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Nach den Ereignissen in Köln: Syrer aus Köthen reagieren auf Ausschreitungen

Suleiman Aljohmani (3. von rechts) überreicht Nicole Gewinner den Brief.

Suleiman Aljohmani (3. von rechts) überreicht Nicole Gewinner den Brief.

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HEIKO REBSCH

halle (Saale) -

„Bitte habt keine Angst.“ Mit diesen Worten wenden sich syrische Männer an die Einwohner von Köthen (Anhalt-Bitterfeld). „Wir sind hier, weil wir in Frieden leben wollen. Nicht, um jemanden zu schädigen oder zu verängstigen.“ Die Flüchtlinge reagieren damit auf die Ausschreitungen in der Silvesternacht in Köln. Dort war es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen gekommen. „Was in Köln passiert ist, zeigt nicht das wahre syrische Volk, die Angreifer in Köln sind Verbrecher“, betonen die Männer.

Sie leben - einige mit ihren Familien, andere allein - bereits seit einigen Monaten in Köthen. „Wir sind sehr froh und dankbar, hier eine Zuflucht und Frieden gefunden zu haben“, schreiben die Männer in einem Brief, der am Freitag in den Räumen der Initiative „Willkommen in Köthen“ vorgelesen wurde. Die Männer bedanken sich bei den Helfern, von denen viele Frauen sind - und versprechen, ihnen jederzeit zu helfen.

Auseinandersetzungen im Flüchtlingsheim

In einer Flüchtlingsunterkunft in Stedten (Mansfeld-Südharz) kam es derweil am Donnerstagabend zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Nach ersten Erkenntnissen soll gegen 23.30 Uhr zunächst ein 20 Jahre alter Afghane in das Zimmer einer 37-jährigen Frau aus dem Iran eingedrungen sein und sie in den Bauch getreten haben. In der Folge kam es zum Streit zwischen neun Personen. Beteiligt daran waren laut Polizei fünf Männer aus Afghanistan sowie vier Personen aus dem Iran, darunter die zuvor angegriffene Frau. Vier Personen, darunter die 37-jährige Iranerin, wurden ambulant im Krankenhaus behandelt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. Weshalb die Frau angegriffen wurde, ist noch unklar.

Bei einer Diskussion mit anderen Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Ballenstedt (Harz) hatte bereits am Mittwoch ein 23-jähriger Muslim aus Syrien eine 32 Jahre alte Christin aus Eritrea und ihren Säugling massiv bedroht. Dabei sollen auch die Worte: „Ich komme im Schlaf und schlachte Dein Baby“ gefallen sein. Nach Rücksprache mit einem Dolmetscher waren sich laut Polizei alle Anwesenden einig, dass diese Drohung ernst zu nehmen war. Der Syrer und seine Großfamilie wurden nach dem Vorfall wieder in die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber stelle nach Halberstadt gebracht.

Massiv bedroht worden sein soll auch ein Syrer in einer Unterkunft in Gerbitz (Salzlandkreis). Er hatte in der Nacht zum Mittwoch kurz aus dem Fenster geschaut, nachdem zuvor vier Personen mit Baseballschlägern gegen die Fenstersimse geschlagen haben sollen. Bereits Silvester hatten vier Personen dort Bierflaschen und Steine gegen die Einrichtung geworfen. In dem Fall erfasste die Polizei die Namen der mutmaßlichen Täter.

In Wittenberg soll eine 28 Jahre alte Frau am Donnerstag von einem Mann mit dunkler Hautfarbe geschlagen worden sein. In den sozialen Medien sorgte anschließend ein Foto, das angeblich ihre Verletzungen zeigt, für Empörung. In der Folge kam es am Abend auch zu einem kleinen Aufmarsch von Rechten. (mz/cis)


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