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Gregor Gysi: Wohl keine Doppelspitze in der Linkspartei

28.12.2012 19:19 Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 19:50 Uhr
Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke im Bundestag, wird voraussichtlich alleiniger Kandidat. (FOTO: DPA) 
Von MARKUS DECKER
Neben dem Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi wird voraussichtlich niemand um die Spitzenkandidatur antreten.
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Berlin/MZ. 

Katja Kipping hat in diesen Tagen einige Interviews gegeben. Dabei sagte die Vorsitzende der Linkspartei unter anderem, dass sie mit Rücksicht auf ihre einjährige Tochter auf Termine nach 16 Uhr verzichte und darum 90 Prozent aller Anfragen absage.

Politisch interessant waren Kippings Ausführungen zur Spitzenkandidatur. Dabei stellte die 34-Jährige fest, dass wohl keine Urwahl zur Bestimmung der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 stattfinden werde. Stattdessen kündigte sie eine Entscheidung für die Zeit nach dem 20. Januar an, dem Tag der Niedersachsen-Wahl. "Gemeinsam und kooperativ" werde diese fallen, so Kipping. Damit ließ sie durchblicken, was im Karl-Liebknecht-Haus schon seit längerem gemunkelt wird: dass nämlich neben dem Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi keine Spitzenkandidatin antreten wird. Gysis Stellvertreterin Sahra Wagenknecht, so sieht es aus, ist aus dem Rennen. Für sie wäre ein gemeinsames und kooperatives Votum ausgeschlossen.

Um Gysi herum dürfte nun ein Team gebildet werden, in dem sich die unterschiedlichen Flügel wiederfinden. So ließe sich Krach wohl vermeiden. Sachsen-Anhalts Landesvorsitzende Birke Bull hat sich bereits vor einigen Wochen für eine solche Lösung stark gemacht.

Partei-Insider weisen zwar darauf hin, dass das Thema Spitzenkandidatur weit überschätzt werde. Denn die Linke ist, neben den Piraten, die einzige Partei mit Aussicht auf einen (Wieder-)Einzug in den Bundestag, der jede Machtperspektive fehlt. Ein linker Spitzenkandidat wird weder Kanzler noch Minister. Er wird höchstens Fraktionschef. So gesehen erscheint es nicht so ganz wichtig, wer es macht.

Manche würden Wagenknecht allerdings gern als gleichberechtigte Fraktionschefin neben Gysi sehen. Doch das wollen die Ostreformer nicht. Es geht also nicht um die Wahl, sondern um die Zeit und die Machtkämpfe danach. Dass die Entscheidung nicht bereits vor Niedersachsen fällt, ist wiederum darauf zurückzuführen, dass man dem dortigen Landesverband eine Restchance auf Wiedereinzug in den Landtag lassen will. Aktuell liegt die Niedersachsen-Linke in den Umfragen bei vier Prozent. Die Chance ist mithin minimal, aber sie ist noch nicht gleich null.

Ein führender Vertreter der Bundestagsfraktion erklärte am Freitag der MZ: "Gysi ist Spitzenkandidat. Er ist unumstritten. Eine unumstrittene Spitzenkandidatin gibt es nicht." Insofern existiere zur Bildung eines Teams um Gysi gar keine Alternative.

Die Alternative wäre, theoretisch, Kipping gewesen. Sie jedoch ist, so hört man, Wagenknecht und ihren Anhängern nicht recht - aus machtpolitisch nachvollziehbaren Gründen. Und ob man einen Bundestagswahlkampf nur bis jeweils 16 Uhr führen kann, das ist ohnehin sehr die Frage.