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Lage in Mali: Berlin in Sorge über blutige Rache

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Malische Soldaten (FOTO: DPA)

Berichte über Racheakte der malischen Armee an Angehörigen des Tuareg-Volkes sorgen bei der Bundesregierung vor dem geplanten Bundeswehr-Einsatz in Mali für Unruhe.
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Berlin/Dakar/rtr. 

„Das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen gründlich nachgegangen werden muss“, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). „Racheakte oder Gewalt malischer Soldaten gegen Zivilisten oder ethnische Minderheiten wären in keiner Weise akzeptabel.“ Anwohner und Menschenrechtsorganisationen hatten malischen Regierungstruppen vorgeworfen, bei ihrem Vormarsch in der zentralmalischen Stadt Sevare mehrere Tuareg und Araber hingerichtet zu haben.

Als Teil eines Ausbildungsprogramms der EU sollen bald auch deutsche Truppen nach Mali entsandt werden, um die Soldaten der desolaten Armee zu schulen. Die Bundeswehr unterstützt den Kampfeinsatz der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas logistisch mit zwei Transportflugzeugen, die Truppen nach Mali fliegen sollen. Eine direkte Beteiligung am Kampfeinsatz gegen die islamistischen Rebellen im Norden des Wüstenstaates schließt die Bundesregierung bisher aus.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Gernot Erler forderte die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass bei der Hilfe für Mali die Einhaltung der Menschenrechte Priorität habe. „Würde man solche Entwicklungen einfach hinnehmen, käme dies zwangsläufig einer Delegitimierung der EU-Ausbildungsmission gleich“, warnte Erler.

Frankreich schickte unterdessen Elitetruppen in Malis Nachbarland Niger, um dort die Uran-Abbaustätten des Staatskonzerns Areva zu sichern. Areva baut in Niger seit über 50 Jahren Uran für die französischen Atomkraftwerke ab, die drei Viertel des Stroms in Frankreich liefern.

In der malischen Stadt Sevare wurden im Stadtteil Walirdi mindestens sechs Leichen gefunden. Drei von ihnen wiesen Verbrennungen auf. Drei weitere Leichen waren in einen Brunnen geworfen worden. Die Internationale Vereinigung für Menschenrechte (FIDH) in Paris erklärte, sie habe Beweise dafür, dass die malische Armee seit dem 10. Januar mindestens elf Menschen in Sevare hingerichtet habe. Sie forderte eine unabhängige Untersuchung. Einige der Opfer seien der Kollaboration mit den Islamisten verdächtigt worden.

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