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Mobilität: Autobranche steht bei alternativen Antrieben auf der Bremse

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 07:15 Uhr
Anzeige für die Reichweite in einem Erdgas-Auto (FOTO: DPA) 
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Die EU setzt auf alternative Antriebe. Neben neuen Ladestationen für Elektroautos soll ein dichtes Netz mit Erdgas-Tankstellen entstehen.
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Berlin/MZ. 

Opel besitzt einen exzellenten Ruf - in einer überschaubaren Szene. Bei den Leuten, die auf Erdgas als Kraftstoff setzen. Denn seit vielen Jahren bietet der Rüsselsheimer Autobauer Fahrzeuge an, die den leicht flüchtigen Stoff verbrennen. Etwa der Zafira Tourer 1.6 CNG Turbo Ecoflex.

Kürzlich hat Opel wieder einen Preis eingeheimst. Das Umweltinstitut Ökotrend und die Zeitschrift Auto-Bild haben den Zafira als umweltfreundlichstes Auto seiner Klasse ausgezeichnet. Die Treibstoffkosten des Vans entsprechen denen eines Kleinwagens mit Benziner. Dennoch wurden von dem Modell laut Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg Essen voriges Jahr nur 465 Exemplare verkauft.

Schwierige Begrifflichkeit

Was stimmt da nicht? Das fängt schon damit an, dass vielen Fahrzeughaltern nicht klar ist, dass es zwei Sorten von Gas für Autos gibt. CNG - Compressed Natural Gas - ist komprimiertes Methan, auch Erdgas genannt. Daneben gibt es LPG, das auch als Autogas bezeichnet wird. LPG steht für Liquefied Petroleum Gas, eine Mischung aus Butan und Propan. Der Preis für LPG wird an der Tankstelle wie für Benzin und Diesel pro Liter, der für CNG aber je Kilogramm angegeben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die verschiedenen Treibstoffe unterschiedliche Energiegehalte haben. Die Differenzen werden erst deutlich, wenn man die Treibstoffkosten für 100 Kilometer Strecke berechnet: Bei einem Familien-Van wie dem Zafira mit 150 PS fallen in der Superbenziner-Version derzeit im Schnitt rund elf Euro an.

Wird Erdgas verfeuert, ist es etwa halb so viel. LPG und Diesel liegen mit jeweils rund 7,25 Euro dazwischen. Für Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), ist Erdgas "die bessere Alternative zu Benzin und Diesel". Der Schadstoffausstoß liege deutlich niedriger als bei fossilem Kraftstoff. Unter Experten setzt sich die Auffassung durch, dass insbesondere CNG eine Brückenlösung für den Übergang in die Welt der Elektromobilität mit regenerativem Strom bietet. Die Erdgasvorräte halten erheblich länger als die Öl-Reservoirs. Umweltfreundliches Methan lässt sich zudem synthetisch in Biogasanlagen erzeugen.

An den aktuellen Zulassungszahlen lassen sich die Vorzüge von Gas überhaupt nicht ablesen. 2011 wurden nach CAR-Berechnungen fast 6 300 CNG-Autos neu zugelassen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 5 217 - obwohl 2012 das Jahr mit den bislang höchsten Benzin- und Dieselpreisen war. Etwas besser sieht es bei LPG mit immerhin 11 446 Neuzulassungen aus, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Allerdings liegt der Marktanteil mit 0,4 Prozent auch hier extrem niedrig.

Es gibt für die Malaise nicht den einen alleinigen Schuldigen. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR, kritisiert, dass die Autobauer es schlicht "an Vielfalt im Angebot" fehlen lassen. Unter rund 400 Modellen auf dem deutschen Markt gebe es nur 20 mit Erdgas-Antrieb. Und beim Marketing hapert es häufig auch. "Wir würden uns wünschen, dass die Autohersteller mehr dafür tun, die Erdgasautos, die sie produzieren, auch zu verkaufen", verlangt David Graebe von Gazprom Deutschland.

Zudem werden CNG-Pkw mit kräftigen Aufschlägen von 2 000 bis 3 000 Euro angeboten, obwohl nur geringfügige technische Modifikationen nötig sind. Für Hilgenberg steht fest, dass Mobilität mit Erdgas einen deutlichen Schub bekäme, "wenn die Autobauer endlich eine ehrliche Preisgestaltung machen".

Dünnes Netz

Ein weiterer Punkt ist das Tanken: CNG kann nur an rund 900 Stationen gezapft werden. Dennoch sei eine für fast jeden Autofahrer von zu Hause aus erreichbar, betont Timm Kehler von der Organisation Erdgas-Mobil, hinter der große Versorgungsunternehmen stehen. Gleichwohl zeigt Gasprom etwa Verständnis für den Wunsch nach dem Ausbau der Infrastruktur. Der Gas-Riese betreibt derzeit sechs Gastankstellen hierzulande, 2013 sollen vier hinzu kommen, fünf weitere sind für 2014 geplant.

Für den Staat gibt es eine weitere Stellschraube. LPG und CNG sind so günstig, weil der Fiskus eine deutlich niedrigere Energiesteuer als für Benzin und Diesel verlangt. Diese Regelung läuft 2018 aus. Und schon werden Rufe laut, die verminderte Energiesteuer über 2018 hinaus zu garantieren.

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