Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt
Mitteldeutsche Zeitung | Drohnen in Sachsen-Anhalt: Die fliegenden Augen
08. January 2016
http://www.mz-web.de/23463912
©

Drohnen in Sachsen-Anhalt: Die fliegenden Augen

Vermessung des Schlossbergs: Daniel Stiers Luftbilder sind auch für Geologen und Archäologen zur Arbeitsgrundlage geworden.

Vermessung des Schlossbergs: Daniel Stiers Luftbilder sind auch für Geologen und Archäologen zur Arbeitsgrundlage geworden.

Foto:

Jürgen Meusel

In Quedlinburg war’s doch am schönsten. Dort oben, auf dem Schlossberg, wo die Türme der Stiftskirche in den Himmel zeigen, warf Daniel Stier am liebsten den Helikopter-Motor an. Wenn der Ingenieur für jeden Drohnenstart im Land ein Kreuz auf die Landkarte machen würde - es wären sehr, sehr viele Kreuze. „Aber Quedlinburg, das hatte was.“ Also ließ Stier das fliegende Auge aufsteigen - zum Drohnenflug über den Welterbe-Schlossberg.

Stier, der Steuermann

Vor sechs Jahren gründete er ein Ingenieursbüro, sein Geld verdient er heute mit der Vermessung der Welt: Er arbeitet an archäologischen Ausgrabungsstätten, alten Baudenkmälern und Landschaften, auf denen demnächst Investoren bauen - also dort, wo großflächig, aber präzise gemessen werden soll.

MZ macht Luftbilder mit Drohnen
Halle (Saale), 18.12.2015: Die Mitteldeutsche Zeitung fotografiert und filmt ab sofort auch mit Drohnen aus der Luft. Für die Leser ergeben sich dadurch völlig neue Perspektiven.

Ohne Drohne - nicht möglich. „Zumindest nicht in der Qualität, die wir heute erreicht haben“, sagt Stier. Denn für die 3D-Karten, die er innerhalb von Tagen anfertigen kann, benötigt er seinen Flugroboter, der auf den Namen „Air-Robot“ hört. Lage- und Höhenpläne fertigt der Ingenieur mit Hilfe der Bildaufnahmen aus dem Quadrocopter - ein Flieger mit vier Rotoren, der auch in windigen Höhen von 80 Metern die Kamera stillhält. Er könnte auch 100 Meter und höher steigen - dies verbietet jedoch das Gesetz. „Der Einsatz der Drohnen ist ein gewaltiger Schritt nach vorn für Geologen und alle Experten, die mit großflächigen Landschaften arbeiten.“ Flugzeuge und Hubschrauber können am Boden bleiben.

Erschwingliche Preise fördert Nutzung

Seit anderthalb Jahren hat der Ingenieur eine Zulassung für seine Flugdrohne - damit ist er einer von rund 200 Unternehmern in Sachsen-Anhalt, die Flugobjekte gewerblich nutzen. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Geräte sind in den vergangenen Jahren erschwinglich geworden und bereits für wenige Hundert Euro zu haben. Und die bürokratischen Hürden für Piloten sind niedrig - abgesehen von der nötigen Versicherung und der Aufstiegserlaubnis des Landes.
Weil immer mehr Unternehmer und Sportflieger das mitbekommen haben, wird im Bundes-Verkehrsministerium an einer Gesetzesnovelle gearbeitet. Denn Ressort-Chef Alexander Dobrindt (CSU) fürchtet, dass der Himmel bald voller Drohnen hängt - und die Flugsicherheit auf lange Sicht gefährdet ist. Unter anderem will der Minister erreichen, dass gewerblich fliegende Drohnenpiloten künftig eine Führerscheinprüfung bestehen müssen - und Kenntnisse im Flugrecht nachweisen.

Seit Stier, der Ingenieur aus Bad Suderode bei Quedlinburg, seine Drohnenzulassung besitzt, gehören Luftbilder für Immobilien-Makler zu seinem Portfolio. Sein bisher prestigeträchtigstes Projekt vermittelte ihm die Tourismus GmbH in Quedlinburg. Die wünschte sich präzise Luftaufnahmen vom Schlossberg - Stier bastelte am Computer aus rund 300 Luftbildern ein maßstabgetreues 3D-Modell des Welterbe-Ensembles. „Für solche großen Projekte ist es von Vorteil, dass man den Flugkurs der Drohnen programmieren kann“, sagt Stier. Bahn für Bahn über die Stiftskirche, alles im Automatikflug.

Das fliegende Auge boomt

Einfache Bedienung, günstige Anschaffung, kaum Flugerfahrung nötig: Das Geschäft mit den fliegenden Augen boomt. In Sachsen-Anhalt gibt es Montage-Firmen, die Drohnen künftig Hauswände hinaufsteigen lassen, um per Kamera Dämmungen und Isolierungen zu überprüfen. Dazu gehört das Köthener Unternehmen Citycom, das mit Elektroanlagen und Telefonbau sein Geld verdient. Hinzu kommen dutzende Profi-Fotografen und Filmteams, die sich beim Landesverwaltungsamt Aufstiegs-Erlaubnisse eingeholten haben.

