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Interview mit Klimaforscher Mojib Latif: "Starke Stürme nehmen zu"

Mojib Latif

Professor Mojib Latif ist Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar) und Autor. Sein Buch "Globale Erwärmung" ist 2012 bei UTB erschienen.

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dpa

Berlin/MZ. -

Am Montag, den 11. November 2012 treffen sich fast 200 Staaten in Polen zum 19. Weltklimagipfel. Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif hat kaum Hoffnung, dass die Länder sich bei diesem Treffen auf gemeinsame Ziele im Kampf gegen die Klimaerwärmung einigen können. Mit Mojib Latif sprach Kerstin Krupp.

Herr Latif, laut dem jüngsten Weltklimareport ist es wahrscheinlich, dass Windgeschwindigkeit und Regenmenge tropischer Wirbelstürme zunehmen werden. Ist der aktuelle Sturm Folge des Klimawandels?

Latif: Einzelereignisse können sie natürlich nicht auf den Klimawandel zurückführen. Aber es passt ins Bild und zu dem, was der Weltklimarat sagt. Ein Beweis ist es aber nicht.

Treten solche Stürme häufiger auf oder haben wir nur das Gefühl, weil wir besser informiert sind?

Latif: Diese Stürme treten nicht häufiger auf. Der Weltklimarat sagt übrigens auch, dass sich wahrscheinlich die Zahl der tropischen Stürme nicht erhöhen, sondern reduzieren wird. Allerdings werden die ganz starken Stürme zunehmen.

Kann man die Menschen in den betroffenen Regionen durch bessere Vorwarnzeiten schützen?

Latif: Die Vorwarnzeiten von ein paar Tagen sind schon gut. Aber sie dürfen nicht vergessen, wie es auf den Philippinen aussieht. In Florida, wo es ebenfalls häufig zu tropischen Wirbelstürmen kommt, finden die Menschen Schutzräume oder Häuser mit Kellern. Auf den Philippinen haben die Menschen das meist nicht und sind dem Sturm machtlos ausgeliefert.

Der Taifun hat sich kurz vor Beginn der  Weltklimakonferenz ereignet, die heute  in Warschau beginnt. Erhöhen die Bilder aus Südostasien den Druck für eine Einigung?

Latif: Ich fürchte nicht. Das ist jetzt die Konferenz Nummer 19. Und was ist passiert? Der weltweite CO2-Ausstoß ist explodiert. Natürlich wird man sich jetzt wieder in Wortakrobatik üben und die Dringlichkeit des Klimaproblems hervorheben. Aber am Ende des Tages wird wieder Nichts passieren.

Vielleicht sind solche Konferenzen nicht das richtige Instrument?

Latif: Es ist möglich, Lösungen zu finden. Beim Ozonloch haben wir auch in den Abgrund geschaut und dann ging es. Oder nehmen Sie den sauren Regen. Warum lebt der Wald? Weil wir reagiert, Rauchgasentschwefelung und Katalysatoren eingeführt haben. Das Problem sind die zwei Blöcke: Die Industrienationen wie die USA und die aufstrebenden Ländern wie China auf der anderen Seite blockieren sich.  Jeder fürchtet wirtschaftliche Verluste.

Was wäre die Alternative?

Latif: Ich glaube, es geht nur über technologische Entwicklungen. Daher wäre es wichtig gewesen, dass die Deutschen, die Energiewende couragiert vorangetrieben hätten. Das wäre für andere der Beweis , dass es funktionierende Alternativen gibt.