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Niederländisches Königshaus: Beatrix macht Platz für Willem-Alexander

Uhr | Aktualisiert 29.01.2013 15:02 Uhr
Beatrix bei der Fernsehansprache, bei der sie im Januar ihre Abdankung bekannt gab. (FOTO: DPA) 
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Königin Beatrix verlässt den Thron der Oranjes. Ihre Kraft ist am Ende. Sie macht den Weg frei für ihren Sohn Willem-Alexander. Der will einiges ändern.
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Brüssel/MZ. 

Königin Beatrix geht. Sie kann nicht mehr. Am Donnerstag feiert die Monarchin ihren 75. Geburtstag. Die schweren Schicksalsschläge der zurückliegenden Jahre haben sie gezeichnet. Mitte Februar jährt sich der Tag, an dem ihr zweiter Sohn Friso (44) in Österreich von einer Lawine verschüttet wurde. Er liegt noch immer ohne Bewusstsein in einer Londoner Klinik. Im Oktober beging sie den zehnten Todestag ihres Mannes, Claus von Amberg, dessen Verlust sie, wie ihr Nahestehende sagen, nie wirklich verwunden habe. Dass sie und ihre Familie vor drei Jahren Ziel eines Anschlags wurden, habe sie tiefer getroffen, als sie je eingeräumt habe. Königin Beatrix galt als beliebt, bewundert, wenn auch nicht unumstritten.

Umstrittene Hochzeit

Geboren wird die spätere Königin der Niederlande als Beatrix Wilhelmina Armrad 1938 in Baarn als Prinzessin von Oranien-Nassau. Im Krieg flieht die Familie über Großbritannien ins kanadische Ottawa, wo Beatrix zur Schule geht. 1945 kehrt sie zurück, studiert Soziologie, Rechtswissenschaft, Ökonomie, Parlamentsgeschichte und Verfassungsrecht. 1961 schließt sie ihr Jura-Studium erfolgreich ab, heiratet fünf Jahre später den Deutschen Claus von Amberg - eine Hochzeit, die sie gegen den Widerstand vieler Landsleute durchsetzen muss. Denn die sehen in dem Prinzgemahl einen Vertreter der verhassten Besatzermacht. Es dauert lange, bis sich diese Vorurteile legen. Am Ende ist ihr Mann eines der beliebtesten Mitglieder der Monarchen-Familie. Am 30. April 1980 wird Beatrix schließlich zur Königin, nachdem ihre Mutter Juliane abdankte. Und sie wird eine Landesmutter wie aus dem Bilderbuch. Keine Skandale, keine Skandälchen, nicht einmal mit den drei Kindern. Auch wenn ihr Lächeln manchmal tiefgefroren wirkt, so galt ihre Fröhlichkeit doch als Markenzeichen. Sie regiert professionell und abgeklärt. Öffentlich zeigte sie sich nicht gerne, man spürte eher, wie schwer ihr so etwas wie Volksnähe fiel. Doch selbst diese unterkühlten Auftritte fielen in jüngster Zeit immer häufiger aus. Wenn man sie sah, ließ sie sich stützen. Vor wenigen Wochen verletzte sie sich bei einem Sturz am Mund und tauchte tagelang ab. „Sie ist nicht mehr dieselbe“, hieß es erst vor wenigen Tagen in einem Kommentar des niederländischen Fernsehens.

Vorgesorgt hat sie. Das niederländische Königshaus ist am Shell-Konzern beteiligt, Beatrix selbst wird als eine der reichsten Frauen der Welt bezeichnet. Ihre Rücklagen schätzen Kenner der Monarchie auf 250 Millionen bis 2,5 Milliarden Euro.

Sie macht den Weg für Willem-Alexander frei, ihren ältesten Sohn. Der 45-Jährige promovierte Historiker hat sich längst einen Namen als Experte für Wassermanagement gemacht. Seit 2006 berät er die UN. Und dass seine Frau, die gebürtige Argentinierin Maxima, an seiner Seite eine gute Figur machen wird, konnten nicht nur die deutschen Nachbarn seit der Hochzeit im Jahr 2002 den Klatschspalten entnehmen. Die beiden haben drei Kinder und lieben es, sich als Bilderbuchfamilie öffentlich zu inszenieren.

Volksnaher Monarch

Dennoch dürfte König Willem IV., wie er sich offiziell nennen wird, den Stil des Königshauses verändern. Er wolle die Distanziertheit der Mutter überwinden und wie Großmutter Juliane ein volksnaher Monarch werden, deutete er einmal an. Nun hat er die Gelegenheit dazu.

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