Vorlesen

Thomas de Maizière: Der Verteidigungsminister verärgert die Soldaten

Uhr | Aktualisiert 27.02.2013 00:20 Uhr
Drucken per Mail
        

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (rechts) besuchte erst am vergangenen Wochenende deutsche Soldaten, die im Rahmen eines Nato-Einsatzes zeitweilig in der Türkei stationiert sind.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (rechts) besuchte erst am vergangenen Wochenende deutsche Soldaten, die im Rahmen eines Nato-Einsatzes zeitweilig in der Türkei stationiert sind.   (BILD: dpa)

Von
Die Truppe fühlt sich durch Äußerungen von Verteidigungsminister de Maizière gedemütigt. Veteranen bezeichnen den obersten Dienstherr als "Oberlehrer". Derzeit sind 5800 Soldaten in Auslandseinsätzen.
Berlin/MZ

Mit harscher Kritik haben der Deutsche Bundesverband und Veteranenvertreter auf den Vorwurf von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) geantwortet, dass die Soldaten der Bundeswehr zu sehr nach Lob und Aufmerksamkeit gierten.

Die deutschen Streitkräfte bräuchten keinen Oberlehrer, sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, am Dienstag. Die Soldaten bräuchten stattdessen einen obersten Dienstherrn, der sich auch in schwierigen Situationen vor sie stelle und vor Kritik in Schutz nehme, anstatt sie öffentlich zu demütigen, sagte Kirsch dem Boulevardblatt Bild.

Der Veteranenverband sprach gar von einer „Ohrfeige“ für die Soldaten. „Gerade im Einsatz leisten Soldaten nicht irgendeinen Job, sondern riskieren ihr Leben“, sagte Verbandschef Andreas Timmermann-Levanas. Das verdiene Respekt .

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) indes hielt seine Aussage aufrecht, wonach die Bundeswehrsoldaten oft den verständlichen, wenn auch übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung hätten.

„5 800 Soldaten dienen aktuell in den verschiedenen Einsätzen“, sagte der Minister am Montagabend bei einem Auftritt bei der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. „Ihr Dienst verdient große gesellschaftliche Wertschätzung. Diese hat sich gut entwickelt, besser als das oft von innen aus der Bundeswehr wahrgenommen wird.“ Dafür sei er dankbar und dafür wolle er auch weiter werben.

Am Wochenende hatte De Maizière in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ darauf verwiesen, dass sich die gesellschaftliche Wertschätzung für die Bundeswehr und die Arbeit der Soldaten in den vergangenen Jahren massiv verbessert habe. Seit längerem gebe es keine Debatten mehr à la „Alle Soldaten sind Mörder“, hob der Minister hervor und verwies darauf, dass sich die deutschen Streitkräfte auch als Arbeitgeber großem Renommee erfreuten. Bei aller Ablehnung des Militärischen in der deutschen Gesellschaft erfreue sich die Bundeswehr einer hohen Akzeptanz.

In der Truppe wird allerdings tatsächlich seit längerem über ein mangelndes Interesse der Öffentlichkeit an ihren Einsätzen geklagt. Ex-Bundespräsident Horst Köhler hatte dies einst als „freundliches Desinteresse“ bezeichnet. Auch der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) hatte diesen Eindruck in seinen Berichten beschrieben.

Gegenwärtig ist die Verunsicherung in der Bundeswehr ohnehin groß, weil die Streitkräfte mitten in einem schmerzhaften Reformprozess stecken und viele Soldaten vor einschneidenden Veränderungen stehen, weil die Truppe nun massiv verkleinert und viele Standorte aufgegeben werden.

Bundeswehrangehörige kritisieren, dass Verteidigungsminister de Maiziére zu wenig Verständnis für die Belange der Soldaten aufbringe und die Reform zu stark als einen Verwaltungsvorgang betrachte.

Auch interessant