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Bundeswehr: Atombomber bleiben im Dienst

Uhr | Aktualisiert 06.10.2010 17:12 Uhr
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Jagdbomber des Typs Tornado

Ein Jagdbomber des Typs Tornado (FOTO: DPA)

Deutsche Tornados sollen auch über das Jahr 2013 hinaus Atombomben abwerfen können. In der verklausulierten Sprache des Verteidigungsministeriums bei diesem Thema heißt es: "Die Nutzung des Waffensystems TORNADO ist über das Jahr 2020 hinaus vorgesehen."
Berlin/dapd. 

Damit weist das Ministerium den Bericht einer Zeitung vom Mittwoch zurück, in dem es hieß, die Atombomben-Tornados auf dem Fliegerhorst Cochem-Büchel sollten bis 2013 ersatzlos gestrichen werden. Die Umrüstung des Eurofighters zum Atombomber sei wegen der Sparzwänge nicht mehr möglich.

Obwohl offiziell weder bejaht noch verneint, gehen Fachleute davon aus, dass auf dem Fliegerhorst Cochem-Büchel bis zu 20 US-amerikanische Atombomben des Typs B-61 liegen. Sie sollen von den deutschen Tornado-Piloten des Jagdbomber-Geschwaders 33 bei NATO-Einsätzen abgeworfen werden. Das verbirgt sich hinter der Formulierung: "Nukleare Teilhabe" der Bundesrepublik.

Offiziell keine Atombomben in Büchel

Offiziell liegen in Cochem-Büchel keine Atombomben. Offiziell gibt es aber beim Jagdbombergeschwader 33 eine Luftwaffensicherungsstaffel S - S für Sonderwaffen. Und genauso offiziell gibt es auf dem Fliegerhorst auch 150 US-Soldaten zur Bewachung von Sonderwaffen. Ob das Atombomben sind, bleibt seit Jahren unbestätigt. Und offiziell sind die Tornados des Geschwaders nur mit den üblichen, teils lasergesteuerten, Bomben bewaffnet. Bekannt ist aber auch, dass die Tornado-Piloten regelmäßig den Abwurf von Atomwaffen trainieren. Dafür gibt es auf dem Stützpunkt auch einen Flugsimulator.

Wenn Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle den Abzug der amerikanischen Atombomben von deutschem Boden fordert, ist damit Büchel gemeint. Wenn US-Präsident Barack Obama den Einsatz von Atomwaffen einschränken will, betrifft das auch die Bomben in Büchel. Doch vom stellvertretenden Kommodore Oberstleutnant Bernhard Hey wurde vor kurzem nur bestätigt, dass der Tornado auch Waffen für die "nukleare Teilhabe" tragen kann.

Die 45 Jagdbomber in Büchel stehen nicht nur für das NATO-Atombombenprogramm. Die Bücheler sind auch im Afghanistan-Einsatz. Darüber darf man offen reden. Der Kommodore des Jagdbombergeschwaders 33, Oberst Jan Kuebart, war gerade im ISAF-Einsatz in Masar-i-Scharif. Die Flieger sind in Afghanistan nicht im Kampfeinsatz, aber sie sind trotzdem ständig bedroht: Durch Flugabwehr-Raketen, durch Panzerfäuste, die bei Start und Landung eine echte Gefahr darstellen können und auch durch Beschuss aus Sturmgewehren. Ein Teil des Luftwaffenkontingents wird jetzt abgezogen. Die Aufklärungs-Tornados werden zum nächsten planmäßigen Austauschtermin nicht mehr ersetzt.

Tornado-Modernisierung ist dringend notwendig

In Büchel starten jeden Tag 27 Tornados zu verschiedenen Trainingsmissionen: Luftkämpfe, Bombenangriffe auf befestigte Stellungen, Einsatz des neuen Marschflugkörpers, der über 300 Kilometer von seinem Ziel entfernt abgefeuert wird und seinen Weg selbst findet. Vor allem aber wird die Unterstützung von Bodentruppen geübt. Doch der Tornado ist inzwischen ein altes Waffensystem. Er wird zwar immer wieder modernisiert, aber es ist längst nicht genug Geld für alles Notwendige da.

Zum Beispiel die Modernisierung des Flugsimulators oder die Anschaffung einer modernen Datenübermittlung, damit die Flieger ihr Ziel besser und schneller finden können. "Im Einsatz geht es um Minuten, wenn unsere Boden-Truppen zum Beispiel beschossen werden. Da kann jede Minute, die wir schneller da sind, Leben retten", sagte Hey. Doch schon jetzt ächzt die Luftwaffe unter den Sparvorgaben. Da ist die Bestandsgarantie für die Tornados durch das Ministerium bis mindestens 2020, die auch für die Atombomber gilt, sicherlich beruhigend.