Richtfest am Hallmarkt in Halle
Halle (Saale), 21.05.2015: Neubau am Hallmarkt in Halle: Am Donnerstag wird auf der Baustelle des neuen Finanzamtes in Halle Richtfest gefeiert. Im Frühjahr 2016 sollen die Finanzbeamten den 33 Millionen Euro teuren Komplex beziehen.

Und es gibt bereits Firmen, die sich auf die Vermietung der Flugroboter spezialisieren. Die ANG „Punkt & Gut“ Gbr in Magdeburg, die sich als Dienstleister versteht, besitzt eine Schwadron aus etwa einem Dutzend Flugrobotern, die auf Wunsch des Kunden angeliefert werden. „Entweder fliegen wir selbst oder lassen im Optimalfall den Kunden steuern“, sagt Chefentwickler Thomas Steffen. „Die Kunden buchen uns zum Beispiel dann, wenn sie Schäden an ihrem Dach befürchten oder Überblicks-aufnahmen ihrer Häuser oder Immobilien brauchen.“ Der Richtpreis liegt bei etwa 100 Euro in der Stunde, sagt Steffen.

Drohnen als Überwachungskameras

Und die Fantasie in der Firma geht weiter: Schon heute denkt Steffen darüber nach, Drohnen im Bereich des Objektschutzes einzusetzen - statt Überwachungskameras. „Der Vorteil wäre, dass sehr große Areale überwacht werden könnten - und die Drohnen beweglich sind“, sagt Steffen. Theoretisch sei eine Drohnenüberwachung - etwa auf großen Firmengeländen - bereits denkbar, allerdings nur bei gutem Wetter und nur zeitlich begrenzt. „Die Flugzeit und die Wetter-Resistenz sind die technischen Knackpunkte der aktuellen Drohnenmodelle“, sagt Steffen. „Die meisten Modelle fliegen lediglich 20 Minuten. Und bei Sturm und Regen sind sie überhaupt nicht benutzbar.“ In der Magdeburger Firma werde geplant, dass der Objektschutz in den kommenden zwei Jahren per Flugdrohne möglich ist.
Die Vision: Fliegende Augen statt bellender Wachhunde. Minister Dobrindt meint es hingegen ernst mit seiner Verschärfung der Drohnen-Flugregeln. Auch auf ihn richten sich nun viele Augen. (mz)

Auf der nächsten Seite haben wir Drohnenvideos der MZ für Sie zusammengestellt.

Drohnenvideos der MZ:

Ferropolis von Oben
Gräfenhainichen, 26. September 2015: Der neue Backstage-Trakt in Ferropolis wird Mitte Oktober offiziell eingeweiht. Die Handwerker müssen noch die letzten Arbeiten erledigen. Die ersten Stars konnten die Räume trotzdem schon im Sommer nutzen. Wir haben die Halbinsel aus der Luft gefilmt.
Richtfest am Hallmarkt in Halle
Halle (Saale), 21.05.2015: Neubau am Hallmarkt in Halle: Am Donnerstag wird auf der Baustelle des neuen Finanzamtes in Halle Richtfest gefeiert. Im Frühjahr 2016 sollen die Finanzbeamten den 33 Millionen Euro teuren Komplex beziehen.
Ferropolis von Oben
Gräfenhainichen, 26. September 2015: Der neue Backstage-Trakt in Ferropolis wird Mitte Oktober offiziell eingeweiht. Die Handwerker müssen noch die letzten Arbeiten erledigen. Die ersten Stars konnten die Räume trotzdem schon im Sommer nutzen. Wir haben die Halbinsel aus der Luft gefilmt.
Lebensträume im Kornspeicher Wittenberg
Eigentlich wollte Ingo Weise den 37 Meter hohen Kornspeicher in Wittenberg gar nicht haben. Nun lebt der 52-Jährige in einem außergewöhnlichen Gebäude.
Wohnen in einem alten Bahnhof
Globig, 7. September 2015: Einst hielten dort Züge, jetzt kommt dort nur noch selten jemand vorbei. Familie Anton-Scharapenko lebt seit Jahren in Globig im Landkreis Wittenberg in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude - und fühlt sich sehr wohl.
Wohnen in der Kirche in Warmsdorf
Warmsleben, 30.08.2015: Wohnen in einer Windmühle, einem Solarhaus oder auf dem Hausboot? Die MZ stellt außergewöhnliche Wohnorte und die Menschen, die darin leben, vor. Heute: Familie Gerner, die in einer Kirche wohnt.
nächste Seite Seite 1 von 2