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Algerien: Terroristen nehmen BP-Mitarbeiter als Geiseln

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 17:23 Uhr

Blick auf eine Erdgas-Anlage in Amenas, rund 1300 Kilometer südöstlich der algerischen Hauptstadt Algier

Ein islamistisches Kommando hat am Mittwoch in Algerien einen Standort des Ölkonzerns BP angegriffen und mehrere Ausländer als Geiseln genommen.
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Algier/AFP. 

Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, bei dem Angriff seien zwei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Einer der Angreifer erklärte, seine Gruppe komme aus dem Nachbarland Mali, wo Frankreichs Armee seit Ende vergangener Woche einen Militäreinsatz gegen Islamisten führt.

Nach Angaben aus westlichen Diplomatenkreisen wurde der Angriff von einem islamistischen Kommando verübt, das mehrere Ausländer als Geiseln nahm. BP arbeitet vor Ort mit dem norwegischen Konzern Statoil sowie mit dem algerischen Energieunternehmen Sonatrach zusammen. Bei den Geiseln handele es sich vor allem um Briten, Norweger und Japaner, hieß es.

Der algerische Abgeordnete Mahmoud Guemama sagte unter Berufung auf Augenzeugen, ein Franzose und vier Japaner seien als Geiseln genommen worden. Ein Sprecher der französischen Botschaft konnte diese Information jedoch nicht bestätigen.

Nach Angaben des irischen Außenministeriums ist unter den Geiseln auch ein irischer Staatsbürger. Der Mann stamme aus Nordirland, sei aber im Besitz eines irischen Passes.

Die algerische Nachrichtenagentur meldete weiter, der Angriff sei am Morgen in der Region von Tiguentourine erfolgt, rund 40 Kilometer von der Stadt In Amenas entfernt. Es habe zwei Tote und sechs Verletzte gegeben, darunter zwei Ausländer. BP sprach in einer in London veröffentlichten Erklärung von einem „Sicherheitsvorfall“ auf dem In Amenas Gasfeld im Osten des Landes nahe der Grenze zu Libyen.

Seit Ende vergangener Woche führt Frankreich im Nachbarland Mali einen Militäreinsatz gegen die den Norden des westafrikanischen Landes kontrollierenden Islamisten.

Ein Kämpfer, der nach eigenen Angaben an dem Entführungskommando beteiligt war, sagte, seine Gruppe komme aus Mali und gehöre zum Terrornetzwerk Al-Kaida. „Wir sind Mitglieder von Al-Kaida, und wir kamen aus dem Norden Malis“, sagte der Kämpfer in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. „Wir gehören zu der Chaled Abul Abbas Brigade unter ihrem Anführer Mochtar Belmochtar.“ Belmochtar ist einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegers AQMI.

In Somalia erklärte die islamistische Shebab-Miliz, sie habe ihre französische Geisel zum Tode verurteilt. Die Miliz begründete ihr Urteil über den 2009 entführten Geheimdienstagenten Denis Allex, womöglich ein Deckname, unter anderem mit dem Militäreinsatz Frankreichs in Mali.

Ein Befreiungsversuch der französischen Armee hatte vergangene Woche in einem Blutbad geendet. Nach französischen Angaben wurden 17 Islamisten, ein französischer Soldat und wahrscheinlich auch die Geisel getötet. Die Islamisten beharren hingegen darauf, dass die Geisel noch am Leben ist.

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