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Vereinigte Staaten: Obama wünscht sich Kerry als Außenminister

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 23:08 Uhr

US-Präsident Barack Obama (links) hat John Kerry für das Amt des Außenministers nominiert. (FOTO: DPA)

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Auch die zweite Wahl kann manchmal eine sehr gute Wahl sein. Das dürfte auf den Entschluss von US-Präsident Barack Obama zutreffen, Senator John Kerry zum neuen Außenminister zu berufen.
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Berlin/MZ. 

Jeder weiß zwar, dass er lieber die UN-Botschafterin Susan Rice auf diesem Posten gesehen hätte. Sie ist eine enge Vertraute des Präsidenten, und ihre afroamerikanische Herkunft sowie ihr Geschlecht hätten der Ausstrahlung seines Kabinetts gut getan. Aber Obama und sie beugten sich dem angekündigten massiven Widerstand der Republikaner gegen ihre Berufung.

Mit Kerry wird es da keine Probleme geben. Er gilt als einer der versiertesten Außenpolitiker der USA und ist seit sechs Jahren Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des Senats. Einem solchen Kollegen verweigern auch die hartleibigsten Republikaner nicht die Anerkennung.

Kerry wurde auch außerhalb der USA bekannt, als er 2004 als Präsidentschaftsbewerber der Demokraten gegen George W. Bush antrat, aber knapp verlor. In den Vereinigten Staaten war er da schon lange ein bekannter und in weiten Kreisen populärer Mann. Das rührt aus der Zeit nach dem Vietnamkrieg, als der vielfach ausgezeichnete Kommandant eines Schnellbootes nach seiner Rückkehr zu einer der führenden Figuren des Widerstandes gegen die Fortführung des Krieges wurde. Er warf öffentlich seine Ordensbänder fort und organisierte Proteste von Kriegsveteranen. Berühmt ist sein Satz, den er 1971 vor einem Kongressausschuss zur Lage in Vietnam formulierte: "Wie fordert man einen Mann auf, der Letzte zu sein, der für einen Fehler sterben soll?"

Seine persönliche Unabhängigkeit rührt auch aus seiner Herkunft aus einer alten, einflussreichen Oststaatenfamilie. Sein Vater war als Diplomat eine Zeit lang in Europa stationiert, Kerry besuchte ein Internat in der Schweiz.

"Es gibt wenige Persönlichkeiten, die so viele Präsidenten und Regierungschefs kennen und unsere Politik so verinnerlicht haben wie John Kerry", sagte Obama bei der Nominierung. Er hat ihn schon mehrfach als seinen Sonderbotschafter eingesetzt, unter anderem für knifflige Missionen in Afghanistan und Pakistan.

Für den 69 Jahre alten Kerry erfüllt sich nun doch noch ein Traum. Nötig hätte er es nicht: Er ist mit einer der reichsten Frauen der Vereinigten Staaten verheiratet, Teresa Heinz, Teilhaberin eines Ketchup-Imperiums.