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Nahost: Experten nehmen Proben von Arafats Leiche

Uhr | Aktualisiert 27.11.2012 09:15 Uhr

Blick auf das Mausoleum (l.) des früheren palästinensischen Präsidenten und PLO-Chefs Jassir Arafat auf seinem ehemaligen Amtssitzes in Ramallah im Westjordanland. (FOTO: DPA)

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In Ramallah im Westjordanland sind am Dienstag die sterblichen Überreste des ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat exhumiert worden. Die Entnahme von Gewebeproben soll nur einige Stunden dauern.
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Ramallah/AFP. 

In Ramallah im Westjordanland sind am Dienstag die sterblichen Überreste des ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat exhumiert worden. Die Arbeiten begannen um 5 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) im Beisein von Experten aus Frankreich, Russland und der Schweiz, wie Beteiligte der Nachrichtenagentur AFP sagten. Acht Jahre nach Arafats Tod sollen die Untersuchungen klären, ob der Politiker womöglich vergiftet wurde.

Die Arbeiten in der Mukataa, dem Hauptquartier der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah, wo sich das Mausoleum Arafats befindet, wurden vom Mufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, begleitet. Die Entnahme von Proben soll bis Dienstagnachmittag abgeschlossen sein, anschließend soll der Leichnam mit militärischen Ehren erneut beigesetzt werden werden.

Die Exhumierung fand unter Aufsicht französischer Untersuchungsrichter statt. Im Sommer hatte Arafats Witwe Suha nach einem Fernsehbericht über Spuren des hochgiftigen Stoffs Polonium, die an persönlichen Gegenständen Arafats gefunden worden waren, in Frankreich Anzeige erstattet. Daraufhin wurden Mordermittlungen eingeleitet. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, ihren früheren Präsidenten vergiftet zu haben, was das Land jedoch zurückweist.

Der schwer erkrankte Arafat war am 11. November 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus im Süden von Paris gestorben. Die genaue Todesursache wurde nie festgestellt. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, Arafat vergiftet zu haben, was Israel zurückweist.

Anfang Juli sorgte eine Reportage des arabischsprachigen Senders Al-Dschasira für Aufregung: Schweizer Experten gaben in dem Bericht an, sie hätten an persönlichen Gegenständen Arafats eine erhebliche Konzentration des radioaktiven und hochgiftigen Stoffs Polonium nachgewiesen. Polonium war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.

Arafats Witwe Suha erstattete nach dem TV-Bericht in Frankreich Anzeige gegen Unbekannt. Ende August leitete die französische Justiz Ermittlungen wegen Mordverdachts ein, am Sonntagabend trafen französische Untersuchungsrichter in Ramallah ein.

Dort laufen bereits seit Mitte November die Vorbereitungen für die Exhumierung. Arbeiter öffnen das in der Mukataa, dem Hauptquartier der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah, gelegene Mausoleum Arafats. Blaue Planen schirmen das Grab vor den Blicken Außenstehender ab.

Die Exhumierung ist unter den Palästinensern umstritten. Suha Arafat spricht von einem „sehr schmerzlichen“ Akt, der aber nötig sei, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ein Neffe Arafats und Präsident der Jassir-Arafat-Stiftung, Nasser al-Kidwa, spricht dagegen von „Leichenschändung“. In seinen Augen ist längst klar, dass sein Onkel ermordet wurde - weitere Beweise seien nicht nötig.

Die Entnahme von Gewebeproben wird nur einige Stunden in Anspruch nehmen. Nach der Exhumierung soll Arafats Leichnam erneut in einer feierlichen Zeremonie beigesetzt werden. Warum russische Experten an der Exhumierung teilnehmen, haben die Palästinenser nicht genau erklärt. Aus Russland stammt aber der größte Teil des weltweit produzierten Poloniums - in dem Land gibt es daher eine besondere Expertise.

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