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Deutschland: Asylbewerber-Zahl stieg 2012 um über 40 Prozent

Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 19:32 Uhr

Die Kinder im Asylbewerberheim Zeitz freuten sich Weihnachten 2012 riesig über Geschenke. Die Anzahl der Asylsuchenden hat in Deutschland stark zugenommen. (ARCHIVFOTO: HARTMUT KRIMMER)

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. 2012 wurden beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 64.539 Erstanträge auf Asyl gestellt - 41 Prozent mehr als im Vorjahr.
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Berlin/AFP. 

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. 2012 wurden beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 64.539 Erstanträge auf Asyl gestellt - 41 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. Hauptherkunftsländer der Asylsuchenden waren demnach Serbien, Afghanistan, Syrien und der Irak.

Die Zahl der Asylanträge stieg damit um 18.798 im Vergleich zum Vorjahr, als es 45.741 Erstanträge gegeben hatte. Hinzu kamen im vergangenen Jahr 13.112 Folgeanträge auf Asyl, so dass 2012 insgesamt 77.651 Asylanträge gezählt wurden - 24.304 mehr als 2011. Trotz des starken Zuwachses liegt die Zahl 2012 immer noch deutlich unter den Spitzenwerten der 1990er Jahre, als pro Jahr über 100.000 Asylbewerber nach Deutschland kamen.

Laut Innenministerium kam 2012 rund ein Drittel aller Asylbewerber aus einem Nachfolgestaat des ehemaligen Jugoslawien. So stieg die Zahl der Antragsteller aus Serbien um gut 85 Prozent auf 8477. Die Zahl der Bewerber aus Mazedonien nahm um mehr als 300 Prozent auf 4546 zu, die der Antragsteller aus Bosnien-Herzegowina um gut 530 Prozent auf 2025. Dem Ministerium zufolge konnte in diesen Fällen eine „asylrelevante Verfolgung“ nicht festgestellt werden, „so dass offenbar asylfremde Motive für die Asylbeantragung maßgeblich waren“.

Anzahl der Asylanträge in Deutschland (Erstanträge) | Infographics

Zweites Hauptherkunftsland nach Serbien war 2012 Afghanistan mit 7498 Erstanträgen, gefolgt von Syrien mit 6201 Anträgen (plus 135 Prozent) und dem Irak mit 5352 Anträgen (minus acht Prozent). Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärte dazu, insbesondere die Zunahme der Asylanträge von Syrern sei angesichts des Bürgerkriegs in dem Land zu erwarten gewesen. „Mit einer hohen Schutzquote und einem Abschiebestopp der Bundesländer wird Deutschland hier seinen humanitären Verpflichtungen ebenso gerecht wie mit der finanziellen Hilfe vor Ort.“

Als „in dieser Form nicht vorhersehbar“ bezeichnete der Minister dagegen den deutlichen Anstieg von Asylbewerbern aus den Staaten des Westbalkans, in denen in der Regel keine politische Verfolgung stattfinde. „Insbesondere durch die vorrangige und zügige Bearbeitung der Erstanträge aus den Herkunftsländern Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina konnte dieser Trend vorerst gestoppt werden.“ So habe sich im vergangenen November und Dezember die Zahl der neuen Anträge aus diesen Staaten deutlich verringert.

„Wir werden auch künftig entschlossen gegen den Missbrauch unseres Asylsystems vorgehen, damit diejenigen, die tatsächlich schutzbedürftig sind, bei uns auch Schutz bekommen können“, betonte Friedrich. Die Anerkennungsquote bei Bewerbern aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina lag dem Ministerium zufolge 2012 bei null Prozent. Insgesamt erhielten 8764 Asylsuchende die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Konvention - das waren 14,2 Prozent aller Asylbewerber.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte angesichts der aktuellen Asylbewerberzahlen höhere Aufnahmekapazitäten in Deutschland. „Nicht die Zahl ist dramatisch, sondern die Situation der Schutzsuchenden“, erklärte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt in Frankfurt am Main. Deutschland habe nach dem Rückgang der Asylbewerberzahlen von 1995 bis zum Wiederanstieg im Jahr 2008 kontinuierlich Aufnahmekapazitäten abgebaut.

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