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Selbstgebaute Sprengsätze aus Chemikalien: Bomben aus dem Baumarkt sind keine Seltenheit

Dem Kunden im Pulheimer baumarkt ging es um Drogen. Andernorts sollte der Kauf von Chemikalien tatsächlich dem Bombenbau dienen.

Dem Kunden im Pulheimer baumarkt ging es um Drogen. Andernorts sollte der Kauf von Chemikalien tatsächlich dem Bombenbau dienen.

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dpa

Köln -

Die Abgabevorschriften für Chemikalien, niedergeschrieben in Gesetzeswerken wie der Chemikalienverbotsverordnung oder der EU-Verordnung 98/2013, sind kompliziert. Von der Einschätzungen der Verkäufer hängt es häufig ab, ob die Polizei von terroristischen Anschlagsplanungen erfährt. Denn viele Chemikalien, die in Heimwerkermärkten als Reinigungs-, Bleich- oder Düngemittel angeboten werden, können in entsprechender Konzentration und Menge auch zum Herstellen von Sprengstoffen missbraucht werden.

Der Gesetzgeber hat deshalb eine Vielzahl von Vorschriften erlassen, die den Vertrieb einschränken oder zumindest mit Meldepflichten versehen kann. Mit der Frage allerdings, ob es sich im konkreten Fall um einen verdächtigen und damit anzuzeigenden Einkauf handelt, steht der Verkäufer weitgehend allein da.

Terroristen nach Kauf aufgeflogen

Bomben, die aus dem Baumarkt kommen, sind keine Seltenheit. Schon häufiger hat der Kauf von Chemikalien dazu beigetragen, Terroristen zu enttarnen.

So hatte die „Sauerland-Gruppe“ geplant, durch das Aufkochen von Wasserstoffperoxid Sprengsätze herzustellen, die in Autos platziert werden sollten. Die Chemikalie, die in Deutschland bis zu einer Konzentration von zwölf Prozent frei verkäuflich ist, war zuvor auch für die Anschläge von Djerba, London und Casablanca verwendet worden. Bevor die vier Dschihadisten ihre Pläne umsetzen konnten, wurden sie im September 2007 im Sauerland festgenommen.

Experimente mit Grillanzünder

Sechs Jahre zuvor war die „Düsseldorfer Zelle“ von der Eliteeinheit GSG 9 festgenommen worden. Die vier mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen hatten sich im Internet über den Bau von Sprengsätzen und Zündern informiert und mit Wasserstoffperoxid, Zitronensäure und Grillanzünder aus dem örtlichen Baumarkt experimentiert. Ein konkretes Anschlagsziel hatte es noch nicht gegeben. Ihre Befehle bekamen die Männer direkt vom damaligen „Außenminister“ der Al-Kaida, von Scheich Younis Al Mauretani.

Auf Hani N. aus Berlin stießen die Ermittler im Sommer 2015 durch den Tipp eines Internet-Händlers. Bei zwei Versandhandelsfirmen hatte der Salafist Aceton, Salzsäure und eine größere Zahl an Kühlkompressen, deren Gel Ammonium-Nitrat enthält, bestellt. Einem Mitarbeiter der Firmen kam die Menge ungewöhnlich hoch vor, er informierte Ende Juli die Polizei.

Als die Wohnung gestürmt wurde, wurden Anleitungen zum Herstellen von Sprengstoffen und die Chemikalien gefunden, darunter eine erhebliche Menge an 37-prozentiger Salzsäure. Ein Anschlagziel konnte nicht nachgewiesen werden, weshalb die Ermittlungen wegen „Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat“ weitergeführt wurden.

Lesen sie im nächsten Abschnitt, wie eine Verkäuferin in Oberursel einen Anschlag verhinderte.

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