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US-Militär: Frauen sollen an vorderster Front kämpfen

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 22:06 Uhr
Bisher sind US-Soldatinnen, wie hier in Afghanistan, meist nur im rückwärtigen Dienst eingesetzt. (FOTO: DPA) 
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Das US-Militär will Frauen nun auch offiziell in Kampfeinsätze schicken. Verteidigungsminister Leon Panetta will ein Verbot aus dem Jahr 1994 formell aufheben. Das könnte mehr als 200 000 US-Soldatinnen neue Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften eröffnen.
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Washington/MZ. 

Das US-Militär will Frauen nun auch offiziell in Kampfeinsätze schicken. Verteidigungsminister Leon Panetta will ein Verbot aus dem Jahr 1994 formell aufheben, hieß es aus dem Pentagon in Washington. Das könnte mehr als 200 000 US-Soldatinnen neue Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften eröffnen. Bislang waren etwa Frauen nicht den Kampftruppen in der Infanterie und der Artillerie zugeordnet und hatten deswegen nur geringe Chancen, nach Einsätzen in Kriegsgebieten in der Armee aufzusteigen.

Die Ankündigung wurde meist positiv aufgenommen. Der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses im US-Senat, der Demokrat Carl Levin, sagte: "Das spiegelt die Realität militärischer Operationen im 21. Jahrhundert wider." Ähnlich äußerte sich die Kongress-Abgeordnete Tammy Duckworth aus Illinois. "Als Kriegsveteranin weiß ich, dass die Aufnahme von Frauen in die Kampftruppe Amerika sicherer machen wird", sagte Duckworth, die 2004 beide Beine verlor, als ihr Helikopter im Irak abgeschossen wurde.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU, die das Verteidigungsministerium im vergangenen November im Namen von vier Soldatinnen wegen des geltenden Kampfverbots verklagt hatte, erklärte, nun würden qualifizierte Frauen dieselben Chancen erhalten wie ihre männlichen Kollegen in der Armee. In der Klageschrift hieß es damals, der Ausschluss von Frauen aus der Kampftruppe verstoße gegen die US-Verfassung und verhindere, dass Frauen sich jene Meriten erwerben können, die Männern in der Armee Beförderungen einbrächten. So brachten es bislang von den 37 000 Offizierinnen lediglich zwei Frauen zum Vier-Sterne-General.

Die Aufnahme von Frauen in die kämpfende Truppe könnte nach Darstellung von Soldatinnen auch die Gefahr verringern, im Einsatz verletzt oder getötet zu werden. Das sagte eine der Klägerinnen gegen das Pentagon. Sie sei in Afghanistan einer aus Männern bestehenden Patrouille zugeordnet worden, um gegebenenfalls Frauen durchsuchen zu können, berichtete Jennifer Hunter aus Gaithersburg im Bundesstaat Maryland. Sie habe aber nicht zusammen mit ihren männlichen Kollegen für den Einsatz üben dürfen. Das habe letztlich das Risiko erhöht.

Die Öffnung für Frauen in Kampfeinsätzen gilt als ein weiterer Schritt zu einer umfassenden Reform der US-Streitkräfte. Im Jahr 2011 hatte die Regierung von Präsident Barack Obama bereits die sogenannte "Don't ask, don't tell"-Regel abgeschafft, wonach sich homosexuelle Männer und Frauen in der Armee nicht outen durften.

Im US-Militär, das eine Gesamtstärke von 1,4 Millionen Männern und Frauen hat, dienen derzeit mehr als 200 000 Soldatinnen. Das entspricht etwa der Gesamtstärke der Bundeswehr. Seit 2001 waren etwa 280 000 Frauen in Afghanistan und im Irak eingesetzt. Mehr als 150 Frauen wurden getötet, fast 1 000 verletzt. In diesen Kriegsgebieten gibt es keine klaren Frontlinien. Das machte nach Einschätzung von Experten die Unterscheidung zwischen Kampf- und Unterstützungstruppe schwierig und dürfte eine Ursache für die jetzt geplante Aufhebung des Kampfverbotes für Frauen gewesen sein.

Bis zu einer vollständigen Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der US-Armee werden allerdings noch Jahre vergehen. Die neue Verordnung sieht vor, dass sich die Teilstreitkräfte bis 2016 Zeit lassen dürfen.