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+++Newsticker zum Flugzeugabsturz+++: OSZE-Experten beklagen Zustände

Weiße Fahnen zeigen an der Absturzstelle an, wo sterbliche Überreste oder wichtige Wrackteile gefunden wurden.

Weiße Fahnen zeigen an der Absturzstelle an, wo sterbliche Überreste oder wichtige Wrackteile gefunden wurden.

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dpa

Moskau/Amsterdam -

In der Ukraine ist ein Passagierflugzeug der Malaysian Airlines mit 295 Menschen an Bord abgestürzt. Es gibt keine Überlebenden. Der Konflikt in der Ostukraine hat allem Anschein nach die schwerste Flugzeugkatastrophe in Europa seit Jahrzehnten verursacht. Unter den Toten sind 154 Niederländer und auch vier Deutsche. Wer trägt die Verantwortung? Die Ereignisse im Newsticker.

+++23:55 Uhr: OSZE-Mission beklagt chaotische Zustände+++
Die Ermittlungen am Absturzort der malaysischen Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord werden nach OSZE-Angaben weiter durch Einschüchterungen und chaotische Zustände erschwert. Die Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) würden in der Ostukraine bei jedem Schritt von bewaffneten und zum Teil maskierten Männern verfolgt, berichtete der OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw am Samstagabend aus Donezk dem US-Sender CNN.
„Das Problem ist, dass es keine Absperrung des Ortes gibt, wie sonst üblich. Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren“, kritisierte der Kanadier.

Um die Arbeit der eigentlichen Spezialisten am Absturzort vorbereiten zu können, bräuchten die OSZE-Mitarbeiter Bewegungsfreiheit und eine Atmosphäre der Ruhe. Das sei nicht gegeben. „Es sind in einiger Entfernung heftige Gefechte zu hören. Es ist wirklich einschüchternd, dorthin (zum Absturzort) zu fahren und das zu hören.“

Auf Seiten der Aufständischen fehle es an Ansprechpartnern. „Es gibt dort keinen eindeutigen Befehlshaber“, sagte Bociurkiw. Das erschwere auch die Suche nach den beiden Flugschreibern der Boeing. Es sei unklar, wo sich die Geräte befinden. „Niemand kann das beantworten. Das ist ein sehr, sehr großes Rätsel.“

+++21:31 Uhr: OSZE-Experten untersuchen über Stunden Absturzort+++

Im Osten der Ukraine hat eine OSZE-Expertengruppe erstmals über längere Zeit den Unfallort der am Donnerstag abgestürzten malaysischen Passagiermaschine untersuchen können. „Wir waren drei Stunden lang an der Absturzstelle und konnten uns freier bewegen als gestern“, berichtete eine Sprecherin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstagabend aus Donezk. Zuvor hatten sich die Experten über massive Einschränkungen durch bewaffnete Kämpfer der prorussischen Separatisten beschwert.

Der Einsatz der internationalen Expertengruppe wird von Gefechten zwischen ukrainischer Armee und den Aufständischen in der Region überschattet. „Wir haben Explosionen in der Umgebung gehört“, sagte die Sprecherin. Es seien in der Nähe aber keine Schüsse zu hören. „Wenn die Sicherheitslage es zulässt, wollen wir am Sonntag wieder versuchen, Zugang zur Absturzstelle zu bekommen.“

Augenzeugen hatten zuvor von chaotischen Zuständen am Absturzort berichtet. OSZE-Mitarbeiter beobachteten, wie Leichen der 298 ums Leben gekommenen Passagiere von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Straßenrand geräumt wurden. Erklärungen dafür erhielten die OSZE-Vertreter nicht. Es ist weiterhin nicht eindeutig geklärt, ob die Boeing wie allgemein vermutet von einer Rakete getroffen wurde.

+++19:52 Uhr: Separatisten räumen Abtransport von Leichen ein+++

Die Separatisten in der Ostukraine haben den Abtransport sterblicher Überreste von der Absturzstelle der Passagiermaschine bestätigt. „Einige Dutzend Leichen“, die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien „in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern“ nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse am Samstag.

„Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen“, sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben.

+++18:41 Uhr: Vorwürfe von Separatisten zurückgewiesen+++

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben Vorwürfe zurückgewiesen, sie würden eine Untersuchung der abgestürzten malaysischen Passagiermaschine massiv behindern. „Wir haben der OSZE zugesagt, weder die Flugschreiber zu entfernen noch Leichen abzutransportieren“, sagte einer der Sprecher der Aufständischen, Sergej Kawtaradse, am Samstag in Donezk.

Die Regierung in Kiew setze offenbar auf eine Verzögerungstaktik. „Die internationalen Experten sollen jetzt doch erst an diesem Sonntag zum Wrack kommen. Wertvolle Zeit geht verloren - Zeit, in der Spuren völlig zerstört sein können“, kritisierte Kawtaradse.

