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Religionsfreiheit: Am Check-in-Schalter ist ein Kruzifix erlaubt

Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 22:56 Uhr
Das heikle Thema der Religionsfreiheit beschäftigte den Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. (FOTO: DPA) 
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Religiöse Symbole am Arbeitsplatz sind grundsätzlich erlaubt. Ob christliches Kreuz, muslimisches Kopftuch oder Davidsstern - sie alle dürfen auch im Job sichtbar getragen werden, so lange der dadurch nicht gefährdet wird.
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Strassburg/MZ. 

Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg in mehreren Urteilen gestern entschieden.

Dabei gaben die Richter zunächst der 61-jährigen Britin Nadia Eweida Recht. Sie war beim Bodenpersonal von British Airways am Check in-Schalter tätig, als ihr Arbeitgeber Ende 2006 das Tragen religiöser Symbole untersagte. Die Frau - Mitglied einer Pfingstkirche - wollte sich aber nicht verbieten lassen, ein goldenes Kreuz an einer Halskette zu zeigen. Die Anordnung des Unternehmens sei ein Verstoß gegen die in der Menschenrechtscharta verbriefte Religionsfreiheit gewesen, urteilte der EGMR gestern.

Doch die Richter zogen auch Grenzen. Denn diese Freiheit könne durchaus eingeschränkt werden, wenn es der Beruf erfordere. Deshalb wurde die Klage der britischen Krankenschwester Shirley Chaplin abgewiesen. Ihr hatte der Krankenhaus-Betreiber das offene Tragen einer Kette mit dem Kreuzsymbol untersagt, weil Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften dagegen sprächen.

Auch zwei weitere Kläger aus Großbritannien hatten mit ihren Beschwerden vor dem Gerichtshof keinen Erfolg. Im einen Fall hatte sich eine Standesbeamtin geweigert, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Im anderen Fall lehnte es ein Sexualtherapeut ab, schwule und lesbische Paare zu behandeln, was der Ausrichtung seiner Beratungsstelle widersprach. Beide könnten sich mit ihren Klagen nicht auf die Religionsfreiheit der Konvention berufen, so die Richter.

"Die Menschenrechtskonvention gibt Angestellten nicht das Recht, auf eine Änderung ihrer Arbeitsbedingungen zu beharren, damit diese ihrer Religion oder ihrem Glauben entsprechen", betonte der Anwalt der britischen Regierung, James Eadle, nach dem Urteilsspruch. Es sei falsch zu glauben, jeder habe einen Anspruch darauf, während der Arbeit ohne Einschränkungen seine religiösen Überzeugungen ausleben zu können. Dies habe nichts mit Diskriminierung zu tun.

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