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US-Wahl 2012: Ron Paul

Uhr | Aktualisiert 07.02.2012 11:43 Uhr
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Präsidentschaftskandidat Ron Paul

Präsidentschaftskandidat Ron Paul (FOTO: DPA)

Ronald Ernest „Ron“ Paul ist ein US-amerikanischer Arzt und Politiker. Er ist Mitglied der Republikanischen Partei und derzeit Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.
Halle (Saale)/MZ. 

Paul war bei der US-Präsidentschaftswahl 1988 Kandidat der Libertarian Party und war ein Bewerber um die republikanische Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008. Im Mai 2011 kündigte er seine erneute Bewerbung für die republikanische Nominierung als Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl an.

Leben

Paul wurde als der dritte von fünf Söhnen geboren. Einige seiner Vorfahren stammen aus Hessen. Nach einem High-School-Abschluss in Dormont, Pennsylvania, studierte Paul am Gettysburg College, an dem er 1957 mit einem Bachelor of Sciences in Biologie abschloss. Im gleichen Jahr heiratete er Carol Wells. Nach seinem Abschluss begann Paul an der Duke University Medizin zu studieren. In den folgenden Jahren arbeitete er überwiegend in der Geburtshilfe und als Gynäkologe in Lake Jackson, Texas. Ron Paul hat mit seiner Frau fünf Kinder, sein Sohn Rand Paul, ebenfalls Arzt, kandidierte bei den Wahlen im November 2010 für die Republikaner in Kentucky erfolgreich für den Senat der Vereinigten Staaten.

Politische Laufbahn

Paul begann 1971 sich aktiv in der Republikanischen Partei zu engagieren. Richard Nixon hatte den Goldstandard für den Dollar aufgehoben − eine Entscheidung, die Paul bis heute ablehnt. 1974 kandidierte Paul erstmals für den Kongress im 22. Wahlbezirk von Texas, verlor jedoch gegen den Demokraten Robert R. Casey. Von 1976 bis 1977 und von 1979 bis 1985 war er der Abgeordnete des 22. Wahlbezirks von Texas. Seit seiner Wiederwahl 1997 vertritt er bis heute den 14. texanischen Distrikt im US-Abgeordnetenhaus.

Bei den US-Präsidentschaftswahlen 1988 trat Paul als Kandidat der Libertarian Party an, nachdem er sich gegen den Sioux-Aktivisten Russell Means und den Musiker Frank Zappa bei den Vorwahlen durchgesetzt hatte. Als Motivation für die Kandidatur nannte Paul seine Unzufriedenheit mit der Finanzpolitik und dem hohen Defizit der Regierungen unter Präsident Reagan und Vizepräsident Bush. Am Ende erhielt er 431.750 (0,47 %) Stimmen.

Präsidentschaftswahl 2008

Am 11. Januar 2007 gab Paul sein Interesse an einer Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008 bekannt und verkündete am 12. März 2007 als Gast im Washington Journal des Senders C-SPAN offiziell seine Kandidatur. Paul galt von Anfang an als Außenseiterkandidat, was sich im Echo der Printmedien und des Fernsehens niederschlug. Da Pauls Ansichten in mehreren Aspekten dem Mainstream der Republikanischen Partei widersprechen und er zudem weit weniger bekannt ist als Mitbewerber wie Rudolph Giuliani, Mitt Romney, Fred Thompson und John McCain, wurden ihm bei der parteiinternen Kandidatenwahl häufig wenig Chancen eingeräumt. Entsprechend erreichte Paul bei den nationalen Wahlumfragen von Meinungsforschungsinstituten lediglich zwischen 1 und 6 %. Er hielt seine Kandidatur bis zum 12. Juni 2008 aufrecht, obwohl John McCain seit Anfang März eine absolute Mehrheit der Delegierten hinter sich versammelt hatte.

