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Treibhausgas-Ausstoß: Katar - Konferenz beim größten Sünder

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 14:17 Uhr
Die Gasflamme eines sogenannten Fackelturmes bei Doha in Katar (FOTO: DPA) 
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Ein Weltklimagipfel im Erdöl- und Erdgas-Paradies? Genau das ist die Konferenz, die heute in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar beginnt. Ein Ort mit Symbolkraft: Katar ist das Land der Erde mit dem höchsten Pro-Kopf-Treibhausgas-Ausstoß.
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Frankfurt (Main)/MZ. 

Ein Land in der Wüste, in dem Energie spottbillig ist, wo man mit dem Geländewagen vor riesigen klimatisierten Einkaufszentren vorfährt und der hohe Wasserverbrauch mit energiefressenden Entsalzungsanlagen gedeckt wird. Auf jeden Einwohner kommen 31 Tonnen CO2 pro Jahr, dreimal soviel, wie ein Deutscher verantwortet, und gut 100 Mal soviel wie etwa ein Bürger des Entwicklungslandes Burundi.

Auf dem Gipfel in dem Emirat, das über die drittgrößten Erdgas-Reserven der Welt verfügt, muss Bilanz gezogen werden. Denn Ende 2012 läuft die erste Periode des Kyoto-Protokolls aus. Und alle Welt fragt sich: Macht es überhaupt Sinn, das Kyoto-Modell weiter zu verfolgen? Der bislang einzige verbindliche internationale Klimavertrag hat nämlich nicht dazu geführt, dass die globalen Emissionen stabilisiert wurden oder gar gesunken sind. Im Gegenteil. 2011 war wieder ein neues Rekordjahr beim CO2-Ausstoß - rund 34 Milliarden Tonnen aus der Verbrennung von fossilen Energien wurden in die Atmosphäre gepustet. Im Jahr 1990, Basis für die Klimapolitik, waren es erst 21 Milliarden. Hinzu kommen noch die Emissionen aus der Waldvernichtung. Weltbank und UN-Umweltprogramm (Unep) haben vorige Woche Alarm geschlagen: Das Ziel, die Erderwärmung nicht über zwei Grad ansteigen zu lassen, sei nicht mehr zu halten, wenn nicht schnell umgesteuert werde. Beim "Weiter so" drohe eine "Vier-Grad-Welt"- mit regelmäßigen extremen Hitzewellen, Missernten, die die globale Ernährungssicherheit gefährden, und ein Kippen wichtiger Klimaelemente. Unep befürchtet, dass der globale CO2-Ausstoß bis 2020 drastisch weiter ansteigt. Selbst wenn alle Staaten ihre freiwillig zugesagten Minderungsziele umsetzen, würden die Emissionen in diesem Jahr um acht Milliarden Tonnen zu hoch liegen. Die "CO2-Lücke" sei zuletzt sogar um zwei Milliarden Tonnen gewachsen, warnt Unep-Chef Achim Steiner. "Der Fortschritt zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ist viel zu langsam." Es sei aber immer noch möglich, "die Lücke mit existierenden Technologien und Maßnahmen zu schließen." Aber das ist Theorie.

Der Kyoto-Vertrag selbst ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Industrieländer beschlossen 1997 in der alten japanischen Kaiserstadt, ihren CO2-Ausstoß bis 2012 im Schnitt um 5,2 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken. Die, die heute noch mitmachen, haben das gemeinsame Ziel unter dem Strich geschafft. Allerdings stieg der Großeinheizer USA schon 2001 aus, Kanada folgte letztes Jahr. Beide hätten ihr Ziel weit verfehlt.

Da der Plan grandios scheiterte, beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009 einen neuen globalen Vertrag zu verhandeln, wird nun in Doha ein Notprogramm absolviert, um ab 2013 kein klimapolitisches Vakuum entstehen zu lassen. In Katar soll eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden - entweder bis 2017, wie viele Entwicklungsländer fordern, oder bis 2020, wie die Europäische Union es anstrebt. Die Welt retten wird Kyoto II nicht. Denn mitmachen wollen bisher neben der EU nur Norwegen, die Schweiz und Australien. Das heißt: Die neue Verabredung regelt nur noch rund elf Prozent des globalen CO2-Ausstoßes.

Weiter geht es in Doha um einen Zeit- und Arbeitsplan zur Verabschiedung des neuen globalen Klima-Abkommens, das nun erst ab 2020 gelten soll - und auch die Nicht-Kyoto-Welt verpflichtet, darunter die beiden größten Emittenten China und USA. Der Vertrag soll 2015 fertig verhandelt sein. Ob das klappt, steht in den Sternen.

Dritter Knackpunkt in Doha sind die Finanzen. Die Entwicklungsländer sollen für Hilfen beim Klimaschutz und der Bewältigung von Klimafolgen mehr Geld bekommen, bis 2020 sollen die Zahlungen jährlich 100 Milliarden US-Dollar erreichen. Für die Jahre 2010 bis 2012 hatten die Industriestaaten einen Startbetrag von 30 Milliarden zugesagt, was auch erreicht wurde - teilweise jedoch nur durch Umschichtungen anderer Entwicklungshilfegelder. Wie die Mittel für den neuen Grünen Klimafonds (GCF) zusammen kommen sollen, dürfte heftige Debatten auslösen.

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