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Organspende: Schatten der Skandale

Der These, dass die Krankenkassen über das Thema Organspende zu wenig informieren, stimmten 52 Prozent aller Befragten zu, jedoch nur 27 Prozent der TK-Versicherten.

Der These, dass die Krankenkassen über das Thema Organspende zu wenig informieren, stimmten 52 Prozent aller Befragten zu, jedoch nur 27 Prozent der TK-Versicherten.

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dpa/ARCHIV

Halle/MZ -

Seit dem 1. November 2012 sind die Krankenkassen verpflichtet, ihre Versicherten regelmäßig über das Thema Organspende zu informieren. An diesem Tag trat das reformierte Transplantationsgesetz in Kraft. Zu einem Zeitpunkt, als Skandale das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschütterten. Viele Kassen sahen zu diesem Zeitpunkt erst einmal davon ab, die Informationsbriefe, die auch einen Organspendeausweis enthalten, abzuschicken. Die Techniker Krankenkasse (TK) entschied sich anders. Sieben Millionen Versicherte - darunter 118 000 in Sachsen-Anhalt - bekamen bereits Anfang November Post. „Wir wollten uns angesichts der Skandale nicht wegducken“, betont Jens Hennicke, TK-Landeschef in Sachsen-Anhalt. „Vielmehr haben wir uns gesagt, jetzt muss erst recht aufgeklärt werden.“

Aufschlussreicher Vergleich

Um festzustellen, wie die Aufklärung wirkt, hat die Hamburger Zentrale der TK im Februar beim Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Umfrage in Auftrag gegeben. Aus den Ergebnissen zieht Hennicke den Schluss, dass TK-Versicherte im Vergleich zu Versicherten der Krankenkassen, die die Informationspost noch nicht abgeschickt haben, aufgeklärter sind. So sind laut Forsa-Umfrage 21 Prozent aller Deutschen im Besitz eines Organspendeausweises (in Sachsen-Anhalt: 16 Prozent). Unter den TK-Versicherten jedoch 31 Prozent. Der These, dass die Krankenkassen über das Thema Organspende zu wenig informieren, stimmten 52 Prozent aller Befragten zu, jedoch nur 27 Prozent der TK-Versicherten.

Auch darüber hinaus sind die Ergebnisse der Umfrage aufschlussreich. So stehen ganz allgemein 78 Prozent der Deutschen (auch in Sachsen-Anhalt sind es 78 Prozent) dem Thema Organspende positiv gegenüber. 67 Prozent (Sachsen-Anhalt: 66 Prozent) wären auch zu einer Lebend-Spende von Organen - zum Beispiel einer Niere - an Verwandte ersten oder zweiten Grades oder sehr nahestehende Personen bereit. Eine Lebend-Spende gegen Geld lehnen dagegen 87 Prozent der Befragten ab. In Sachsen-Anhalt sind es sogar 90 Prozent.

Die Spendenskandale haben jedoch deutliche Spuren hinterlassen. 94 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass dadurch die Spendenbereitschaft gesunken ist. Allerdings sagen auch 60 Prozent, dass die Skandale auf ihre persönliche Bereitschaft zur Organspende keinen negativen Einfluss haben. Diese Zahl kann Hennicke aber durchaus nicht beruhigen. „Auf immerhin 40 Prozent der Befragten haben die Skandale negativen Einfluss“, kehrt er den Spieß um. Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen weiter an dem Thema arbeiten. Die Menschen müssen wieder Vertrauen fassen.“

Andere ziehen nach

Inzwischen sind auch viele andere Kassen dabei, Informationsmaterial samt Spenderausweis an ihre Versicherten zu verschicken. So hat die AOK Sachsen-Anhalt zwischen Mitte Februar und Anfang März so wie vorgesehen alle Versicherten ab 16 Jahre über ihre Mitgliederzeitschrift „bleibgesund“ mit dem entsprechenden Material versorgt. Versicherte, die die Zeitschrift ablehnen, hätten sie diesmal dennoch bekommen, sagt AOK-Sprecher Andreas Arnsfeld. Auch die IKK gesund plus geht diesen Weg. „Die Informationen gehen dieser Tage raus“, so Sprecher Gunnar Mollenhauer. Die Versicherten der Barmer GEK sollen laut Sprecher Thomas Schmid bis Ende März informiert sein. Und auch die Knappschaft verschickt in diesen Tagen mit ihrer Mitgliederzeitschrift umfangreiche Informationen zur Organspende.

Alle betonen, dass es nicht darum geht, die Entscheidung der Menschen zu beeinflussen. „Wir wollen aufklären, erreichen, dass die Menschen eine Entscheidung treffen und dokumentieren“, betont Hennicke. „Auch um den Angehörigen diese Last zu nehmen.“