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Afghanistan: US-Streitkräfte wirken nur noch als Unterstützer

Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 17:24 Uhr

Präsident Hamid Karzai und US-Präsident Obama trafen sich, um sich über den weiteren Einsatz US-amerikanischer Soldaten in Afghanistan auszutauschen. (FOTO: DPA)

Die USA legen die Sicherheit am Hindukusch früher als geplant in die Hände der Afghanen. „Ab diesem Frühjahr werden unsere Soldaten eine andere Mission haben - die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Kräfte“, sagte US-Präsident Barack Obama.
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Washington/AFP,

Die USA legen die Sicherheit am Hindukusch früher als geplant in die Hände der Afghanen. „Ab diesem Frühjahr werden unsere Soldaten eine andere Mission haben - die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Kräfte“, sagte US-Präsident Barack Obama am Freitag nach einem Treffen mit Afghanistans Staatschef Hamid Karsai in Washington. Ursprünglich war die Übergabe der Sicherheitsverantwortung erst für den Sommer vorgesehen.

Die Umwandlung der Aufgabe der US-Truppen am Hindukusch sei ein „historischer Moment und ein weiterer Schritt hin zu einer vollständigen afghanischen Souveränität“, sagte Obama bei einer Pressekonferenz mit Karsai im Weißen Haus. Zugleich versicherte er, dass die US-Soldaten im Notfall weiter in den Kampf gegen die Taliban-Rebellen eingreifen würden.

„Wir werden unser Bestes geben, um Afghanistan gemeinsam mit den USA und unseren anderen Verbündeten so schnell wie möglich Frieden und Stabilität zurückzubringen“, sagt Karsai. Der Staatschef teilte auch mit, dass sich beide Seiten darauf geeinigt hätten, dass die Gefängnisse künftig vollständig unter afghanischer Kontrolle stehen würden.

Die USA und ihre NATO-Verbündeten haben mit der afghanischen Regierung vereinbart, den Kampfeinsatz bis spätestens Ende 2014 zu beenden. Einem zwischen Washington und Kabul geschlossenen Partnerschaftsabkommen zufolge sollen US-Soldaten auch über dieses Datum hinaus afghanische Truppen ausbilden und in den Kampf gegen Extremisten eingreifen.

Obama machte am Freitag aber deutlich, dass nur dann US-Soldaten nach 2014 in Afghanistan stationiert bleiben sollen, wenn sie vor Strafverfolgung durch afghanische Behörden geschützt seien. Diese Immunität müsse in einem Abkommen festgeschrieben werden, sagte der US-Präsident.

Derzeit sind noch rund 66.000 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Zuletzt hatten US-Medien über eine Reihe von Szenarien für die Zeit nach 2014 berichtet. Laut „Wall Street Journal“ erarbeitete das Pentagon auf Wunsch des Weißen Hauses Vorschläge für eine deutlich stärkere Truppenreduzierung als ursprünglich angedacht. Die USA könnten 3000, 6000 oder 9000 Soldaten im Land belassen. Anfang der Woche erklärte ein enger Berater Obamas gar, dass auch ein vollständiger Abzug der USA nach 2014 nicht ausgeschlossen sei. Der US-Präsident sagte dazu am Freitag, er habe noch keine Entscheidung getroffen.

Karsai bekräftigte unterdessen, dass er am Ende seiner zweiten Amtszeit 2014 zurücktreten werde. Der afghanische Präsident versprach „ordentliche, gut organisierte und ungehinderte“ Wahlen, um einen Nachfolger zu bestimmen.