Auch Separatistenanführer Alexander Boradaj sicherte den Experten eine Zusammenarbeit zu. „Die Flugschreiber können zum Beispiel dem Internationalen Roten Kreuz übergeben werden, kein Problem“, sagte Borodaj. Er wies Berichte zurück, denen zufolge ein Team der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag mit Warnschüssen empfangen worden sei. „Vielleicht war naher Kampflärm zu hören. Aber von uns hat niemand geschossen“, betonte er.

Russland kritisierte Berichte über einen angeblichen Abschuss der Maschine als „voreilig“. Damit sollten offenbar Ermittler beeinflusst werden, teilte das Außenministerium in Moskau mit.

+++17.13 Uhr: Separatisten behindern Wrack-Untersuchung+++

Ausländische Ermittler in der Ostukraine beklagen massive Behinderungen ihrer Arbeit durch Separatisten. Ein Sprecher der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte in Wien, bewaffnete Rebellen hätten die Arbeit der etwa 20 OSZE-Vertreter am Absturzort auch am Samstag erheblich eingeschränkt. Die ukrainische Regierung beklagte sich ebenfalls über Beschränkungen ihrer Experten. Die prorussischen Separatisten wiesen die Vorwürfe zurück und sagten den Experten eine Zusammenarbeit zu. Sie wollen aber im Absturzgebiet bleiben, um vor Ort eine „objektive Untersuchung“ zu gewährleisten.

+++17.02 Uhr: Lawrow und Kerry: Alle Beweise offenlegen+++

Der russische Außenminister Sergei Lawrow und sein US-Kollege John Kerry fordern, dass alle Beweise im Fall des abgestürzten Flugzeugs den internationalen Ermittlern zugänglich gemacht werden müssen. Darüber seien sich beide Minister in einem Telefonat einig gewesen, teilt das Außenministerium in Moskau mit. Beide würden ihren Einfluss auf die Konfliktparteien nutzen, um die Gewalt zu beenden.

+++15.21 Uhr: Niederlande rufen nach Gerechtigkeit+++

„Mörder“ prangt in schwarzen Großbuchstaben auf der Titelseite des „Telegraaf“. Dazu stellt das rechtsgerichtete niederländische Boulevardblatt Fotos von den Führern der prorussischen Rebellen in der Ostukraine. Eine Seite weiter: 63 Fotos von niederländischen Opfern. „Sie wurden ermordet“, schreibt die Zeitung.

Prominent wird am Samstag in allen Medien einer der Rebellen ins Bild gebracht: Der als Schlüsselfigur der Separatisten geltende Igor Girkin. Er soll kurz nach dem Absturz der Boeing der malaysischen Fluggesellschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter damit geprahlt haben, seine Kämpfer hätten ein ukrainisches Militärflugzeug, eine Antonow An-26, abgeschossen. Dieser Tweet soll jedoch nach Angaben der Separatisten gefälscht sein.

Nach dem Schock über die unvorstellbare Katastrophe, die nach jüngsten Angaben aus Den Haag 193 Holländer das Leben kostete, wird nun in den Niederlanden der Ruf nach Gerechtigkeit laut.

Medien, Experten und Politiker verweisen dabei auf die pro-russischen Rebellen als Schuldige und ziehen die Verbindung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er habe den Konflikt in der Ukraine nicht nur geschürt, sondern die Rebellen auch mit schweren Waffen und Experten unterstützt. „Ohne Moskau keine Rebellen“, sagte der rechtsliberale Europa-Abgeordnete Hans van Baalen. „Staatspropaganda, die die Mordlust schürt“, wirft die linksliberale Zeitung „De Volkskrant“ Waldimir Putin vor.

„Wir werden nicht eher ruhen, bis die Sache von Grund auf geklärt ist“, versprach Ministerpräsident Mark Rutte. Doch mit Schuldzuweisungen an die Adresse Moskaus hält sich die niederländische Regierung deutlich zurück.

+++15.02 Uhr: Zugang für internationale Experten gefordert+++

Russland fordert die ukrainische Regierung und die prorussischen Rebellen auf, internationalen Experten Zugang zur Absturzstelle des Flugzeugs zu gewähren. Dies sei für die Ermittlungen nötig, teilt das Außenministerium in Moskau mit.

