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Die Linke: Suche nach Spitzenkandidaten geht weiter

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 20:20 Uhr

Linksfraktionschef Gregor Gysi (ARCHIVFOTO: DAPD)

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Die Elgersburger Runde blieb ohne Ergebnis. Fraktionschef Gregor Gysi ist als Spitzenkandidat gesetzt - wenngleich auch seine Anhänger finden, die beste Zeit des 64-Jährigen neige sich langsam dem Ende zu.
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Berlin/MZ. 

Bernd Riexinger spielte, was bei Parteiführern nach Gremiensitzungen selten vorkommt, mit offenen Karten. Die Linke sei angesichts vorangegangener Personaldebatten "ein gebranntes Kind", sagte der Vorsitzende der Linkspartei mit Blick auf die Nominierung des oder der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013. Seine Co-Vorsitzende Katja Kipping sekundierte, viele Teilnehmer der Elgersburger Runde hätten das Thema Spitzenkandidatur nicht debattieren wollen - aus Sorge, Details könnten an die Öffentlichkeit gelangen.

Gysi ist gesetzt

Darum ist nach dem Treffen des geschäftsführenden Parteivorstandes mit Vertretern der Länder im thüringischen Elgersburg auf den ersten Blick alles beim Alten: Die Linke steht - noch - ohne Spitzenkandidaten da. Riexinger und Kipping sollen einen Vorschlag unterbreiten und werden dies, wie sie am Montag andeuteten, womöglich noch vor der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar tun. Womöglich aber auch erst nach der Wahl.

Fraktionschef Gregor Gysi ist als Spitzenkandidat gesetzt - wenngleich auch seine Anhänger finden, die beste Zeit des 64-Jährigen neige sich langsam dem Ende zu. Eine Nominierung der stellvertretenden Partei- und Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht wird von Gysi und seinem Umfeld blockiert mit der Begründung, sie sei innerparteilich zu umstritten und bei den Wählern keineswegs durchweg beliebt. Ein Indiz dafür seien ihre mittelmäßigen Wahlergebnisse. Ambitioniert, doch ebenso umstritten ist Fraktionsvize Dietmar Bartsch. Eine Möglichkeit besteht noch darin, dem alten Gysi die junge Kipping an die Seite zu stellen. Doch auch das sähe das Gysi-Lager nicht so gern.

In der Parteispitze hieß es am Montag, die Frage der Spitzenkandidatur werde bei der Linken überschätzt. Tatsächlich ist sie von jedweder Regierungsbeteiligung sehr weit entfernt. Für die Zeit nach der Wahl spielt die Entscheidung freilich sehr wohl eine Rolle. Denn würde etwa Wagenknecht mit Gysi ein Duo bilden, dann würde sie daraus wohl den Anspruch ableiten, ein solches Duo später auch an der Spitze der Fraktion zu etablieren. Doch Gysi und Freunde wollen das noch viel weniger. Eine Spitzenkandidatin Wagenknecht, sagen sie, "das wird es nicht geben". Wollten ihre Anhänger sie durchsetzen, stünde der Linken ein neuer großer Streit ins Haus. Der Streit könnte sie den Wiedereinzug in den Bundestag kosten.

Bull will ein Team

Sachsen-Anhalts Linksparteichefin Birke Bull sagte der MZ denn auch: "Ich kenne den Vorschlag, um Gregor Gysi ein Team zu bilden. Damit kann ich mich gut anfreunden. Gysi kann Leute begeistern. Für zwei Spitzenkandidaten sehe ich keine Notwendigkeit."