Vorlesen

Republikaner: Botschaft für die Zukunft

Uhr | Aktualisiert 07.11.2012 20:51 Uhr
Drucken per Mail
Von
Präsident Barack Obama hat die Wahlen knapp, aber eindeutig für sich entschieden, weil er die traditionelle Wählerschaft der Demokraten für sich gewinnen konnte: Frauen, Schwarze und Latinos, Städter mit geringem Einkommen, Studenten und Gewerkschaftsmitglieder.
WASHINGTON/MZ. 

Vor allem die unabhängigen Wähler, die sich weder als Demokraten noch als Republikaner bezeichnen, entschieden sich überraschend klar für den konservativen Herausforderer Mitt Romney, wie Nachwahlbefragungen diverser Medien ergaben.

Vorbehalte gegenüber Obama

Deutlicher als 2008 lässt sich am Ergebnis in diesem Jahr die politische Spaltung des Landes ablesen. Denn Romney konnte klar die konservative Klientel hinter sich vereinen - weiße Männer, die in Vorstädten leben, Senioren, Südstaatler und regelmäßige Kirchgänger. Selbst die Evangelikalen stimmten für ihn, obwohl sie wegen seines Glaubens als Mormone Bedenken gehabt hatten. Aufgrund ihrer tiefsitzenden Vorbehalte gegenüber Obama stimmten sie jedoch in erheblich größerem Ausmaß für Romney als 2008 für John McCain.

Wesentliche Komponenten haben sich gegenüber der letzten Wahl jedoch nicht verändert. Auch dieses Mal stimmten die jüngeren Wähler zu gut 60 Prozent für den Demokraten, ebenso die gut ausgebildeten und Geringverdiener. Jene, die glauben, dass staatliche Institutionen eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen, indem sie etwa für Sozialhilfe, Studentenstipendien und ein Gesundheitssystem für alle sorgen. Mitt Romney hat mit seinen Ankündigungen, die Leistungen zu kürzen, jede Möglichkeit vertan, diese Wählerschichten zu erschließen.

Als besonders fatal für Romney hat sich die Taktik seines Wahlkampfteams erwiesen, fast ausschließlich auf die weißen Wähler und deren Vorurteile gegenüber den Minderheiten zu setzen. So ließ es seit Anfang August einen rassistischen Fernsehspot in den Swing States ausstrahlen - jenen Staaten also, die zwischen Demokraten und Republikanern besonders umkämpft sind. Darin wurde Obama beschuldigt, eine Arbeitsverpflichtung für Sozialhilfeempfänger aufgehoben zu haben. Die Behauptung war nicht nur falsch, sie zielte eindeutig auf die konservative Mehrheit der weißen Wähler, die viele Sozialleistungen ablehnen, weil davon Schwarze oder Latinos profitieren.

Ähnlich perfide und ähnlich gelagert war die Unterstellung, dass Obama über 700 Millionen Dollar aus Medicare, der Krankenversicherung für Senioren, abziehen werde, um seine Gesundheitsreform Obamacare zu finanzieren. Medicare erhalten zu 77 Prozent weiße Amerikaner. Nur zehn Prozent der Leistungsempfänger sind Afroamerikaner und acht Prozent Latinos. Ganz anders sieht es bei Obamacare aus. Von ihr werden 30 Millionen bislang nicht versicherte Amerikaner profitieren: 16,3 Prozent von ihnen Schwarze, 30,7 Prozent Latinos, 5,2 Prozent asiatischer Abstammung und nur 46,6 Prozent Weiße.

Kaum Minderheiten für Romney

Diese rassistisch konnotierte Botschaft ist durchaus bei den Wählern angekommen, wie das Ergebnis zeigt. Die weißen Männer wählten zu über 60 Prozent Romney, weiße Frauen zu etwa 55 Prozent. Bei den Minderheiten erreichte der Republikaner nicht einmal 20 Prozent. Für einen Wahlsieg hat das nicht gereicht - auch weil in den Swing States die Minderheiten stärker vertreten sind als im Landesdurchschnitt. Angesichts des demografischen Wandels, in dem die Weißen in absehbarer Zeit bloß noch die größte Minderheit stellen werden, birgt das Ergebnis eine entscheidende Botschaft für die Zukunft: Nur ein Kandidat, der die traditionellen politischen Lager überwindet, hat eine Chance zum Präsidenten gewählt zu werden.