, dass die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden seien.

Haben die Täter die Polizeistreife ausgespäht?

Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung erfolgte der Brandanschlag am frühen Sonnabendmorgen eine Viertelstunde nachdem eine Polizeistreife das Haus in Augenschein genommen hatte. Das könne Zufall gewesen sein, so LKA-Chef Schmökel, er wolle aber auch nicht ausschließen, dass die regelmäßigen Kontrollen der Polizei ausgespäht wurden. Nach bisherigen Erkenntnissen brachen die Täter die Eingangstür auf und verschütteten an mehreren Stellen des Dachgeschosses eine brennbare Flüssigkeit. Entsprechende Kanister wurden am Tatort gefunden.

„Das Haus sollte wohl vom Dachgeschoss nach unten komplett abbrennen“, so Schmökel. Gleichzeitig warnte der LKA-Chef davor, die Täter nur im rechtsextremen Milieu zu suchen: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Das Hauptaugenmerk liege zwar bei rechten Tätern, „es kann aber überhaupt nicht ausgeschlossen werden, dass eine politische Richtung diskreditiert werden soll“. (mz)