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Piraten: Erst das Studium, dann die Partei

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 22:07 Uhr
Marina Weisband kandidiert nicht für den Bundestag. (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Die frühere politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, kandidiert nicht für den Bundestag. Die 25-Jährige begründete ihre Entscheidung mit ihrem Psychologiestudium in Münster, das sie zunächst fortführen und abschließen wolle. Viele Piraten reagierten ernüchtert auf die Absage ihrer Hoffnungsträgerin.
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Berlin/MZ. 

Die frühere politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, kandidiert nicht für den Bundestag. Die 25-Jährige begründete ihre Entscheidung mit ihrem Psychologiestudium in Münster, das sie zunächst fortführen und abschließen wolle. Ihr sei die Entscheidung nicht leichtgefallen, sagte sie der Tageszeitung "Die Welt". "Ich werde mich nicht aufopfern für meine Partei", sagte Weisband.

Viele Piraten reagierten ernüchtert auf die Absage ihrer Hoffnungsträgerin. Denn als Liebling der Medien hätte die junge Politikerin der gebeutelten Partei ein bisschen von der dringend benötigten Aufmerksamkeit verschaffen können. Marina Weisband war stets der gelebte Gegenbeweis für den Vorwurf, die Piratenpartei sei eine reine Versammlung von jungen computerfixierten Männern, die sich in Fantasy-Spielen verlieren und mit der wirklichen Welt und wirklichen politischen Themen herzlich wenig anfangen könnten.

Konstruktive Beiträge

Marina Weisband ist unbestritten ein politisches Talent, das ebenso klug ist wie zur Selbstdarstellung neigt. Mit ihren abgewogenen und reflektierten Beiträgen war es ihr in der Vergangenheit häufiger gelungen, die stets leidenschaftlichen, nicht immer durch Sachkenntnis getrübten Debatten innerhalb der Partie eine konstruktive Richtung zu geben.

Gleichzeitig eckte sie mit ihrem Hang zur Selbstinszenierung in einer Partei an, die weiterhin "Themen statt Köpfe" propagiert, auch wenn ihr die Themen nicht recht einfallen wollen. Beim Bundesparteitag im Frühjahr in Neumünster trat Weisband in ihrem Hochzeitskleid auf, was dafür sorgte, dass sie stets von einer Traube Kameras und Fotografen umringt war, wenn sie durch die Holstenhallen streifte - wo sonst schwarze T-Shirts, Pferdeschwänze und Jeans dominierten. Nicht wenige nahmen ihr solche Auftritte ziemlich übel. Zuletzt hagelte es heftige Kritik, nachdem sich Weisband im November selbst als mögliche Bundestagskandidatin ins Spiel gebracht hatte. Daraufhin verstummte die sonst so kommunikative junge Frau öffentlich für Wochen.

Einzug in Bundestag fraglich

Der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer, selbst ein begnadeter Selbstdarsteller und großes politisches Talent, ist kein Freund von Weisband. "Damit wäre das also geklärt", kommentierte er via Kurznachrichtendienst Twitter den Entschluss seiner Parteikollegin, nicht für den Bundestag zu kandidieren.

Im Augenblick scheint es ohnehin fraglich, ob die Piratenpartei im kommenden September bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wird.

Nach dem Hype des Frühjahrs, auf dessen Höhepunkt die Partei in Umfragen bei 13 Prozent lag, macht sich beim Wähler längst Ernüchterung breit. In aktuellen Erhebungen liegen die Piraten bei drei bis vier Prozent. Schlimmer noch, die Partei macht öffentlich fast nur durch Peinlichkeiten und innerparteilichen Streit von sich reden.

Vom frischen Wind der Anti-Establishment-Partei ist in den vier Landtagen wenig zu spüren. Einzig im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Piraten als politische Kraft halbwegs angekommen zu sein. FOTO: DAPD