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Politologe: «DDR-Erziehung ist Schuld an rechter Gewalt»

Dokumentation «Die Kinder von Golzow»

Ausschnitt aus der DDR-Langzeit-Dokumentation «Die Kinder von Golzow» (FOTO: FESTIVAL)

Dresden/dapd. -

Ein möglicher Ausgangspunkt für Hass undGewalt bei den aus Jena stammenden Rechtsterroristen Uwe Mundlos undUwe Böhnhardt ist nach Ansicht des Dresdner Politologen WernerPatzelt auch die DDR-Sozialisation gewesen. «In beiden Fällen hatauch die DDR-Sozialisation zur rechtsextremen Gewalttätigkeitgeführt», sagte Patzelt der Nachrichtenagentur dapd.

Nicht nur im Westen, sondern auch in der DDR hätten Jugendliche«Lust an der Provokation» gehabt. Mit Blick auf Mundlos sagtePatzelt, in einer «sich antifaschistisch gebenden Gesellschaft»haben man kommunistische Eltern am meisten mit dem «Bekenntnis zumFaschismus» ärgern können.

Patzelt sagte, dieser vor allem durch die Studentenrevolution imWesten bekannte Generationenkonflikt sei auch in der DDR einGrundphänomen gewesen. «Hatte man ein linkes Elternhaus, wurden dieJugendlichen rechts. Hatte man ein rechtes Elternhaus, wurden dieJugendlichen links.» Studien aus den 1990er Jahren belegten, dassgerade rechte Schläger damals gehäuft aus Stasi-Offiziersfamilienstammten. Der an der TU Dresden lehrende Politikwissenschaftlerfügte hinzu, die Mehrheit der 17 Millionen ehemaligen DDR-Bürgerbeweise, dass die DDR-Sozialisation nicht zwangsläufig zurechtsradikaler Gewalt geführt habe.

Die DDR-Erziehung habe jedoch keine Meinungsvielfalt akzeptiertund daher Jugendliche nicht vor dem Reiz des Extremismus geschützt,sagte Patzelt weiter. Er kritisierte, dass bisher dieGemeinsamkeiten zwischen DDR-Sozialismus und Nationalsozialismus wiebeispielsweise Militarisierung und «Verachtung von Bürgerlichkeitund Intellektualität» zu wenig beachtet worden seien. Zwar stelledeswegen neben dem Rechtsextremismus auch der Linksextremismus eineBedrohung der Demokratie dar.

Aber die Systemkritik des linken Lagers biete im Gegensatz zursystematischen Demokratieverachtung des rechten Lager noch einen«intellektuellen und ethischen Mehrwert». Mit Blick auf dieMordserie durch die Zwickauer Zelle sagte Patzelt, im Moment stehe«der Hauptfeind klar auf der rechten Seite».