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Bundestagswahl: Linke bereit für Koalition mit SPD und Grünen

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Linksfraktionschef Gregor Gysi (ARCHIVFOTO: DAPD) 
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Die Linke stellt Bedingungen für eine Koalition mit SPD und Grünen nach der Bundestagswahl im September 2013. „Mit uns geht es nur, wenn es einen Politikwechsel gibt. Dann sind wir bereit“, sagte Gysi in einem Interview.
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Berlin/dapd. 

Die Linke stellt Bedingungen für eine Koalition mit SPD und Grünen nach der Bundestagswahl im September 2013. „Mit uns geht es nur, wenn es einen Politikwechsel gibt. Dann sind wir bereit“, sagte Gysi in einem dapd-Interview. Im Augenblick setzten SPD und Grüne auf einen Personalwechsel, nicht auf einen Politikwechsel, - weder was prekäre Beschäftigung, noch was Steuern, Bundeswehr oder Rente mit 67 betreffe. „Das geht mit uns nicht.“

Gysi rechnet trotz Umfragewerten von derzeit sieben Prozent erneut mit einem zweistelligen Wahlergebnis. „Wenn wir die richtigen Themen ansprechen, kann das Ergebnis wieder zweistellig werden. Man muss ja ehrgeizig sein, sonst macht Kampf keinen Spaß.“ Bei der letzten Wahl hatten die Linken 11,9 Prozent erreicht.

Die Gefahr einer Spaltung der Linken hält Gysi für überwunden. „Der Zustand der Partei ist wesentlich besser als vor dem Parteitag. An der Basis beginnt auch eine Vereinigung“, sagte er. Auf dem Parteitag in Göttingen im Juni waren Gysi als Vertreter der Ost-Linken und Oskar Lafontaine für die West-Linken aneinander geraten. Sie lieferten sich ein heftiges Rededuell.

Die Flügel in Ost und West hätten begriffen, dass bei einer Spaltung beide untergingen, sagte Gysi. Die beiden neuen Vorsitzenden versuchten, einen Weg des gegenseitigen Verständnisses zu gehen, das mache den Unterschied zu früher aus. Deswegen sei er jetzt viel optimistischer.

„Bei Sachstreit wird nicht mehr gebrüllt“

Seine Rede auf dem Göttinger Parteitag sei wie ein reinigendes Gewitter gewesen, sagte Gysi. Sie habe im Osten, aber auch im Westen mobilisiert. Die beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger machten jetzt eine völlig neue Art von Politik: „Sie hören zu, sie sprechen mit den Mitgliedern. So ist eine völlig neue Atmosphäre entstanden.“ Kipping und Riexinger hatten Klaus Ernst abgelöst. Kurz zuvor war bereits Gesine Lötzsch zurückgetreten.

Was ihn am meisten erstaune, sei seine eigene Fraktion, erklärte Gysi. „Das war vor dem Parteitag noch so, dass ich keine Lust mehr hatte, also - es hat mich so was von genervt. Aber das hat sich völlig verändert“, sagte Gysi. Das heiße nicht, dass alle Probleme gelöst seien. „Das heißt aber, wenn es einen Sachstreit gibt, wird nicht mehr gebrüllt, sondern man geht sachlich miteinander um.“ Die Atmosphäre sei wesentlich angenehmer geworden. Dadurch sei die Linke wieder politischer geworden.

Die Frage der Spitzenkandidatur sei noch nicht geklärt, sagte Gysi. „Ob vor oder nach der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar, ist noch nicht entschieden.“ Die beiden Parteivorsitzenden würden die Vorschläge unterbreiten. Gysi schloss nicht aus, selbst zu kandidieren.

Gysi stichelt gegen Lafontaine

Nach dem öffentlichen Zerwürfnis auf dem Göttinger Parteitag im Juni legte Gysi gegen Lafontaine nach. „Er kann allerdings weniger loslassen“, sagte Gysi er mit Blick auf Lafontaine und fügte hinzu: „Das kann ich eher: Wenn ich etwas aufgebe, dann gebe ich es auf. Punkt. Dann zwinge ich mich auch, nicht jeden Tag wieder dabei zu sein.“

Gysi hat aber auch lobende Worte für seinen Kompagnon: „Wir sind jetzt viel offener zueinander. Wenn ihm was an mir nicht gefällt, sagt er es und umgekehrt auch. Die Hemmungen sind weg.“ Gysi bezeichnete Lafontaine als herausragenden europäischen und deutschen Politiker, der eine Menge könne: Er habe zum Beispiel ein ungeheures ökonomisches und Finanzwissen. „Er kann Politiker viel besser als ich einschätzen. Wo ich immer noch edle Motive unterstelle, klärt er mich auf - und er hat in der Regel recht.“