+++13.36 Uhr: Bislang 186 Leichen entdeckt+++

Ukrainische Rettungskräfte haben nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine bislang 186 Leichen entdeckt. Ein Großteil der rund 25 Quadratkilometer großen Absturzfläche sei bereits abgesucht worden, teilte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums in Kiew am Samstag mit. Die prorussischen Rebellen hätten den Rettungskräften erlaubt, nach den Opfern zu suchen. „Aber sie haben nicht gestattet, dass irgendetwas aus dem Gebiet weggebracht wurde“, sagte der Sprecher. „Die Rebellen haben alles weggebracht, was sie gefunden haben.“

Der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai sagte in Kuala Lumpur, Flug MH17 habe die Hauptroute genommen und sei nicht in den abgeriegelten Luftraum über den Kampfgebieten eingedrungen. Liow sagte, er sei überzeugt, dass die russische Regierung alles unternehme, damit die Opfer rasch geborgen werden könnten. Liow wollte im Lauf des Tages an die Unglückstelle reisen.
US-Präsident Barack Obama warf der russischen Regierung vor, sie tue nichts, um die Gewalt in der Ostukraine zu unterbinden. Nach US-Angaben wurde das Flugzeug von einer Flugabwehrrakete getroffen, die von einem von Rebellen kontrollierten Gebiet aus abgefeuert wurde.

+++11.57 Uhr: Mehr Niederländer als angenommen unter den Opfern+++

Die Zahl der niederländischen Opfer beim Flugzeugabsturz über der Ostukraine hat sich auf 193 erhöht. Das teilte das Außenministerium in Den Haag am Samstag mit. Die Fluggesellschaft Malaysia Airline meldete dagegen, unter den insgesamt 298 Opfern von Flug MH17 seien 192 Niederländer. Möglicherweise hatten Passagiere eine doppelte Staatsangehörigkeit, erklärt das Ministerium die Unstimmigkeit bei den Zahlen. Nach Angaben von Malaysia Airlines wurde inzwischen die Nationalität aller Passagiere geklärt. Die Airline bemühe sich, in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Botschaften die Angehörigen zu informieren.

+++11.01 Uhr: Kiew wirft Separatisten Zerstörung von Beweismaterial vor+++

Die ukrainische Regierung hat den prorussischen Separatisten im Osten des Landes vorgeworfen, mit Hilfe Russlands Beweismaterial zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine zerstören zu wollen. Die Rebellen hätten 38 Leichen vom Absturzort weggeschafft und hinderten ukrainische Ermittler am Zugang zu dem Gebiet, hieß es in einer am Samstag verbreiteten offiziellen Erklärung. Kiew wirft den Aufständischen im Osten des Landes vor, die Maschine von Malaysia Airlines am Donnerstagabend abgeschossen zu haben.

+++10.46 Uhr: Union bringt Blauhelm-Mission ins Gespräch+++

Nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs über der Ostukraine hat die Union einen UN-Blauhelmeinsatz für die Region vorgeschlagen. „Wir brauchen jetzt schnellstmöglich einen international überwachten Waffenstillstand“, sagte Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir über einen Blauhelmeinsatz unter dem Dach der Vereinten Nationen mit einem entsprechenden Mandat nachdenken müssen.“ Eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine schloss der CDU-Außenexperte nicht aus. „Wenn eine solche Mission zustande kommen sollte, würde auch Deutschland gefragt sein“, sagte er.

Ein Blauhelmeinsatz setze eine einstimmige Resolution des UN-Sicherheitsrates hervor, ergänzte Schockenhoff in der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Dabei dürfe nicht mit Veto-Drohungen auf Zeit gespielt werden. Zu den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates gehört auch Russland.

+++10.37 Uhr: Großbritannien hilft bei Untersuchung der Trümmer+++

Großbritannien hat Spezialisten für Flugzeugabstürze in die Ostukraine geschickt, um bei der Untersuchung der Wrackteile der malaysischen Passagiermaschine zu helfen. Das sechsköpfige Team solle am Samstag in Kiew eintreffen, teilte die Regierung mit.

Das Außenministerium entsandte zusätzliches Konsulatspersonal in die Ukraine, außerdem sollen britische Polizisten bei der Bergung, Identifizierung und dem Heimtransport der getöteten Passagiere helfen. Unter den fast 300 Menschen, die beim mutmaßlichen Abschuss des Passagierjets am Donnerstag starben, waren zehn Briten.

+++9.45 Uhr: Einigung auf Sicherheitszone am Absturzort+++

Am Ort des Absturzes des malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine ist eine Sicherheitszone vereinbart worden. Wie der Chef der ukrainischen Sicherheitsbehörden, Valentin Naliwaitschenko, am Samstag in Kiew mitteilte, wurde die Vereinbarung über die weiträumige Sicherheitszone zwischen der Ukraine, Russland, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den prorussischen Separatisten getroffen, die das Gebiet kontrollieren.

Die „wichtigste Aufgabe“ bestehe zunächst darin, die Leichen der 298 Absturzopfer zu identifizieren und die Toten den Hinterbliebenen zu übergeben, sagte Naliwaitschenko.

Unter den Insassen des Flugzeugs der Malaysia Airlines waren 189 Niederländer, dutzende Malaysier sowie vier Deutsche. Aus mehreren Ländern reisten Expertenteams in die Ukraine, um sich an der Aufklärung des Hergangs zu beteiligen. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) kündigte am Freitag die Entsendung von zwei Experten an, um bei der Bergung und Identifizierung der Opfer zu helfen.

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