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Ägypten: Muslimbruderschaft feiert sich als Sieger des Referendums

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 22:37 Uhr

Ägyptische Wahlhelfer zählen Stimmzettel. (FOTO: DPA)

Die Ägypter haben nach inoffiziellen Ergebnissen die von den Islamisten geschriebene Verfassung gebilligt. Damit werden fast zwei Jahre nach dem Sturz des Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak die Religionsgelehrten an Macht gewinnen. Die Opposition befürchtet den Verlust von Freiheitsrechten und will ihre Proteste fortsetzen.
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Kairo/dpa. 

Wie arabische Medien und die Muslimbruderschaft gestern meldeten, sprachen sich bei dem Referendum insgesamt 64 Prozent der Wähler für den Entwurf aus. Am zweiten und letzten Abstimmungstag am Samstag war die Zustimmung erwartungsgemäß noch größer als eine Woche zuvor, weil vermehrt in konservativen ländlichen Gebieten abgestimmt wurde. Dort haben die Religiösen starken Rückhalt, die Präsident Mohammed Mursi zur Macht verholfen hatten, und die Bürger erhoffen sich von einer strengeren Auslegung der Scharia mehr Stabilität.

In der ersten Runde war auch in den Großstädten Alexandria und Kairo gewählt worden, wo Mursis Kritiker ihre Hochburgen haben. Damals lag der Anteil der Befürworter bei 56 Prozent. Diesmal waren es gut 71 Prozent. Nur knapp 29 Prozent hätten mit Nein gestimmt, hieß es unter Berufung auf eine Auswertung der Ergebnisse fast aller Wahllokale. Von 17 Provinzen votierte in der zweiten Runde demnach nur eine, Menufija im Nildelta, mehrheitlich mit Nein. Dort trauern viele dem gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak nach.

Erneut stieß der Ablauf der Volksabstimmung auf Kritik. Viele Wähler seien wieder von Islamisten beeinflusst oder eingeschüchtert worden, hieß es. Zudem sollen Liberale, Linke und Christen in manchen Gebieten an der Stimmabgabe gehindert worden sein. Offizielle Ergebnisse des Referendums werden erst heute verkündet. Die Wahlbeteiligung wird insgesamt auf etwas mehr als 30 Prozent geschätzt.

Wenige Stunden vor dem Ende der Abstimmung war Vizepräsident Mahmud Mekki zurückgetreten. In einer entsprechenden Erklärung wies er darauf hin, dass in dem Entwurf zur neuen Verfassung das Amt des stellvertretenden Staatsoberhauptes nicht vorgesehen sei. Eine konkrete Begründung für seine Entscheidung lieferte er aber nicht.

Der Stellvertreter Mursis erklärte, eigentlich habe er sein Amt bereits im November niederlegen wollen. Er habe diese aber wegen der Unruhen in seinem Land und des aufflammenden Nahost-Konflikts verschoben. Der Streit um das von Muslimbrüdern und Salafisten erarbeitete Regelwerk hat Ägypten tief gespalten. Der Machtkampf hat zu Massenprotesten und tödliche Krawallen geführt.

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