Paul hatte während des Wahlkampfes eine aktive Unterstützergemeinde gewonnen, die sich überwiegend über das Internet koordiniert. Laut Serverdiensten wie Alexa Internet wurde Pauls Website weitaus häufiger besucht als die Seiten der republikanischen und demokratischen Topkandidaten wie Rudolph Giuliani, Mitt Romney, Hillary Clinton, Barack Obama oder John Edwards. Die große Diskrepanz zwischen Popularität im Internet und Berichterstattung in traditionellen Medien wird häufig von Kommentatoren bemerkt und ist bei Paul-Anhängern Anlass zu einer scharfen Kritik der Medien. Andere dagegen verweisen darauf, dass es sich dabei um informelle Umfragen handele (wie z. B. bei den Telefon- und Onlineumfragen, aus denen Ron Paul nach fünf der sechs TV-Debatten als Sieger hervorging), bei denen zum Beispiel mehrfaches Anklicken durch eine Person möglich sei und die daher wissenschaftlich nicht verwertbar seien. Bei seriösen Umfragen hielten sich seine Werte im unteren einstelligen Bereich.

Bei vielen der sogenannten Straw Polls – Testwahlen, bei denen meistens eine Anwesenheit des Wählers erforderlich ist, der für die Teilnahme Eintritt bezahlt − schnitt Paul ebenfalls gut ab. So konnte Paul etwa Straw Polls in Regionen von Nevada, Alabama, Oklahoma, Oregon, Georgia, New Jersey, Maryland, New Hampshire, Texas, New York und Pennsylvania gewinnen. Weitere Erfolge konnte Paul im Bereich des Fundraisings erzielen. So wurden im dritten Quartal 2007 gut fünf Millionen Dollar gespendet, was einen Anstieg von 114 % gegenüber dem zweiten Quartal bedeutete. Schlagzeilen machten zudem Berichte, dass Paul als einziger republikanischer Gegner des Irakkriegs mehr Spenden von Militärangehörigen erworben hat als jeder andere Bewerber, ob republikanisch oder demokratisch.

Die äußerst widersprüchlichen Ergebnisse der Meinungsumfragen und die starke Zunahme von Spenden und Medienberichterstattung machten es schwer, im Vorfeld der Primaries das Abschneiden Pauls vorherzusagen. Bisweilen wurde Paul in den amerikanischen Massenmedien als dark horse (in etwa unbekannte Größe oder Überraschungskandidat) beschrieben, allerdings hielten es die meisten Kommentatoren für unwahrscheinlich, dass Ron Paul als Irakkriegsgegner die Vorwahlen in der republikanischen Partei gewinnen könnte.

Präsidentschaftswahl 2012

Am 13. Mai 2011 gab Ron Paul in der Sendung Good Morning America auf dem Sender American Broadcasting Company formell seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 bekannt. Paul nahm daraufhin an verschiedenen Fernsehdebatten teil, wozu er im Gegensatz zu seiner Präsidentschaftskampagne 2008 bei allen größeren Veranstaltungen eingeladen wurde. Einzig die Jewish Republican Coalition beschloss Paul von der Debatte auszuschließen, da seine Positionen zum Verhältnis der USA mit Israel „zu extrem“ seien.

Mit den bereits aus 2008 bekannten Moneybombs konnte die Kampagne große Spendenbeträge erzielen. Im dritten Quartal 2011 sammelte Paul Spenden im Umfang von 8 Millionen Dollar, von 100.000 verschiedenen Spendern. Der durchschnittlich gespendete Betrag ist somit 80 Dollar, sein Parteikollege Rick Perry, der wie Paul ebenfalls aus Texas stammt, sammelte im gleichen Zeitraum 15 Millionen Dollar, jedoch von nur 20.000 Spendern, was eine durchschnittliche Spendensumme von 750 Dollar ergibt. Daraus wird die große Unterstützung der Graswurzelbewegung für Paul deutlich.

Großes Aufsehen erregte ein Beitrag der Daily Show mit deren Moderator Jon Stewart, worin Stewart die tendenziöse Berichterstattung der großen Fernsehnetworks zum Ames Straw Poll satirisch verarbeitete. Paul schloss bei diesem Straw Poll mit 0.9 % Rückstand als zweiter hinter Michele Bachmann ab, wurde aber bei den Kommentarrunden von CNN, MSNBC, CBS und Fox News nicht einmal erwähnt.

Bei der wichtigen ersten Vorwahl in Iowa belegte Paul den dritten Platz mit 21.4 % aller Stimmen. Bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire erreichte Paul mit 22.9 % der Stimmen den zweiten Platz direkt hinter dem Favoriten Mitt Romney.

QUELLE: WIKIPEDIA