Vorlesen

Der Sinn des Knöllchens: Geldsegen oder Verkehrssicherheit?

Uhr
Drucken per Mail
Von
Sie sind ein Ärgernis für viele Autofahrer: Knöllchen. Doch nicht nur „normale“ Bürger sind genervt - auch Berliner Polizisten mögen die Zettel unterm Scheibenwischer gar nicht.
Berlin/dpa. 

Falschparker, Raser und Über-Rot-Fahrer bringen Berlins Bezirken Einnahmen in Millionenhöhe. Allein der Bezirk Pankow hat jährlich etwa zwei Millionen Euro Mehreinnahmen dank Knöllchen, sagte Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU) in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Olaf Korbjuhn vom Ordnungsamt Neukölln sagte hingegen, die Verwarngelder von Falschparkern hätten sich bislang - zumindest finanziell - kaum gelohnt. Die Kosten für Mitarbeiter und Bearbeitung seien meistens höher als die Einnahmen. Doch beide sind sich einig: Es gehe gar nicht um das Geld, sondern um die Verkehrssicherheit.

„Allein die Mehreinnahmen rechtfertigen die Parküberwachung nicht. Ein positiver Effekt auf den Verkehr muss nachgewiesen werden“, sagte Kühne. „Aber die Mehreinnahmen sind natürlich ein schöner Nebeneffekt, das gebe ich zu.“

Die Parkscheinkosten in Pankow von bis zu drei Euro pro Stunde seien vergleichsweise moderat - schließlich gebe es in anderen Metropolen wie Stockholm oder London eine City-Maut. Die vom Bundesverkehrsministerium geplante Erhöhung der Verwarngelder findet Kühne sinnvoll. „Weil der ein oder andere Bürger darauf spekuliert, lieber die fünf Euro Strafe zu zahlen.“

Doch in Pankow ist das Falschparken schon jetzt teuer - und nicht erwischt werden fast unmöglich. „Wir kontrollieren alle zwei bis drei Stunden und erhöhen das Verwarngeld sukzessive auf bis zu 25 Euro.“

„Beschwerdeschreiben kommen regelmäßig, in der Regel mit mehr oder weniger kreativen Ausreden“, sagt Kühne. Manche Einwände seien aber berechtigt: „Unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen. Da passieren Fehler.“ Manchmal komme es sogar zu Handgreiflichkeiten. „Der Respekt vor der Uniform nimmt ab.“

Bis Ende November verteilten die Ordnungsämter in Berlin insgesamt fast vier Millionen Knöllchen, wie die Zeitung „B.Z.“ am Freitag berichtete. Das Land habe damit etwa 65,4 Millionen Euro eingenommen.

Jörg Becker, Leiter Verkehr beim ADAC Berlin-Brandenburg, fordert, die Parkgebühren auf 1,50 bis maximal 2 Euro zu begrenzen. „Dann wären die Relationen auch wieder hergestellt - ohne dass die Verwarngelder erhöht werden müssen.“ Beispielsweise rund um den Gendarmenmarkt zahlten Autofahrer den Berliner Spitzenwert von bis zu drei Euro in der Stunde. „Es wird überlegt, die Preise dort zu senken, dafür sollen sie ab dem 1. Januar in der City-West auf 3 Euro erhöht werden“, sagte Becker.

Oft seien die Preise dort besonders hoch, wo die Autofahrer parken, um einzukaufen oder kulturelle Angebote wahrzunehmen. „Aber besonders für Familien mit vielen Kindern und Senioren ist es wichtig, dass sie in der Nähe parken können - doch das ist für manche unbezahlbar.“

Sehr selten verteilt auch die Polizei Knöllchen an Falschparker. „Eigentlich sind wir nur für den fließenden Verkehr verantwortlich“, sagte ein Sprecher. „Wenn aber die Kollegen nachts Streife fahren und ein Auto sehen, das offensichtlich falsch geparkt ist, dann schreiben sie auch schon mal ein Knöllchen.“

Die Beamten selbst seien aber auch oft Leidtragende. „Die Parksituation hier bei uns am Präsidium, am Platz der Luftbrücke ist nicht berauschend.“ Dienstparkplätze gebe es nicht. „Da hat man ganz schön oft ein Zettelchen an der Scheibe - wir werden davon nicht verschont.“