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Fragen an Todenhöfer: „Man muss den Krieg ächten“

Jürgen Todenhöfer

Jürgen Todenhöfer

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dpa

Herr Todenhöfer, warum haben Sie das gemacht?

Jürgen Todenhöfer: „Ich will eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen, darüber, ob Deutschland, wie Gauck fordert, sich häufiger an Kriegen beteiligen soll oder ob wir eher versuchen sollten, in Konflikten ehrlicher Makler zu sein. Deutschland ist in einer blendenden Lage. Wir sind wirtschaftlich stark und laut BBC das beliebteste Land der Welt. Auch wegen unserer Friedfertigkeit. Gauck setzt diesen guten deutschen Ruf aufs Spiel. Auch humanitäre Kriege, für die er offenbar plädiert, haben zur Folge, dass 90 Prozent der Opfer Zivilisten, Frauen und Kinder sind. Darauf will ich hinweisen.

Musste es direkt der Vorschlaghammer sein?

Todenhöfer: „In unserer Zeit, in der die meisten Menschen den Krieg nicht mehr persönlich erfahren haben , muss man für den Frieden sehr laut werben. Manchmal auch provokant. Vor den letzten zwei Weltkriegen waren die Friedens-Anhänger viel zu leise.  Ich will die ' Schlafwandler' der heutigen Politik wecken. Ich weiß, dass ich in der Friedens-Frage die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hinter mir habe. Gauck repräsentiert hier nicht die Haltung der Deutschen. Und er repräsentiert damit auch nicht unsere Verfassung. Das finde ich dramatisch. Das deutsche Grundgesetz erlaubt nur den Verteidigungskrieg und über den UN-Sicherheitsrat legitimierte Aktionen. Angriffskriege sind verfassungswidrig.

Seit ich Kriege und ihr unglaubliches Leid miterlebe, überlege ich, wie man Kriege verhindern kann. Mein Ergebnis ist, dass die einzige Erfolg versprechende Methode darin besteht, den Menschen zu zeigen, dass es keine anständigen Kriege gibt und nie geben wird. Man muss den Krieg ächten. Gauck macht das Gegenteil. Ich will, dass es darüber eine heftige Diskussion gibt. Die Fotomontage ist eine Satire, eine bewusste Überzeichnung. Gauck ist selbstverständlich kein Terrorist. Aber er macht den Krieg salonfähig. Das ist schlimm und überhaupt nicht christlich. Deutschland war schon an viel zu vielen Kriegen beteiligt, wir haben da keinen Nachholbedarf.“