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Mitteldeutsche Zeitung | Internationale Medien zu Kölner Übergriffen: „Deutschland am Abgrund“ - Merkel muss gehen
11. January 2016
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Internationale Medien zu Kölner Übergriffen: „Deutschland am Abgrund“ - Merkel muss gehen

Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel posiert mit einem Flüchtling in Berlin für ein Selfie.

Foto:

dpa

Die Folgen der Kölner Silvesternacht sind auch in ausländischen Medien ein Top-Thema. Oft schlagen die Kommentatoren einen weitaus radikaleren Ton an als die Medien hierzulande. Wo sich die meisten deutschen Journalisten und Politiker zurückhaltend äußern, liegt für die amerikanischen Kommentatoren der Zusammenhang zwischen den massenhaften Übergriffen und der deutschen Flüchtlingspolitik auf der Hand.

Ross Douthat schreibt am Sonntag in der „New York Times“, Deutschland befinde sich am „Abgrund“. Am Agieren der Regierung in Zeiten der Flüchtlingskrise lässt er kein gutes Haar. Es sei dumm, zu denken, Deutschland könne so viele Flüchtlinge, wie derzeit ins Land strömen, integrieren und die Sünden seiner Vergangenheit so wiedergutmachen. Zunächst habe man versucht, sexuelle Gewalt und kriminelle Aktionen an Silvester herunterzuspielen. Und überhaupt sei die deutsche Regierung mehr damit beschäftigt, Facebook und Google in die Schranken zu weisen, als Einwanderung zu überwachen.

Dabei würden Konservative auf beiden Seiten des Atlantiks seit Jahrzehnten warnen, Europas liberale Flüchtlingspolitik destabilisiere den Kontinent. Besonders der Zustrom von jungen Männern unter 30 Jahren aus islamischen Gesellschaften stelle Europa vor große Herausforderungen.

Das Fazit Douthats lautet: Merkel muss gehen, damit Deutschland und ganz Europa nicht einen zu hohen Preis für ihre „edelmütige Torheit“ zahlen muss.

Auch der „Telegraph“ rechnet mit deutscher Politik ab

Ganz ähnlich kommentiert auch der konservative britische „Telegraph“. Die Angriffe von Köln seien eine Bewährungsprobe für den deutschen Liberalismus. Und auch hier wird deutsche Vergangenheitsbewältigung ins Spiel gebracht:

Jahrelang habe das Land versucht, die Sünden der Vergangenheit zu büßen, indem es seine Türen für Außenseiter geöffnet hat. Jetzt setzte ein Umdenken ein. Für die Linke sei dies dramatisch, da sie sich nicht von der Vorstellung lösen könne, dass Integration eine Aufgabe westlicher Gesellschaften sei.

Neuer Druck auf Angela Merkel entstehe auch durch die Berichte über den Paris-Attentäter, der unter sieben falschen Identitäten als Asylsuchender in Deutschland lebte und Straftaten beging, schreibt der „Telegraph“ einen Tag später.

In den Niederlanden beschreibt „de Volkskrant“ die Reaktionen der Regierungsparteien CDU und SPD als „panikartig“. (cm, mit dpa)