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Ausreiseantrag: Zufallsfund belegt berufliche Diskriminierung in der DDR

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 14:34 Uhr
Blick auf einen DDR-Grenzstein (FOTO: DPA/ARCHIV) 
Ein Zufallsfund bei der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern könnte einstigen DDR- Ausreiseantragsstellern bald die berufliche Rehabilitierung bringen.
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Schwerin/AFP/dpa. 

Der Staatssicherheitsdienst der DDR hat Ausreisewillige dazu gedrängt, ihre Arbeitsstellen mit vorgeschobenen Gründen zu kündigen. Dies ergibt sich aus einem am Freitag bekannt gewordenen Dokument, das bei Forschungsarbeiten in der Außenstelle des Stasi-Bundesarchivs in Görslow bei Schwerin gefunden wurde. Damit könne eine lang gehegte Vermutung ihres Wissens erstmals belegt werden, sagte die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Marita Pagels-Heineking, in Schwerin.

Das Dokument könne für ehemalige DDR-Bürger wichtig sein, die nach ihrem Antrag jahrelang auf eine Ausreisegenehmigung warten mussten und während dieser Zeit nur noch als Hilfsarbeiter tätig waren. Wenn sie ihre vorherige Arbeitsstelle nach den offiziellen Papieren „im gegenseitigen Einvernehmen“ oder „aus Gesundheitsgründen“ aufgaben, konnten sie bislang in der Bundesrepublik für die Zeit bis zur Ausreise nur deutlich geringere Rentenansprüche stellen. In der Regel war es ihnen nicht möglich zu beweisen, dass sie wegen des Ausreiseantrags beruflich benachteiligt worden waren.

Die nun entdeckte Anweisung einer „Koordinierungsgruppe“ des Stasi-Bezirks Schwerin stamme aus dem Jahr 1977, sagte die Historikerin Sandra Pingel-Schliemann der Nachrichtenagentur AFP. Sie fand das Dokument bei einer Recherche zur innerdeutschen Grenze zwischen Elbe und Ostsee. Demnach sollten die DDR-Betriebe Ausreisewillige gezielt aus dem Arbeitsverhältnis drängen, aber genauso gezielt den eigentlichen Grund für die Kündigung verschleiern. Die Bezirkskoordinierungsgruppen der Stasi sollten offenbar ein möglichst einheitliches Vorgehen gegen die zunehmende Zahl Ausreisewilliger sicherstellen.

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