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Iran und Israel: Scharfe Reaktion aus Teheran nach Rede von Netanjahu

Uhr | Aktualisiert 28.01.2013 15:14 Uhr
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. (FOTO: DPA) 
Nach dem dramatischen Auftritt von Israels Regierungschefs Benjamin Netanjahu vor der UN-Vollversammlung hat Teheran mit massiver Vergeltung für den Fall eines Angriffs auf den Iran gedroht.
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New York/AFP. 

Sein Land sei „stark genug, sich selbst zu verteidigen“, sagte der iranische Vize-UN-Botschafter Eshagh al-Habib am Donnerstag. Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland erklärten, im Atomstreit bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

Al-Habib sagte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, der Iran behalte sich das Recht vor, „mit voller Kraft jede Art von Angriff zu vergelten“. Er dementierte erneut, dass sein Land ein Atomwaffen-Programm besitze. Die Vorwürfe Israels und anderer westlicher Staaten seien „schamlos und heuchlerisch“, sagte er vor der Vollversammlung unter Verweis auf die nie offiziell bestätigten Atomwaffen Israels.

Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Netanjahu in seiner Rede in New York verlangt, dem Iran eine „rote Linie“ für sein Atomprogramm zu setzen. Er verdeutlichte dies, indem er mit einem roten Filzstift eine dicke Linie am oberen Ende der Zeichnung einer Bombe zog. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms nach Nuklearwaffen zu streben. Israel fürchtet die Aussicht auf einen nuklear bewaffneten Iran besonders und erwägt einen Militärangriff auf iranische Atomanlagen.

Am Rande der UN-Generaldebatte trafen sich am Donnerstag die fünf UN-Vetomächte und Deutschland, um über den Atomstreit zu beraten. An dem Treffen nahmen Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und seine Kollegen aus den USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien teil. Die 5+1-Gruppe forderte den Iran auf, Zweifel über sein umstrittenes Atomprogramm auszuräumen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton berichtete bei den Treffen von ihren jüngsten Gesprächen mit dem iranischen Atomunterhändler Said Dschalili. Sie bemüht sich als Unterhändlerin der 5+1-Gruppe darum, die stockenden Atomverhandlungen mit der iranischen Regierung voranzubringen und will nun nach eigenen Angaben umgehend wieder mit dem Iran Kontakt aufzunehmen, um den Prozess fortzusetzen.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, die 5+1-Gruppe sei in ihrer Haltung gegenüber dem Iran „vereint“. Auch ein ranghoher Mitarbeiter von US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte nach dem Treffen, dass sich die Gruppe einig sei, dass der Iran keine Atomwaffen erhalten dürfe. Wie aus deutschen Delegationskreisen verlautete, vereinbarten die Teilnehmer, weiter und „mit größerer Intensität“ an einer diplomatischen Lösung zu arbeiten. Die Außenminister hätten sich besorgt gezeigt, dass es in den Verhandlungen mit Teheran noch keine „substanziellen Fortschritte“ gebe.

Westerwelle erklärte nach der Rede Netanjahus, dass Deutschland die „große Sorge Israels“ teile. Der Iran stehe in der Pflicht, die „Zweifel an den friedlichen Absichten“ seine Atomprogramms auszuräumen. „Wir wollen eine diplomatische Lösung. Sie ist noch möglich“, sagte der Außenminister. Ein „Spielen auf Zeit“ dürfe es aber nicht geben. Clinton traf ihrerseits mit Netanjahu nach dessen Rede in New York zusammen. Die beiden Politiker hätten dabei bekräftigt, „dass die USA und Israel das Ziel teilen, den Iran vom Erwerb einer Atomwaffe abzuhalten“, sagte anschließend ein ranghoher US-Diplomat.

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