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Gala: Brückenschlag für Nahost

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 23:27 Uhr
Daniel Barenboim (l.) und die Journalistin Marietta Slomka auf der Gala "Europa schlägt Brücken im Nahen Osten". (FOTO: DPA) 
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Auf einer festlichen Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen hat am Sonntagabend Bundespräsident Joachim Gauck für das internationale Ausbildungsprogramm „European Studies“ des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, geworben.
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Köln/Düsseldorf/MZ. 

Es sei eine großartige Idee, junge Menschen aus Israel, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten in Deutschland zusammenzubringen, sagte Gauck. „Verständigung wird so lebendig und konkret, wie man es sich nur wünschen kann.“

Neben Gauck und seiner Partnerin Daniela Schadt war die niederländische Königin Beatrix als Schirmherrin des 2009 gegründeten trilateralen Studiengangs Ehrengast des Abends. Die Schirmherrschaft der Gala mit 450 Teilnehmern hatten Alfred Neven DuMont, Verleger und Herausgeber von Kölner Stadt-Anzeiger und Mitteldeutscher Zeitung, und seine Frau Hedwig übernommen. Musikalisch gestaltet wurde der Abend vom Starpianisten und Dirigenten Daniel Barenboim. Moderatorin war Marietta Slomka (ZDF heute-journal).

Mit Blick auf den Prozess der europäischen Einigung als Modell und Vorbild für eine mögliche Entwicklung in der Region des Nahen Ostens sagte Gauck, das Lernen aus der Geschichte sei nichts Schematisches. „Lernen aus der Geschichte heißt, aus Früherem und Fremdem Kraft und Inspiration für das Eigene zu gewinnen.“ Jede Generation müsse sich neu üben im Brückenbau. „Wir brauchen den Mut der Einzelnen, um später den Mut einer ganzen Gesellschaft zu beflügeln“, so der Bundespräsident, der an diesen Gedanken einen besonderen herzlichen Dank für Primors Engagement anschloss. „Wo wäre das alles, wenn wir Sie nicht hätten?“ Primor seinerseits nannte Gauck einen „Bannerträger der Menschenrechte und des Humanismus“.

An dem Masterstudiengang „European Studies“ können angehende Akademiker der Al-Quds-Universität (Ost-Jerusalem), der privaten Universität Herzliya (Tel Aviv) und der Royal Scientific Society (Amman) teilnehmen. Ziel ist es, einer künftigen Führungselite Palästinas, Israels und Jordaniens fundiertes Wissen über europäische Angelegenheiten zu vermitteln und zugleich ein Netz persönlicher Kontakte aufzubauen. „Das ist die Zukunft: Menschen, die einander kennen und vertrauen, statt sich zu verteufeln“, so Primor als Initiator des Projekts.

Alfred Neven DuMont zitierte in seinem Grußwort den israelischen Schriftsteller und Friedenspreisträger David Grossman: „Wenn ich meinen Gegner nicht beseitigen kann, umarme ich ihn.“ Nach Neven DuMonts Worten ist es zwischen den Völkern des Nahens Ostens „bis hin zur Umarmung noch ein langer Weg“. Der Weg der Konfrontation müsse aber nicht nur menschlich-emotional, sondern auch nach jeder Logik auf lange Sicht in die Irre führen, mahnte er.

Der Dialog für gemeinsames Leben und Lernen bringe die Jugend der Gegner zusammen, lobte Neven DuMont. Dies sei ein wahrer Brückenschlag zwischen den Ländern des Nahen Ostens und Deutschland, wo jährlich 30 Stipendiaten den zweiten Teil ihrer Ausbildung verbringen. „Wir brauchen einen politischen Frieden im Nahen Osten. Aber wenn es so weit ist, müssen die Menschen und muss vor allem die Jugend an diesen Frieden glauben, um ihn aufrechterhalten zu können“, so Primor. Die Lehrpläne sind für alle Studenten gleich, die Dozenten pendeln zwischen den Standorten. Primor ist stolz darauf, dass die Vorlesungen an der Al-Quds-Universität mit israelischen Lehrkräften trotz der aufgewühlten Lage während der jüngsten Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern stattfanden. „Die Verantwortlichen an der Universität wissen, was sie an unserem Projekt haben.“

Nach dem zertifizierten Abschluss vom „Center für European Studies“ können sich die Absolventen um ein Stipendium für das anschließende Masterprogramm an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf bewerben. Das auf Englisch abgehaltene, einjährige Spezialstudium beinhaltet Themen der europäischen Integration.

Die Universität trägt die Kosten für den Studienbetrieb. Fördergelder kommen vom Land NRW und von privaten Geldgebern. Dazu zählen die Alfred Neven DuMont-Stiftung sowie die Stiftungen von Deutscher Bank und VW.