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Wahlkampf: Harmonie in der CDU

Uhr | Aktualisiert 05.12.2012 20:16 Uhr

Wahlkampfbedingte Harmonie: Horst Seehofer und Angela Merkel (FOTO: DPA)

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Union Wahlkampf schafft Harmonie. Fünf CDU-Parteivize bringen sich in Stellung. Ein Ritterschlag galt aber David McAllister, der beim CDU-Parteitag in Hannover nicht zur Wahl, aber trotzdem oft im Mittelpunkt stand.
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Hannover/MZ. 

Der "bayerische Löwe" kam als "schnurrendes Kätzchen". Mit Ironie pries Horst Seehofer die wahlkampfbedingte Harmonie zwischen CDU und CSU. "Passt scho'", spendierte der Ministerpräsident aus München der Schwesterpartei das höchste bayerische Lob. Ein "kubanisches Ergebnis" wie die über 98 Prozent für Angela Merkel habe es in seiner Partei noch nie gegeben, berichtete er schmunzelnd. Zu den weiteren Personalentscheidungen gab der CSU-Chef keinen Kommentar.

Ein Ritterschlag galt aber David McAllister, der beim CDU-Parteitag in Hannover nicht zur Wahl, aber trotzdem oft im Mittelpunkt stand. Selbst "grau geworden", schätzt der 63-Jährige angeblich den Rat des 41-jährigen Regierungschefs, mit dessen Kampf um die Macht in Niedersachsen Ende Januar das Wahljahr 2013 beginnt. Weil der Koalitionspartner FDP wie überall schwächelt, könnte es aber sein, dass der Nachfolger von Christian Wulff trotz eines ordentlichen Ergebnisses mit seiner Regierung Rot-Grün Platz machen muss.

Julia Klöckner hat noch eine Weile Zeit, ehe sie sich das nächste Mal in einer Wahl bewähren muss. Dennoch ist sie in Hannover zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden, weil man ihr in der CDU eine große Zukunft zutraut. "Ist sie die neue Merkel?", fragt nicht nur die "Bild"-Zeitung. Seit dem vorigen Jahr führt die 39-Jährige Partei und Landtagsfraktion der CDU in Rheinland-Pfalz. Die Winzertochter kommt volkstümlich daher und gilt trotzdem als strategischer Kopf. Vor allem ist sie ohne Vorbehalt aus dem Bundestag in die heimische Landespolitik gewechselt - anders als der Nordrhein-Westfale Norbert Röttgen, der wegen seiner Unentschiedenheit erst die Landtagswahl, dann das Umweltministerium und seine Funktionen in der CDU verlor. Damit Klöckner auf keinen Fall beschädigt wird, erhöhte die Partei die Zahl der stellvertretenden Vorsitzenden von vier auf fünf - so viele wie es Kandidaten gab.

Ein bisschen Förderung konnte auch Thomas Strobl gebrauchen, obwohl der 52-jährige Bundestagsabgeordnete einen der großen Landesverbände führt. Aber in Baden-Württemberg hat die CDU das über Jahrzehnte sichere Amt des Ministerpräsidenten in einer historischen Niederlage an den Grünen Winfried Kretschmann verloren. In der Opposition hat sie sich noch nicht gefunden, aber nebenbei Annette Schavan demontiert. Noch ehe sie wegen Plagiatsvorwürfen bezüglich ihrer Doktorarbeit ins Gerede kam, hatte sie in ihrem Landesverband die Unterstützung für ihre Bildungspolitik verloren. Sie zog sich "freiwillig" vom Vizevorsitz im Bund zurück. Von Strobl ist bisher hauptsächlich bekannt, dass er von stockkonservativen Positionen ins Lager der Modernisierer gewechselt ist.

Das lässt sich von Volker Bouffier nicht sagen. Der Nachfolger des in die Wirtschaft gewechselten Merkel-Rivalen ist der letzte regierende Mohikaner auf dem rechten CDU-Flügel. Rollengerecht schimpfte er in seiner Vorstellungsrede vor allem über die Grünen. Mit 60 Jahren zählt er nicht zu den Hoffnungsträgern der Partei. Armin Laschet ist erst 51 Jahre alt, aber für Zukunft steht auch er nicht. Erst verlor der frühere Düsseldorfer Integrationsminister den Machtkampf um die NRW-Parteispitze, dann folgte er dem glücklosen Berliner Gast in der Landespolitik. Nun liefert er sich Grabenkämpfe mit Karl-Josef Laumann, dem Bundeschef der Sozialausschüsse und Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion. In dieser Verfassung gilt die NRW-CDU auch in den eigenen Reihen nicht als konkurrenzfähig mit der populären SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Bleibt Ursula von der Leyen. Die Bundesarbeitsministerin hat das größte politische Format unter den CDU-Vizevorsitzenden. Aber wie ihre mäßigen Wahlergebnisse zeigen, ist sie in der Partei nicht die Beliebteste. Regelmäßig geht sie ihr mit Forderungen wie der nach einer fixen Frauenquote auf den Wecker. Außerdem zeigt sie zu viel Ambitionen - durchaus auf die Nachfolge Angela Merkels und zu wenig, was Horst Seehofer wenigstens ironisch andeutet: Demut.

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