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Katholische Kirche: Umgang mit homosexuellen Priestern scheint nicht einfach

Uhr | Aktualisiert 27.10.2005 15:19 Uhr
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Kardinäle Lehmann und Meisner (r.)

Kardinal Joachim Meisner (r.) und Kardinal Karl Lehmann beantworten bei der Eröffnungspressekonferenz des Weltjugendtages am Dienstag (15. August 2005) in Köln die Fragen von Journalisten. (Foto: dpa)

Die Diskriminierung oder gar Ächtung homosexueller Menschen ist in der pluralistischen Gesellschaft weitgehend überwunden. Kontrovers ist insbesondere in den Kirchen aber weiterhin, ob zwischen Veranlagung und homosexuellem Verhalten zu unterscheiden ist. Am deutlichsten stellt die katholische Kirche diesen Unterschied heraus.
Hamburg/dpa. 

Neue, noch nicht veröffentlichte «Instruktionen» des Vatikans sollen vorsehen, dass Homosexuelle zwar Zugang zum Priesteramt haben können. Verwehrt bleiben soll es aber denjenigen, die ihre Neigung ausleben.

Zwei eklatant unterschiedliche Beurteilungen homosexuellen Verhaltens kommen in der aktuellen Ausgabe von «Zeitzeichen. Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft» (Berlin) zu Wort. Der Propst Horst Gorski (Hamburg-Altona) sieht in «gelebter Homosexualität» keine Sünde. Er schließt hierbei auch sexuelle Praktiken ein. Unter Berufung auf den «Kern» des Neuen Testaments, Jesus Christus, urteilt er: «Wer seine Beziehung - gleich, ob homo- oder heterosexuell - auf der Liebe aufbaut, befindet sich in Gottes Nähe.»

Verurteilungen homosexueller Verhaltensweisen in der Bibel müssen nach Meinung Gorskis als zeitbedingte Aussagen verstanden werden. Er verweist dazu auf die Bibelauslegung nach der so genannten historisch-kritischen Methode und ihre Erkenntnis, «dass die biblischen Schriften nicht vom Himmel gefallen sind, sondern von Menschen geschrieben wurden».

Die Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (Reichelsheim/Hessen), Christl Ruth Vonholdt, konstatiert, dass homosexuelles Verhalten im Judentum und in Christentum immer als Sünde angesehen wurde, als «Zielverfehlung» in Bezug auf die Schöpfungsbestimmung des Menschen als Mann und Frau. «Wir mögen heterosexuelle, homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle oder andere sexuelle Neigungen, Wünsche, Erfahrungen oder Sehnüchte haben - unsere von Gott geschaffene Geschlechtlichkeit sagt uns aber, dass wir hingeordnet sein sollen auf das, was wir selbst nicht sind: das andere Geschlecht», schreibt sie.

Sie sieht in dem subjektiven Empfinden Homosexueller, dass ihre Neigung für sie das Natürliche ist, keinen Maßstab für das Gute, es bedeute nicht, bemerkt sie, dass das als natürlich Empfundene auch gut für sie sei. Die Institutsleiterin verweist auch darauf, dass erst neuerdings «das gesellschaftstheoretische Konzept einer von unserer geschlechtlichen Identität als Frau oder Mann losgelösten Sexualität» entstanden ist - «als wäre sie frei schwebend und wir könnten damit tun, was wir wollten, zum Beispiel neue Identitäten erfinden: Homosexuelle, Bisexuelle, Transsexuelle und andere».

Der Lutherische Weltbund (LWB) konnte sich auf seiner jüngsten Vollversammlung (Winnipeg/Kanada) nicht auf eine gemeinsame Position einigen. Delegierte aus Westeuropa wie die deutsche Bischöfin Maria Jepsen forderten eine kirchliche Anerkennung homosexueller Paare. Zahlreiche Delegierte aus Afrika waren dagegen. In ihrer gemeinsamen Erklärung wandten sich die Mitgliedskirchen des LWB nur allgemein gegen jede Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Wie der katholische Moraltheologe Johannes Reiter (Universität Mainz) erläutert, stützt sich die offizielle Lehrmeinung der katholischen Kirche über homosexuelle Handlungen, die «in sich nicht in Ordnung sind», sowohl auf die Bibel als auch auf das Naturgesetz.

Nach den anthropologischen, philosophischen und schöpfungsethischen Überlegungen des kirchlichen Lehramts wohnt der Sexualität ein doppelter Zweck inne - nämlich, so Reiter, «die Schenkung gegenseitiger komplementär-personaler Liebe und das Fruchtbarwerden dieser Liebe in der Zeugung neuen Lebens». Letzteres sei homosexuellen Menschen nicht möglich und Ersteres sei nur in unvollständiger Weise realisierbar, weil homosexuellen Beziehungen die Voraussetzung für die volle Sinnhaftigkeit zweigeschlechtlicher personaler Liebe mit gegenseitiger Ergänzung fehle. Bei alle dem wird in katholischen Verlautbarungen Achtung und Takt gegenüber homosexuell Veranlagten gefordert.

Im Zusammenhang mit dem neuen Dokument über den Zugang Homosexueller zum Priesteramt ist auch daran erinnert worden, dass der Vatikan alle 229 Priesterseminare in den USA auf Homosexuelle überprüft. Bischof Edwin O'Brien sprach sich dagegen aus, homosexuell aktive junge Männer in die Seminare aufzunehmen. In der amerikanischen Kirche wurden vor einiger Zeit viele Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester bekannt. Papst Johannes Paul II. war damals energisch gegen solchen Missbrauch eingeschritten.